Der Begriff „Bankenstadt“ weckt bei den meisten Menschen ähnliche Gedanken. Frankfurt, London, New York. Doch warum haben die meisten Großbanken gerade diese Städte für ihren Hauptsitz ausgewählt?

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Banken: Klare Verteilung auf Kernstädte

Insbesondere Privatkundenbanken rühmen sich damit, über diverse Standorte im gesamten Land zu verfügen. Wirft man jedoch einen Blick auf den Hauptsitz, so folgen die meisten Geld- und Kreditinstitute einem Muster. 199 Banken hatten zum 30. Juni 2016 einen Sitz in Frankfurt, davon 40 inländische und 159 ausländische Banken. Alle vier der größten Banken Deutschlands (nach Bilanzsumme) haben ihren Sitz in Frankfurt. Dazu zählen die Deutsche Bank, die DZ-Bank, die Commerzbank und die KfW. Auch kleinere Banken Deutschlands residieren in der Mainmetropole, wie z. B. die ING-DiBa AG oder die DekaBank. Das Gegenstück dazu bilden die Hauptstadt London, in der drei der vier größten britischen Banken ihren Hauptsitz haben, und die Weltstadt New York. Hier finden sich unter anderem die Headquarter von J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citibank.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Natürlich befinden sich nicht alle großen Banken und Investmenthäuser in diesen drei Metropolen. Zwei der vier größten Banken der USA, Wells Fargo und Bank of America haben ihre Zentrale in San Francisco bzw. Charlotte. Außerdem existieren viele weitere Städte, die einen Hafen für große Banken darstellen, wie z. B. Paris, Zürich und Hong Kong. Trotzdem tauchen die Namen Frankfurt, London und New York im Zusammenhang mit dem Begriff Bankenstadt immer wieder auf.

Was macht Frankfurt für Banken so attraktiv?

Doch was ist es nun, das Frankfurt, London und New York für Finanzunternehmen so verlockend macht? Die Geschichte der Stadt Frankfurt als Finanzzentrum Deutschlands geht einige Jahrhunderte zurück. Bereits im Mittelalter war die Stadt eines der urbanen Zentren Deutschlands, was sie vor allem ihrer vorteilhaften Lage am Main zu verdanken hatte. Auch die politische Bedeutung Frankfurts prägte seine Entwicklung. So wurden hier hunderte Jahre lang die Kaiser und Könige Deutschlands gekrönt. Viele tausend Menschen fanden sich zu den Krönungszeremonien ein, was das Geschäft und den Tourismus beflügelte. Dass die Stadt politisch und gesellschaftlich an Bedeutung gewann, begünstigte natürlich den Handel.

Banken:Die Entstehung der Wertpapierbörse

Frankfurt ist seit jeher eine Messestadt, weshalb Kaufleute aus ganz Europa anreisten, um an Messen und Handel teilzunehmen. Als Problem stellten sich jedoch die vielen verschiedenen Währungen heraus, die dadurch im Umlauf waren. Auf einen Wechselkurs konnte man sich oft nicht einigen und es kam vermehrt zu Betrug. Daraufhin stellten die Messekaufleute die Forderung, dass der Rat der Stadt Frankfurt die Wechselkurse zur Zeit der Messe festlegen sollte. Damit war die Idee der Frankfurter Börse geboren. Mitte des 16. Jahrhunderts eröffneten die ersten Wechselstuben und bald wurde der Stadt das Recht der Münzprägung zuteil. Aus dem Geldgeschäft entwickelte sich im Laufe der Jahre der Wertpapierhandel. Durch den zunehmenden Handel und die günstigen Rahmenbedingungen zog es immer mehr Banken in die Stadt. Aus dem frühen Handel mit Währungen entwickelte sich so über viele Jahre hinweg eine der wichtigsten Wertpapierbörsen der Welt. Insbesondere als noch nicht online gehandelt werden konnte, ergab es für Banken und Händler Sinn, die Nähe der Börse zu suchen.

Frankfurt hat sich also nicht von heute auf morgen zur Finanzmetropole entwickelt. Trotzdem gibt es weitere Faktoren, die Frankfurt als Standort begünstigen. So verfügt die Stadt über eine optimale Erreichbarkeit. Hier befindet sich der größte Flughafen Deutschlands und auch die Zug und Autobahnanbindung ist vorteilhaft. Zudem veranlassten die internationale Ausrichtung sowie die Nähe zur Notenbank und der größten deutschen Wertpapierbörse Banken dazu, hier ihren Sitz aufzuschlagen.

