Klimawandel, technischer Fortschritt und hohe Inflation lassen die Schadenkosten der Autoversicherer schier explodieren. Die Folge sind höhere Prämien. Welche Kfz-Tarife dennoch gut und günstig sind, erfährt du hier in unserer Analyse 2022.

AutorInnen: Thomas Schickling und Alisha Ogidan

Analyse 2022: Sicherheit kostet

Moderne Autos stecken voller Sicherheits-Hightech: automatische Distanzregelung mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Müdigkeitserkennung, Notbremsassistent, Parklenkassistent, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent und natürlich Verkehrszeichenerkennung. Diese geballte Ladung modernster Fahrerassistenzsysteme macht das Autofahren für Langstrecken zwar angenehmer und reduziert das Unfallrisiko, doch bei einem Crash wird es für dich sehr teuer! Selbst bei leichten Karambolagen mit vergleichsweise geringen Schäden an Front und Heck explodieren die Kosten wegen der dort verbauten Sensoren.

Wie teuer wird der Schaden?

Ein Beispiel: Daten der HUK-Versicherung kostet dich die Reparatur eines Stoßfängers samt Teilen und Arbeitskosten ohne Austausch der Radarsensoren bei einem 5er-BMW (Baujahr 2020) rund 2900 Euro. Werden zudem besagte Sensoren erneuert, steigt der Werkstattpreis sogar auf das Doppelte. Durch moderne Sicherheitssysteme oder Elektroautos willst du eigentlich nicht nur deinen ökologischen Fußabdruck reduzieren, sondern auch deinen Geldbeutel schonen: Doch, wenn du im Falle eines Unfalls nicht richtig versichert bist, kommt der Schaden dir teuer zu stehen!

Analyse 2022: Wieso reicht eine einfache Kfz-Versicherung nicht aus?

Nicht nur deutlich höhere Aufwendungen für die Wiederinstandsetzung modernster Fahrzeugtechnik lassen das Herz der Versicherer bluten. Immense Ausgaben verursachten den Sachversicherern im Kaskobereich auch die vielen Unwetterschäden im vergangenen Jahr. „Wir haben 2021 rund 450000 Schäden in Höhe von 1,7 Milliarden Euro an versicherten Kraftfahrzeugen gezählt“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Davon entfielen rund 1,3 Milliarden Euro auf Kfz-Schäden durch Sturm, Hagel und Blitz. Die restlichen 400 Millionen Euro wurden durch Überschwemmungen verursacht. „Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Schadenjahr hat sich die Schadensumme fast verdoppelt“, bilanziert Asmussen. Im langjährigen Durchschnitt werden normalerweise jährlich rund 390000 versicherte Fahrzeuge beschädigt, die Schadensumme liegt bei rund 900 Millionen Euro. Unsere Analyse hat gezeigt, dass insbesondere zwei Wetterextreme für die hohen Schäden im vergangen Jahr verantwortlich waren: die Unwetterserie im Juni und die Juli-Sturzflut im Ahrtal. „2021 hat sich gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels in Deutschland längst spürbar sind. Schon wenige extreme Wetterlagen können immense Schäden anrichten“, warnt Asmussen.

Unsere Analyse 2022 zeigt: Steigende Prämien am Jahresende

Neben dem Ersatz von Assistenzsystemen und Unwetterkatastrophen bereiten auch die Teuerungsraten den Autoversicherern hierzulande Kopfzerbrechen. „Die Inflation bei Ersatzteilen, die in der Regel nochmals deutlich oberhalb der normalen Inflation liegt, dürfte die Schadenbelastung der Versicherer weiter steigen lassen und somit Prämienerhöhungen am Jahresende erfordern“, erklärt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-Unfall-Versicherung bei der Rating-Agentur Assekurata.

Das Fazit ist also, dass sich Autofahrer in Deutschland wohl bereits Ende 2022 auf breiter Front auf höhere Prämien für Haftpflicht, Teil- und Vollkasko einstellen müssen.

Was sind die besten und günstigsten Kfz-Tarife?

Wenn du allerdings nach einem Vertrag mit einem hervorragend günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis Ausschau hältst, musst du dir erst mal mühsam einen Marktüberblick verschaffen. Um dir bei dieser Aufgabe zu helfen, hat jetzt das Vergleichsportal Verivox für FOCUS-MONEY in einer Stichprobenanalyse 2022 marktrelevanter Fahrer-Soziodemografien Basis- und Standardpolicen der Direkt- und Serviceversicherer akribisch miteinander verglichen.

Das Ergebnis: Erste Wahl bei Direktversicherern mit Online-Vertrieb ist laut Verivox-Analyse 2022 die HUK24. Bei den Serviceversicherern mit einem Filialnetz hingegen liegt die HUK-Coburg beim Basis- und Standardschutz vorn.

Die Analyse 2022 zeigt, dass HUK24 und HUK-Coburg ganz oben im Kurs stehen.

Darauf solltest du im Vertrag achten

Egal, ob du heute einen Standard- oder lieber doch einen Basis-Tarif bevorzugst: Wenn du bei einem Fahrzeugwechsel oder einer Kündigung zu einer anderen Gesellschaft wechseln willst, solltest du neben der Prämie und Schadenregulierung insbesondere auf die Leistungsmerkmale des Tarifs achten. Untersuche die AGBs darauf, ob die Gesellschaft zum Beispiel bei Unfall auf den Einwand grober Fahrlässigkeit verzichtet, bei Leasingautos die Police eine GAP-Deckung vorsieht und ob der Versicherer bei Neufahrzeugen eine möglichst lange Neuwertentschädigung – am besten zwei Jahre – festschreibt.

Die Prämien-Analyse 2022 zeigt:

Zukunftsanalyse 2022

Verglichen mit früheren Jahren, haben die Versicherer bei ihren Leistungen insbesondere in zwei Bereichen deutlich draufgesattelt: bei Folgeschäden von Marderbissen und bei Kurzschlussschäden. Die Gesellschaften reagieren damit auf die wachsende Beliebtheit von E-Mobilen und das deutlich höhere Schadenpotenzial bei den Akkus dieser Fahrzeuge.

Fotoquelle: Photo by Roberto Nickson on Unsplash

AutorInnen: Thomas Schickling und Alisha Ogidan

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