Es gibt wieder einen neuen Hype in den sozialen Netzwerken. Praktisch jede*r Instargramer*in, die/der etwas auf sich hält, hat plötzlich künstlerisch anmutendende Selfies im Comic-Stil auf seinem Profil. Dafür verantwortlich ist die App Lensa. Wir haben die App für dich getestet und verraten dir, wieviel der Spaß kostet, warum die Macher im Netz so kritisiert werden und was du beim Erstellen deiner KI Avatare unbedingt beachten solltest.

Was ist Lensa?

Die App Lensa generiert, mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI), Porträts der Nutzer*innen und lässt die Selfies wie beeindruckende Fantasy-Kunstwerke erscheinen. Nachdem einige Influencer*innen Lensa-Fotos hochgeladen hatten, ging die App durch die Decke. Alleine im November wurde Lensa rund 1,6 Millionen Mal heruntergeladen. Der Download der App ist dabei erstmal kostenlos. Die App verlangt von den Usern aber einen recht weitgehenden Zugriff auf sensible Daten. Schon bevor man die App überhaupt starten kann, muss man den Datenschutzbestimmungen zustimmen. Mal ehrlich, wer liest das schon? Wir haben es für euch getan.

1. Kritikpunkt: Der Datenschutz

Ein Absatz fällt dabei besonders negativ auf: Die generierten Bilder gehören nicht mehr euch allein, auch Lensa nimmt sich das Recht heraus, user-generierten Content nach Belieben zu verwenden und auch weiterzuverkaufen.

Vorsicht Kostenfalle!

Also gut, geben wir mal zwecks des Test die Bildrechte an Lensa weiter. Aber jetzt geht es los oder? Nein, erst muss man noch die Kreditkarte zücken. Denn will man bei Lensa die Funktion der KI-generierten “Magic Avatars” auch nutzen, muss man ein Jahres-Abo für aktuell 49,99 Euro abschließen. Eine 7-tägige Gratis-Testversion soll nicht gleich alle potentiellen Nutzer*innen vergraulen, aber dafür will Lensa vor dir trotzdem deine Kreditkartendaten. Wer dann nicht rechtzeitig kündigt, landet im Abo. Der Jahrestarif ohne Rabatt liegt übrigens bei 99,99 Euro.

Jetzt geht es wirklich los? Nein! Wer sich die gehypten Avatare von der KI erstellen lassen möchte, wird nun noch einmal zur Kasse gebeten. Abo hin oder her, zwischen 3,49 Euro und 6,99 Euro, je nach Größe des gewählten Pakets, kosten dich die Bildchen zusätzlich. Lensa begründet das, mit der hohen Rechenleistung der KI. Ob es dir das wert ist, musst du selbst entscheiden. Wir Kleingeldhelden finden, das Geld ist in einem KI-Investment sicher besser angelegt.

Sind alle diese Hürden übersprungen, muss du 10 bis 20 Selfies in die App laden. Und hat dann auch noch genügend Kleingeld den Besitzer gewechselt, kann man endlich die digitalen Porträts erstellen, die nach Science-Fiction und Anime aussehen. Und sie gibt es sogar in 4K – wer das nun wieder braucht, sei dahingestellt. Hinter der KI steckt bei Lensa die Open-Source-Software Stable Diffusion. Sie verarbeitet die über die App bereitgestellten Selfies, um Avatare zu generieren. Die KI-Portraits gibt es dann in Kategorien wie Rock Star, Superhero, Stylish, Sci-fi oder Anime

Die App Lensa beklaut Künstler

Hier gibt es allerdings ein weiteres Problem. Um die Künstliche Intelligenz zu trainieren, müssen zuerst massenhaft Bilddaten gesammelt werden. Und woher kommen die Daten? Die KI zieht sie sich ganz einfach aus dem Internet. Milliarden von Bildern, Kunstwerke, Fotos, Grafiken, Comics, Zeichnungen, Animationen werden von der Open Source Software verarbeitet. Darunter auch Kunst, die von bekannten und unbekannten Künstler*innen oder Hoby-Künstler*innen erstellt worden ist. Die Rechte daran besitzt Lensa allerdings nicht. Die Künstler*innen oder Fotograf*innen, die diese Bilder gemacht haben, werden auch nicht entlohnt, während Lensa mit den Daten das große Geschäft macht. Entsprechend groß ist auch die Kritik der Kunstszene an der App.

Ist Lensa auch noch sexistisch?

Instagram- und TikTok-Filter stehen seit langem in der Kritik, unrealistische Schönheitsideale zu propagieren, das sich insbesondere junge Menschen mit den beliebten Influencer*innen vergleichen. Bei denen, unzähliger Filter sei dank, allerdings selten ein Bild auch der Realität entspricht. Auch die Fotobearbeitung von Lensa setzt auf aufgehübschte Bilder. Die Comic-Porträts warten allesamt mit ebenmäßigem Teint und perfektem Haaransatz auf. Insbesondere Frauen werden von der KI offenbar gerne mit funkelnden Augen, leicht geöffneten Lippen und mit körperbetonten Outfits inklusive erotischer Ausschnitte dargestellt. Männer werden hingegen meist in hochgeschlossenen Heldenanzügen gezeigt. Auf Twitter und Co. wird die App daher für ihre frauenfeindlichen Bilder kritisiert.

Fazit: Kann man machen, muss man aber nicht

Die Bilder sind sicherlich ganz lustig und für den ein oder anderen Spaß gut geeignet. Das Geschäftsmodell von Prisma Lab, dem Unternehmen hinter Lensa, ist aber durchaus fragwürdig. Daher lautet das Urteil der Kleingeldhelden: Investier dein Geld lieber, dann reicht es vielleicht auch im echten Leben zum erfolgreichen Super Hero.

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