Wieso sich langfristige Sparpläne lohnen und wie du ein Vermögen aufbaust

Autor: Uli Kühn

Warum Aktien die Gewinner sind

Nur wenige haben sich so intensiv mit der Entwicklung der Weltbörsen beschäftigt wie Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton. Seit Jahrzehnten analysieren die britischen Finanzhistoriker, welche Renditen an den Finanzmärkten erzielt werden und was die verschiedenen Anlageklassen abwerfen. Ihre Erkenntnis aus mehr als 120 Jahren Finanzmarktgeschichte: „Wir haben bei der Analyse Aktien, Anleihen, Geldmarktpapiere, Immobilien und sogar Sammlerobjekte wie Kunst, Wein oder Oldtimer berücksichtigt, ebenso Inflation und Wechselkurse. Das Ergebnis ist eindeutig: Langfristig gesehen, waren Aktien in allen untersuchten Ländern die Anlageklasse mit der besten Entwicklung“, berichtet Professor Dimson. Auch im Kampf gegen die Inflation haben sich Aktien bewährt. „In den vergangenen 120 Jahren haben in allen von uns untersuchten 35 Ländern Aktien die Inflation geschlagen. Anleihen gelang dies nicht überall“, sagt Dimsons Forscherkollege Marsh. In Bezug auf die Rendite hätten die Aktien in der Vergangenheit nicht nur die Inflation abgehängt, sondern auch Staatsanleihen.

Starke Nerven einkalkulieren

Die Wissenschaftler wissen allerdings auch: Wer mit börsennotierten Wertpapieren wie Aktien Vermögen aufbauen will, braucht gute Nerven. Langfristig streben die meisten Weltbörsen zuverlässig nach oben, doch genauso normal sind Unterbrechungen des Aufwärtstrends. Vor allem bei Aktien folgen auf Jahre mit hohen Kursgewinnen regelmäßig vorübergehende, aber schmerzhafte Einbrüche. Und selbst bei den vermeintlich sicheren Anleihen können Kursverluste auftreten. Das wurde in diesem Jahr besonders deutlich.

Warum sich langfristige Sparpläne lohnen

Wie lukrativ Sparpläne in den vergangenen Jahrzehnten waren, belegen Berechnungen des deutschen Fondsverbands BVI: Wer in den vergangenen 20 Jahren Monat für Monat 100 Euro in einen typischen Fonds mit Aktien aus aller Welt investierte, kam bis Ende Juni 2022 auf ein Vermögen von mehr als 46000 Euro (s. Grafik unten). Mehr als die Hälfte dieser Summe ergab sich dabei allein aus Kursgewinnen und Dividenden. Etwas weniger als die Hälfte entfiel auf die kumulierten Einzahlungen von 24000 Euro. Selbst die schlimmste Börseneinbrüche – minus 50 Prozent in der Finanzkrise 2008, minus 40 Prozent im Corona-Crash 2020 – wurden also durch die Sparplanstrategie neutralisiert.


“Aktienfonds- und ETF-Sparpläne sind für den langfristigen Vermögensaufbau besonders geeignet

— Andreas Zimmermann, Senior Expert, Consorsbank
Bild Quelle: BVI; Stand: 30.06.2022, Foto Consorsbank

Die Verlierer sind…?

Investments in Anleihen entwickelten sich nicht ganz so gut. Auch das zeigen die Berechnungen des BVI. Wer in den vergangenen 20 Jahren per Sparplan in einen Fonds mit überwiegend langlaufenden Euro-Anleihen guter Bonität investierte, produzierte mit seinen Einzahlungen von 24000 Euro nur ein Endergebnis von etwas mehr als 28000 Euro. Bis vor einem Jahr reichte diese Wertsteigerung gerade einmal für den Ausgleich der Geldentwertung durch Inflation.

Diversifikation ist wichtig

Doch neben ihren überschaubaren Kosten bieten ETFs und Fonds noch einen weiteren Vorteil: Anleger, die in einen oder mehrere ETFs bzw. Fonds investieren, erhalten damit automatisch ein breit diversifiziertes Portfolio – und streuen dadurch ihr Risiko. „ETF- bzw. Fondssparpläne sind für den langfristigen Vermögensaufbau besonders geeignet“, erklärt denn auch Consorsbank-Experte Zimmermann. Durch ein Investment sowohl in einen traditionellen, aktiv gesteuerten Fonds als auch in einen passiven ETF lasse sich das Risiko gegenüber einer Direktanlage in einzelnen Aktien merklich reduzieren.

Für Investoren ist das ein enormer Pluspunkt:

Diversifikation ist das Einzige, was es an den Finanzmärkten umsonst gibt.

Harry Markowitz, Wirtschafts-Nobelpreisträger

Der Finanzhistoriker Dimson ist da ganz bei ihm: „Diversifikation bleibt weiterhin ein ,Free Lunch‘, ein kostenloser Gewinn. Mit guter Diversifikation können Anleger das gleiche Ergebnis mit weniger Risiko erzielen oder eine höhere Rendite bei gleichem Risiko“, erläutert Dimson.

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Autor dieses Artikels: Uli Kühn

Fotoquelle: Photo by Jonny McKenna on Unsplash

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