Wie du die Aktienwelt Schritt für Schritt analysierst und damit schließlich deine Wohlfühl-Aktie findest, erklären wir dir hier.

Einstieg in die Aktienwelt und der Struggle damit

Wieder einmal ein Gespräch mit Freunden ­– wieder einmal dreht sich alles nur darum, wer wie viel Gewinn durch welche Aktie gemacht hat. Du beschließt, dich endlich auch einmal an die Börse heranzuwagen – so schwer kann das ja wohl nicht sein. Nach deinen ersten Recherchen fühlst du dich jedoch völlig überfordert. Das Angebot an Aktien nimmt kein Ende! Damit bist du nicht allein, die meisten Börsenneulinge sind beim ersten Kontakt mit der Finanzwelt erst einmal eingeschüchtert. Das ist normal und definitiv kein Problem! Wir helfen dir dabei, dir einen ersten Einblick zu verschaffen.

Erster Schritt der Aktien-Analyse: Branchenwahl

Wichtig bei der systematischen Wahl deiner Aktie ist es, sich vom Groben zum Spezifischen heranzutasten. Zuallererst solltest du dich daher mit dem Markt befassen. Was sind aktuell die allgemeinen Markttrends? Themen, die keine Zukunft haben, solltest du von vornherein ausschließen. Das sind beispielsweise Unternehmen, deren Geschäftsmodell heute nicht mehr zeitgemäß ist. Ein Beispiel hierfür ist die Kohleindustrie. Deutschland plant bis spätestens 2038 vollständig aus der Kohleindustrie auszusteigen. Auch weltweit befindet sich die Branche auf dem absteigenden Ast, da sie gravierende Auswirkungen auf die Umwelt hat. Informiere dich daher vorher, wie es um deine gewünschte Branche global steht.

Nutze die Vielfalt

Du sollst nun aber nicht den Eindruck erhalten, dass du in deiner Wahl sehr eingeschränkt bist. Das Gegenteil ist der Fall: Der Markt bietet unzählige Einstiegschancen in Sektoren, die ihre beste Zeit erst noch vor sich haben: Erneuerbare Energien, Wasserwirtschaft, Chip-Industrie, Gesundheit oder Robotik sind nur einige wenige Beispiele von zahlreichen Zukunftsfeldern. Sinnvoll ist es, in eine Branche zu investieren, die dich persönlich auch interessiert und du gerne darüber liest. So bist du mit Spannung immer am Ball und optimal über Neuigkeiten informiert.  

Zweiter Schritt der Aktien-Analyse: Marktstellung prüfen

Hast du dich für eine Branche entschieden, steht die nächste Herausforderung bevor. In jeder Branche sind unzählige Unternehmen tätig: große, kleine, bekannte und unbekannte Werte. Aber keine Sorge, auch hier haben wir einen Tipp für dich. Als Börsenneuling empfehlen wir dir auf Unternehmen zu setzen, die sich bereits auf dem Markt etabliert haben. Konzerne, die über einen sogenannten „Burggraben“ verfügen, sind hierbei die klaren Gewinner. Darunter versteht man Firmen, die in ihrem Segment den führenden Anbieter bilden. Dank fachlichem Know-How und einer breiten Akzeptanz der Kunden haben sie quasi das Monopol in ihrem Bereich. Du kannst sie dir wie eine Burg vorstellen, die über einen Burggraben verfügt, sodass Feinde (in der Wirtschaft damit Konkurrenten) abgewehrt werden. Beispiele hierfür wären Amazon, Google oder Apple. Anhand von Apple wird zudem ersichtlich, dass die Unternehmen nicht nur erfolgreicher sind als die Konkurrenz, sondern eine Umstellung auf andere Wettbewerber zusätzlich erschweren. Denn: Apple-Geräte sind kompatibel. Versuchst du ein Gerät einer anderen Marke mit einem iPhone zu verbinden, funktioniert das in den meisten Fällen nicht. Apple hebt sich somit von der Konkurrenz ab und erschwert es seinen Kunden zunehmend, sich von Apple zu lösen. 

Mit mehr Erfahrung auch mehr Auswahl

Für erfahrenere Anleger eignen sich auch kleinere Unternehmen, häufig sind diese zwar eher unscheinbar am Markt, oft sind sie jedoch Weltmarktführer in ihrem Segment. Da sie jedoch wegen ihrer überschaubaren Größe auch über einen geringeren finanziellen Puffer verfügen, sind diese auch riskanter. Gehörst du zu den Neulingen, solltest du dich daher erst einmal auf größere Unternehmen konzentrieren, da diese üblicherweise sicherer sind. Neben der Einschätzung des Burggrabens kannst du daher auch auf die Größenkennzahl des Unternehmens achten. An der Börse spricht man von der sogenannten Marktkapitalisierung. Dabei handelt es sich um den Wert des Unternehmens am Markt, der sich durch die Anzahl und den Wert der Unternehmensaktien ergibt. Der Wert errechnet sich durch die Anzahl der vom Konzern ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Preis, den man für eine Aktie zahlen muss. Dieser Preis wird im Finanzwesen als Kurs einer Aktie bezeichnet. Und wo findest du nun diese Kennzahl? Dafür gibt es mehrere Seiten, wie comdirect.de oder finanzen.net. Je größer die Marktkapitalisierung, desto größer ist im Normalfall das Unternehmen und desto mehr Sicherheit bietet dir deine Aktie.

Dritter Schritt der Aktien-Analyse: Ist die Bewertung realistisch?

Wie du bereits erfahren hast, hängt die Marktkapitalisierung von dem Aktienkurs des Unternehmens ab. Je teurer die Aktien gehandelt werden – also je höher der Aktienkurs ist – desto höher ist die Marktkapitalisierung. Der aktuelle Aktienkurs spiegelt also nicht exakt den Unternehmenswert wider. Wenn Anleger gerade vermehrt die Aktien eines Unternehmens nachfragen, kann dies schnell den Kurs hochtreiben, obwohl der Konzern eigentlich nicht plötzlich mehr wert ist. Häufig entsteht dadurch ein falsches Bild eines Konzerns.

Beachte den KGV

Um zu überprüfen, ob die Bewertung eines Titels realistisch ist, kannst du daher eine weitere Kennzahl heranziehen: Das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis. Kurz: KGV. Das berechnet sich aus dem aktuellen Kurs der Aktie dividiert durch den derzeitigen Gewinn je Aktie. Du musst jedoch nicht erst lange rechnen, auch diese Kennzahl findest du auf den oben genannten Seiten. Je höher das KGV, desto überbewerteter ist die jeweilige Aktie. Eine gute Bewertung findet sich vereinfacht gesagt in dem Bereich zwischen eins und 20. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, die auch ein höheres KGV rechtfertigen, diese sind zu Beginn jedoch erst einmal irrelevant.

Step by Step zum Börsenexperten

Nach dem Motto „Alle guten Dinge sind drei” bist du mit dieser Vorgehensweise schon einmal sehr gut aufgestellt, um dich in der Finanzwelt zu orientieren. Natürlich existieren zahlreiche weitere Kriterien und Kennzahlen. Diese sind zu Beginn aber zunächst zu vernachlässigen. Je mehr Erfahrung du sammelst, desto sicherer wirst du dich bei deinen Investitionen fühlen. Und desto mehr Kennzahlen kannst du in Zukunft heranziehen. Geduld und Spaß sind dabei die besten Begleiter!

Foto-Quelle: Photo by Surface on Unsplash

Autor: Verena Sepp

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