Sooft wir auch über Digitalisierung oder autonomes Fahren sprechen – es gibt einen Sektor, der den wenigsten bei diesen Trendthemen sofort in den Sinn kommt: die Landwirtschaft. Alle landwirtschaftlichen Prozesse sollen durch intelligente Systeme einfacher gemacht werden. Was Smart Farming bedeutet und welche Technologien derzeit auf dem Farming-Markt sind, erfährst du in diesem Artikel.

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Was ist Smart Farming?

Beim Smart Farming geht es um die Optimierung landwirtschaftlicher Prozesse und Systeme durch intelligente Systeme. Der Landwirt soll per App Unkraut jäten, Saatgut streuen und den Tieren das Futter geben. Kurz gesagt: Der Landwirt sollte nur noch zur Qualitätskontrolle aufs Feld müssen. Was das bringt? Während ein Roboter beispielsweise den Tieren das Futter gibt oder das Unkraut jätet, kann der Landwirt sich um andere Aufgaben auf dem Hof kümmern. Auch wenn bereits autonome Landwirtschaftsmaschinen auf dem Markt zur Verfügung stehen, können Landwirte diese noch nicht vollständig einsetzen. Die rechtlich noch ungeklärte Situation verhindert, dass man diese Technologie voll einsetzt. Wer bei einem Unfall eines selbstfahrenden Traktors die Haftung übernimmt, steht noch infrage. Deshalb müssen die Landwirte derzeit noch die Landmaschinen selbst fernsteuern oder zur Überwachung in der Kabine sitzen, selbst wenn die Maschine autonom fährt.

Wird der Beruf des Landwirts nutzlos?

Derzeit sind wir lange noch nicht so weit, dass der Beruf des Landwirts vollständig von intelligenten Maschinen übernommen werden kann. Und dies ist auch nicht das Ziel von Smart Farming. Beim Smart Farming geht es vielmehr darum, dass dem Landwirt zeitintensive Aufgabe abgenommen werden und die Produktion effizienter und kontrollierter abläuft. Ein Beispiel: Bereits heute gibt es auf technologisch fortschrittlichen Bauernhöfen Melkstände, zu denen die Kühe gehen, um von Maschinen gemolken zu werden. Auch wenn der Landwirt die Kühe nicht mehr selbst melken muss, erfolgt das Ansetzen der Melkmaschinen nach wie vor manuell.

Vorteile von Smart Farming

Zudem können die Maschinen die Temperatur und die Qualität der Milch messen und anzeigen, ob die Milch gut oder schlecht ist. Auch die Kühe selbst können durch diese Maschinen auf ihre physische Gesundheit hin überprüft werden. So kann frühzeitig eine Krankheit erkannt und dementsprechend auch früher darauf reagiert bzw. die Kuh behandelt werden. Du siehst also, dass zur umfassenden intelligenten Landwirtschaft, dem Smart Farming 4.0, wie es in der Wissenschaft heißt, eine ganzheitliche Koordination vieler Einzelprozesse notwendig ist. Der Beruf des Landwirts ist daher nicht in Gefahr.

Smart Farming: Ackern auf 2,5 Zentimeter genau

Anfang des Jahres stellte der US-Konzern Deere & Company auf der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas seine neuste Innovation in diesem Bereich vor: den ersten autonomen Traktor, der vollautomatisch und fahrerlos den Acker pflügt. Der Landwirt hat dann nur noch eine Aufgabe: Die Landmaschine auf das Feld bringen. Vorab wird das Einsatzgebiet festgelegt, sodass der Traktor die virtuellen Grenzen einhält. Der Innovationstraktor des amerikanischen Industriekonzerns hält diese Grenzen nicht nur mit einer Genauigkeit von 2,5 Zentimetern ein, sondern kann auch nach Geschwindigkeit und Arbeitstiefe angepasst werden. Der Traktor ist serienreif und wird bereits an Kunden verkauft.

Voraussetzungen für smarte Landwirtschaft

Doch hinter Smart Farming steckt noch viel mehr: Nicht nur die Geschwindigkeit und Bodentiefe muss für diese Maschinen manuell eingestellt werden, sondern auch Angaben zu den Bodenverhältnissen, Pflanzenzuständen und Wetterbedingungen sind wichtig. Das heißt, die intelligente Landmaschine kann nicht einfach auf das Feld gebracht und per App gestartet werden. Denn die richtigen Einstellungen sind dafür vorab notwendig. Sensoren müssen beispielsweise den Feuchtigkeits- und Düngegehalt des Bodens messen und erkennen, welche Pflanzen erntereif sind. In der Fachwelt wird dafür der Begriff „Precision Farming“ verwendet. Deshalb ist die nicht nur Fachwissen in Bezug auf die Landwirtschaft, sondern auch auf die Systeme und KI-Maschinen wichtig.

Smart Farming: Roboter bekämpfen Schädlinge

Ein weiteres Beispiel für eine intelligente Maschine im landwirtschaftlichen Bereich ist die See-and-Spray-Technologie des oben genannten US-Konzerns. Das Unternehmen erhielt dieses Jahr dafür sogar den Innovationspreis. Ein Roboter, der den Unterschied zwischen Unkraut und Nutzpflanzen erkennt und so gezielt Herbizide oder Schutzmittel sprüht.

Die Zukunft von Smart Farming

Zukünftig steckt im Smart Farming hohes Potenzial für Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, aktuell befindet sich die digitale Revolution im landwirtschaftlichen Bereich aber noch in den Kinderschuhen. Dieses Problem hat auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erkannt und deshalb 2019 auf dem Digitalgipfel in Dortmund das Projekt „Zukunftsprogramm Digitalpolitik Landwirtschaft“ vorgelegt. Mehr über dieses Projekt erfährst du auf dieser Seite der Bundesregierung.

Du willst mehr über intelligente Technologielösungen erfahren? Dann lies dir den folgenden Artikel durch und erfahre von unserem Redakteur Tim mehr über Smart Cities.

Fotoquelle: Photo by  James Baltz on Unsplash

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