Nachhaltigkeit liegt im Trend. Kaum ein Vermögensverwalter kann sich dem entziehen. Doch erzielt man mit nachhaltigen Investments auch hohe Gewinne?

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Im letzten Artikel „Grüner denken, grüner investieren?“ haben wir diese Frage bereits aufgeworfen: was bedeutet Nachhaltigkeit? Sind alle grünen Investments nachhaltig? Nun sind wir an dem Punkt angelangt, an dem wir wissen wollen, ob nachhaltige Depots dieselben hohen Gewinne erzielen wie nicht-nachhaltige Depots. Wie sieht es mit den bekannten Tech-Firmen – Twitter oder Amazone aus? Sind das wirklich grüne Investments, in die man ohne schlechtes Gewissen investieren kann? Genau diese Fragen haben wir Roman Limacher, Chef der Schweizer Arete Ethik Invest AG gestellt.

Die Spanne zwischen „das Schlimmste vermeiden und einen positiven Impact erzielen“ ist bei den Portfolios weit gefasst. Wie groß ist der Einfluss von „nachhaltigen“ Investments wirklich?

Limacher: Das ist richtig. Ich bin davon überzeugt, dass nachhaltige Geldanlagen dazu beitragen können, die Welt zu verbessern. Doch das ist nicht bei allen Anlagen gleichermaßen der Fall. Als Aktionär bin ich allerdings Miteigentümer eines Unternehmens und kann durchaus ein Wörtchen mitreden und je nach Anteilsgröße durchaus etwas bewegen.

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sieht sich gerade einem umgekehrten Trend gegenüber: Drei US-Bundesstaaten wollen ihr Geld nicht mehr nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten managen lassen, angeblich weil die Rendite nicht stimmt …

Limacher: Das ist tatsächlich eine brisante Geschichte. Dazu muss man wissen, dass diese Bundesstaaten extrem stark von fossilen Brennstoffen leben, also von Öl, Gas und Fracking. Die wollen sich natürlich das Geschäft nicht kaputt machen lassen. Grundsätzlich belegen aktuelle Studien, dass nachhaltige Investments nach Renditegesichtspunkten keinesfalls hinter herkömmlichen zurückstehen. Letztlich hängt es natürlich auch von finanzwirtschaftlichen Eckdaten ab, ob ein Portfolio erfolgreich ist oder nicht.

Es gibt zwei Ansätze. Die einen investieren in Unternehmen, die schon alle Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, die anderen in diejenigen, die sich verbessern. Welcher ist der bessere?

Limacher: Das hängt von den Erwartungen ab. Das eine Investment erfüllt vielleicht die bestehenden hohen Ansprüche. Doch in die Transformer zu investieren, erscheint auch zielführend. Dabei kann man die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen.

Also Hand aufs Herz: Wäre eine Rio Tinto noch okay?

Limacher: Das kann ich nur anhand unseres Ansatzes beantworten. Wir haben Ausschlusskriterien definiert. Ausgeschlossen werden zum Beispiel Unternehmen, die die Umwelt überdurchschnittlich belasten, indem sie beispielsweise zu viel Abfall generieren, zu viel Energie verbrauchen und zu viel CO2 emittieren. Da gibt es bei Rio Tinto einige Kontroversen.

Und wie sieht es bei Amazon aus?

Limacher: Unser Ethikbeirat, das ist ein unabhängiges Gremium, das die einzelnen Werte für unsere Anlageprodukte nach ethischer Perspektive beleuchtet, hat Amazon ausgeschlossen – insbesondere bei den Arbeitsbedingungen.

Und wie ist es bei Twitter?

Limacher: Twitter hatten wir dem Ethikkomitee bisher nie vorgeschlagen, da es keine guten Ertragsperspektiven hat. Aber aus heutiger Sicht würde ich Twitter, das im Hauruck-Verfahren Personal entlässt, unter ethischen Gesichtspunkten schon sehr kritisch sehen. Bei einem Personalabbau ist es doch entscheidend, wie kommuniziert wird und wie dieser vonstattengeht.

Mehr über die Bewertung des Twitter-Unternehmens und zu den plötzlichen Kündigungen vieler MitarbeiterInnen durch Elon Musk, erfährst du in diesem Video der Finanz-WG:

Twitter-Chaos: Das hat Elon Musk jetzt vor | Kleingeldhelden

Wie gewichten Sie die einzelnen Komponenten, die ökonomische, die soziale und die der Unternehmensführung?

Limacher: Unserer Meinung nach sollten diese gleichberechtigt sein. Der Umweltbereich ist besser messbar und wird in manchen Häusern übergewichtet. Die sozialen Kriterien finden etwas weniger Verbreitung. Die Menschenwürde ist eben schwer mit einer einzigen Zahl zu fassen.

Wie kann Greenwashing vermieden werden?

Limacher: Grundsätzlich ist dort, wo das große Geschäft winkt, die Tür zum Missbrauch nicht weit. Bislang hat die Finanzaufsicht verschiedene Regelwerke ins Leben gerufen. Da muss nachgebessert werden. Die Datenlage verbessert sich. Doch man muss das auch ethisch reflektieren. Man kann nicht nur mit dem Taschenrechner bestimmen, wie gut oder schlecht eine Firma ist. Bei Unternehmen kann es Fälle geben, wo etwas beschönigt wird. Und auch in der Finanzindustrie ist die Verlockung groß, etwas nachhaltiger zu beurteilen, als es ist.

Worauf sollte ich als Anleger achten?

Limacher: Man sollte sich die Produkte und Jahresberichte der Fondsanbieter ansehen und sich fragen: Was wird versprochen und was ist drin? Da sollte es keine Diskrepanz geben.

Das ganze Interview mit Roman Limacher kannst du dir in Folge 16 des FOCUS MONEY-Podcasts “Money Talks” hier anhören. Oder scanne einfach den QR-Code:

Folge 16 mit Roman Limacher über grüne und rentable Investments

Autorin: Heike Bangert

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