Bin ich alt geworden? Diese Frage habe ich mir erst kürzlich wieder gestellt, als ich durch München lief und eine Gruppe Jugendlicher lachend an ihren Handys beobachtet habe. Die jungen Menschen haben per Handy und Tweets miteinander kommuniziert und sich über lustige Memes ausgetauscht. Und als ich dann noch versucht habe deren Sprache zu verstehen, bin ich gar nicht mehr mitgekommen. Das bedeutet wohl, dass ich mit meinen 25 Jahren schon zur „alten“ Generation Z gehöre. Die gleiche Erkenntnis machte auch mein Kollege Sinan Krieger und stellte fest, dass die Generation Z noch mal ganz anders tickt. Sie ist wilder, extremer, provokanter – aber irgendwie auch faszinierend.

Du willst wissen, wie ein gewöhnlicher Tag der Generation Z aussieht? In diesem Artikel berichtet die 18-Jährige Wirtschaftsjournalismusstudentin Anna AVETYAn humorvoll von ihrem Tagesablauf und welche Themen die Generation Z beschäftigen.

8.01 Uhr: Generation Z – Ohne iPhone geht gar nichts!

Mein Wecker klingelt. Automatisch strecke ich den Arm zur Seite. Stille. 08:01Uhr sagt das Display meines iPhone X. Jaja, Android kann mehr, aber hast du schon mal versucht, mit einem Samsung-Handy eine Instagram-Story zu filmen? Da ist doch selbst die Qualität eines Toasters besser! Außerdem sieht Apple einfach besser aus, und solange der Speicherplatz für meine Bilder und Videos, Instagram und WhatsApp reicht, es WLAN und eine (oder drei) gute Kameras hat, ist mir egal, was das Ding sonst noch so kann. – Unter der Uhrzeit befinden sich schon lauter Nachrichten. Ich erkenne im Halbschlaf das vertraute grüne Logo, checke meine neuesten WhatsApp-Nachrichten, tippe auf das lila-orange Instagram-Logo und versinke in Posts.

08.30 Uhr: Generation Z – Massentierhaltung, nicht mit mir!

Ich torkele ins Bad, den Blick noch auf mein iPhone gerichtet, denn bis zur letztmöglichen Sekunde sauge ich Katzenvideos auf.

Ich lasse meine Lieblings-Spotify-Playlist laufen, während ich den Kaffee aufsetze – Fairtrade natürlich! Dazu schäume ich meine Hafermilch – Barista Edition – auf. Diese lässt sich nämlich genauso gut aufschäumen wie herkömmliche Kuhmilch, ist aber deutlich besser für die Umwelt und schmeckt mir auch noch besser. Also, was ist deine Ausrede? Wieso hast du noch immer Kuhmilch in deinem Kühlschrank stehen? Aus Sojajoghurt, Haferflocken und Obst mische ich mir mein Frühstück – et voilà: super gesundes Frühstück! Ohne Tierleid. Ohne schlechtes Gewissen – ist ja vegan!

Mehr über vegane Kost, die sich auszahlt, erfährst du in diesem Beitrag.

8.56 Uhr: Generation Z – Digitalisierung ist die Zukunft

Ich hole mein iPad. Ja, so viel von Apple zu haben, ist teuer, aber wenn wir schon seit zwei Jahren alles vom Sofa aus machen müssen, dann wenigstens mit Stil! Ich öffne die Microsoft-Teams-App. Wenigstens das haben die „Alten“ richtig gemacht, denn auf Teams habe ich alles vereint: meinen Kalender mit Vorlesungen und wichtigen Terminen, meine Chats mit Studierenden und Tutoren, To-Dos und eine Abgabeplattform. Alles ohne ein Blatt Papier und ohne Faxgerät. Wieso das bei den Behörden immer noch nicht angekommen ist, verstehe ich wirklich nicht. Ich drücke auf „Besprechung beitreten“ und bin startklar für meine Vorlesung. Mit Kaffee, Joghurt und iPad setzte ich mich also auf mein Sofa – den Ort, den ich für die nächsten paar Stunden nicht mehr verlassen werde. Wieso sollte ich auch? Ich erwarte schließlich keine Amazon-Lieferung.

