Wie du deine Depotleichen aussortierst: Dieser Artikel richtet sich an alle, die sich schon etwas mit Wertpapieren beschäftigt haben. Aber auch wenn du erst damit anfängst, kannst du ihn schon mal lesen und dir dies für später merken!

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In diesem Beitrag geht es um die Posten im Depot, die du schon eine gefühlte Ewigkeit mitschleppst, die du im Laufe der Zeit angesammelt hast, und die auch dann kaum noch zucken, wenn der gesamte Markt durchstartet. Das kostet auf Dauer ganz schön Rendite.

Wie finde ich meine Depotleichen?

Die lahmen Enten können einst gehypte Aktien sein, die jäh von ihren Höchstkursen abgestürzt sind und an denen die Investoren das Interesse verloren haben (ein Beispiel dafür könnte der Videokonferenzspezialist Zoom werden). Es können aber auch Papiere sein, de- ren Story zum Kaufzeitpunkt hoch spannend geklungen hatte, aber bei einer breiteren Anlegerschaft dennoch nie gezündet hat oder die vom Management unterm Strich mangelhaft umgesetzt wurde (das deutet sich etwa beim Biotech-Titel Morphosys an). Sogar Fonds mit vermeintlich brillanten Anlageideen können in diese Kategorie fallen.

Depotleichen: Doch was sollst du konkret tun?

Klar ist: Niemand weiß, ob und gegebenenfalls wann und wie stark sich solche AGs – im angloamerikanischen Sprachraum Dead Cats (tote Katzen) genannt – erholen. Selbst wenn einmal regelrechte Kurshüpfer Hoffnung machen, handelt es sich oft um einen „Dead Cat Bounce“, also einen letzten Sprung der toten Katze, der eigentlich nur durch die Wucht des Aufpralls verursacht wird. Deshalb solltest du dich konsequent von solchen Papieren trennen. Denn an der Börse sind für den Erfolg vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend: Zeit und liquide Mittel. Und beides verbrauchen die Depotleichen unproduktiv. Besser ist es daher, diese auszusortieren und durch Investments zu ersetzen, die zum jetzigen Zeitpunkt am aussichtsreichsten erscheinen (dass es keine Garantie gibt, dass diese dann auch wirklich top performen, tut dem keinen Abbruch). Selbst wenn es sich bei den Depotleichen um deine Lieblingsaktien handelt. Denn auch die Lieblingsaktien-Strategie birgt viele Risiken. Mehr hierzu liest du diesem neuen Kleingeldhelden-Artikel:

Depotleichen aussortieren: Würdest du alles wieder kaufen?

Die Frage, die dabei stets im Mittelpunkt steht: Würde ich sämtliche Bestandteile in meinem Wertpapierkonto jetzt auch noch kaufen, wenn ich bei null starten würde? In den meisten Fällen dürfte die Antwort klar sein. Gerade jetzt ist deshalb ein guter Zeitpunkt für einen frühen Frühjahrsputz im Depot. Denn wer zeitnah lahme Titel durch neue Besen ersetzt, kann noch großenteils von der saisonalen Dynamik profitieren. Das heißt, die traditionell stärkeren Monate an der Börse laufen noch bis April. Wer ganz beherzt handelt, nimmt sogar noch die letzten Züge einer möglicherweise wieder aufkommenden Jahresanfangsrally mit. Und behalte folgendes auch immer im Hinterkopf: Erst wenn du deine Papiere mit einem dicken Minus verkaufst, hast du auch einen tatsächlichen Verlust. Papiere, die dir seit Jahren keine stabilen und/ oder hohen Gewinne oder Verluste einbringen, kannst du aussortieren! Denn das sind deine Depotleichen.

Hinterfrag dich kritisch

Es gibt ein paar Vorgehensweisen, mit denen du den Grad deiner Überzeugtheit zumindest tendenziell bestimmen kannst. So kannst du versuchen, ob es dir gelingt, den betreffenden Trade kritischen Geistern im Bekannten- oder Kollegenkreis in wenigen klaren Sätzen zu erklären. Nur wenn man wirklich hinter der Idee steht, klappt das. Zusätzlich solltest du dich ehrlich fragen, ob du tatsächlich auf dem Laufenden bist, was Veröffentlichungen beispielsweise von Kapitalmaßnahmen oder Quartalsergebnissen der AG angeht. Zu oft kommt es vor, dass man einsteigt und kurz nach einem Kauf von negativen Zahlen überrascht wird, einfach weil man das Datum der Publikation nicht auf dem Schirm hatte.

Depotleichen raus: Bilde dir deine eigene Meinung!

Viel zur Klärung der eigenen Meinungsfestigkeit bezüglich eines Investments trägt auch bei, ebenjene Quartalsberichte & Co. im Original (z. B. in der Investor-Relations-Sektion auf der Firmen-Homepage) nachzulesen – also ohne eine Einordnung durch einen Analysten. So kann man sich ein eigenes Urteil bilden.

Eine Nacht drüber schlafen

Selbst der profane Ratschlag, vor einem Einstieg noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen, kann sich lohnen. Denn was heute ein guter Aktien-Deal ist, sollte das auch morgen noch sein.

Hierzu gibt es auch eine bekannte Börsenweisheit: „When in doubt, get out“ – also frei übersetzt: „Wenn dir Zweifel bei Positionen kommen, die du bereits hältst, steige besser aus.“ Auch da dürfte einiges dran sein.

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