Wie wurde London zum Finanzzentrum?

Auch London entwickelte sich schon vor mehreren hundert Jahren zum Finanz- und Handelsplatz. Die Geschichte des London Stock Exchange geht bis ins Jahr 1698 zurück. Londons bedeutende Stellung in der Weltwirtschaft beruht insbesondere auf Großbritanniens Kolonien, der Industrialisierung und der Globalisierung. Gleichermaßen erwies sich der Standort, ähnlich wie bei Frankfurt, als äußerst vorteilhaft. Ein Großteil an britischen Importen und Exporten wurde bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts über den Londoner Hafen abgewickelt. Großbritannien zählte zu dieser Zeit zur größten Kolonialmacht und auch zum größten Industrie- und Handelsland. Die politische Bedeutung Londons als Hauptstadt ist ebenfalls eine Parallele zur Geschichte Frankfurts, genauso wie die Vorteile, die sich durch diverse Anbindungsmöglichkeiten ergeben. London ist für eine Stadt auf einer Insel bestens vernetzt, verfügt gleich über sechs internationale Verkehrsflughäfen und ist zudem per Zug und Schiff erreichbar.

New York vs. Philadelphia

Zu guter Letzt ist jedem die Wall Street als Zentrum der amerikanischen Finanzwelt bekannt. Eine Zeitlang sah es jedoch so aus, als würde Philadelphia diese Rolle übernehmen. Doch obwohl Philadelphia die erste Bank und Börse der Nation beherbergte, verdrängte der Big Apple die Stadt durch seinen wachsenden Einfluss von seiner Vorreiterrolle. Der 1790 gegründete Philadelphia Stock Exchange existierte vor dem New York Stock Exchange und nahm damit eine Vorreiterrolle ein. Angesichts der Dominanz des Wertpapiermarktes in Philadelphia, gründete die Stadt New York in 1817 das New York Stock Exchange Board, aus dem später der NYSE hervorging. Die neue Börse, die deutlich mehr Banken beinhaltete, sollte Investoren aus Philadelphia weglocken. Auch im Handelsvolumen überholte New York seinen südlichen Konkurrenten schnell. New Yorks Häfen erwiesen sich als kostengünstiger als die von Philadelphia und Boston. Der Hudson River war tiefer als der Delaware oder der Charles River und stellte sich dabei als besser schiffbar und weniger frostanfällig heraus.

Banken: Der Weg zur Finanzmetropole

Mit dem heftigen Anstieg der Einwohnerzahl, bedingt dadurch, dass New York für viele Immigranten der erste Einreisehafen war, wuchsen sowohl die Stadt als auch die Handelsaktivitäten. Was die neuen Einwanderer mitbrachten, war eine neue Risikobereitschaft. Auf diese Weise kam ein unternehmerischer Ethos in die Stadt, der für spekulatives Investitionsverhalten sorgte. Das wiederrum war förderlich für den Handel an den Wertpapiermärkten, die dadurch an Liquidität zulegten. Auch politisch wurde die Rolle New Yorks verstärkt, und zwar durch die National Banking Acts von 1863 und 1864. In letzterer Fassung wurde bestimmt, dass nationale Banken 15 Prozent der gesetzlichen Geldreserve in New York halten mussten. Damit wurde die Stadt an die Spitze der hierarchischen Bankenstruktur gestellt. Mit der Nähe zur größten Börse weltweit, sowie den ebenfalls vorteilhaften Anbindungsmöglichkeiten (erst durch die Schifffahrt, heute durch die drei großen Flughäfen JFK, LaGuardia und Newark) vermehrten sich die Ambitionen für amerikanische Banken, hier ihren Sitz aufzuschlagen.

Dass gerade New York, London und in Deutschland Frankfurt als Bankenzentren gelten, ist also kein Zufall. Die Entwicklung dieser Städte nahm viele Jahre oder gar Jahrhunderte in Anspruch und war zu einem großen Teil auf geografische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Faktoren zurückzuführen. Symbolhaft dafür sehen wir heute die Wolkenkratzer aus Glas, wann immer wir die Skyline unserer Bankenstädte betrachten.

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