12.45 Uhr: Generation Z – Wir sind nicht faul, sondern clever!

Endlich, ich drücke den roten Button und die Vorlesungen sind für heute vorbei. Nach so viel intelligentem Geschwafel muss ich erst mal meinen Kopf mit Memes entspannen – oder Foodblogger-Posts … Hunger! Mein iPad nehme ich natürlich mit in die Küche: Netflix! Kochen dauert mindestens eine halbe Stunde, das ist genug Zeit um eine Folge „Haus des Geldes“ zu schauen. Die Lebensmittel habe ich mir übrigens liefern lassen. Kostet genauso viel wie im Supermarkt und ich spare mir die Treppenstufen mit schweren Einkaufstaschen in den vierten Stock. Du magst das als „faul“ bezeichnen. Ich nenne es: cleveres Time-Management. Als ich die Netflix-App öffne, erfahre ich, dass bald die neue Staffel meiner Lieblingsserie rauskommt – Woche gerettet!

14.38 Uhr: Generation Z – Gegen Ausbeutung mit Rabattcodes

Zwei Folgen später ziehe ich mich um – Yogakurs. Darauf habe ich mich besonders gefreut, denn eine Yoga-Influencerin hatte letzte Woche einen Rabattcode für Lululemon in ihrer Insta-Stroy, also bin ich jetzt voll mit Lululemon ausgerüstet: neue Leggings, neues Top und sogar eine Yogamatte. Alles in Lila, die Farbe des höchsten Chakras, passt also zum Yoga! Außerdem achtet das Unternehmen auf Nachhaltigkeit und ihre Arbeiter*innen – niemals könnte ich in billigen H&M-Leggins Yoga machen, wo es doch darum geht, Verbundenheit und Frieden zu finden? Ich finde keinen Frieden in der Ausbeutung von Arbeiter*innen und der Umweltverschmutzung der Fast-Fashion-Industrie. Einfach grauenvoll, findest du nicht?

Also zahle lieber etwas mehr, dann kannst du auch in Frieden Yoga machen, uns geht es doch gut genug. Und wenn es eine gute Erfindung der Influencer-Welt gibt, dann die Rabattcodes – damit zahlst du am Ende für das teure, aber nachhaltige Produkt doch denselben Preis wie für billige umweltverpestende Mode. Mein Tipp, damit du auch solch nachhaltige Marken findest: Lösch endlich dein Facebook-Profil und hol dir Instagram – ist inzwischen sowieso vom selben Typen!

15.12 Uhr: 500 PS sind nicht cool, sondern peinlich!

Ich schwinge mich auf mein Rad und schlängle mich durch die Autos zum Yoga. Dabei konnte ich mich auch schon mal aufwärmen – sieben Minuten. Ich verstehe nicht, wieso ihr in der Stadt immer noch Auto fahrt – es ist doch alles voller Staus und Einbahnstraßen und mit euren SUVs findet ihr sowieso keine Parkplätze. Wofür baut die Stadt Radwege und Öffis aus? Okay, die Öffis haben manchmal Verspätung … aber gerade in der Stadt kann man ja wohl Fahrrad fahren, solange es nicht tiefster Winter ist. Ach ja, den Winter gibt es bald sowieso nicht mehr .

19.20 Uhr: Generation Z – Bitte keine Massenware!

Ich bin wieder zu Hause, wärme mir die Reste meines Mittagessens auf und setze mich wieder aufs Sofa. Ich lasse Netflix im Hintergrund laufen, während ich meinen Feed durchstöbere, Storys und Reels anschaue. Dabei stoße ich auch auf eine Influencerin, die jetzt ihren eigenen Etsy-Shop rausgebracht hat. Sie verkauft nachhaltige Ohrringe, selbst designt. Die Anhänger sind sooooo cute!

Ich bestelle gleich mehrere Paar, denn für die ersten Tage gibt es noch einen Rabattcode. Im Gegensatz zu billigen Fast-Fashion-Designs weiß man, wem man auf Etsy sein Geld gibt, und das ist es definitiv wert. Privatleute verkaufen ihre selbst gemachten Sachen – sei es Kunst, Möbel, Mode oder Schmuck. Kreativ und inspirativ!

00.18 Uhr: Generation Z – Akku fast leer, doch ein paar Insta-Storys gehen noch

Ich nehme mein iPad mit ins Bad und schaue während des Zähneputzens meine Serie weiter. Im Bett stöbere ich noch in meinem Insta-Feed, bis mir beinahe die Augen zufallen. Ich stelle den Wecker, lege das Handy neben mich zum Laden (WICHTIG!) und versinke in meine Traumwelt.

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AutorInnen:Sinan Krieger, Anna AVETYAn und Alisha Ogidan

Fotoquelle: Photo by Gian Cescon on Unsplash

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