Bringt nachhaltiges Investieren mehr Gewinn? Oder ist es nur ein kurzfristiger Hype? Wir unterziehen die größten ESG-Mythen dem Faktencheck uns zeigen Dir, wie Du einfach und nachhaltig investierst.

Stellen Dir vor: Wenn man alle Einwegflaschen von Coca-Cola, die jährlich produziert werden (das sind circa 88 Milliarden Stück), aneinanderreihen würde, dann käme man 31-mal zum Mond und zurück. Und: Die Menge an Plastik, die wir seit 1950 erzeugt haben, wiegt so viel wie 822 000 Eiffeltürme! Einer geht noch: Jedes Jahr kostet Entwicklungsländer die Korruption rund 1,26 Billionen Dollar! Das entspricht etwa der Größe der Volkswirtschaften der Schweiz, von Südafrika und Belgien zusammen. Worauf ich eigentlich hinauswill: Wir brauchen mehr Nachhaltigkeit. In allen Bereichen!

Doch trotz steigender Beliebtheit ranken sich noch immer zahlreiche Mythen um die nachhaltige Geldanlage: Bringt sie wirklich mehr Rendite? Handelt es sich nicht nur um einen kurzfristigen Hype? Interessiert sich dafür nicht eh nur die Jugend?

Was ist dieses ESG genau?

Nachhaltigkeit boomt. Es wird geschätzt, dass bis 2025 eins von drei Investments ESG-konform sein wird. Zum Glück: Studien zeigen, dass Unternehmen, die den ESG-Standards entsprechen, stärkere Renditen, Dividenden und ein höheres Gewinnwachstum aufweisen. Aber was hat es mit ESG auf sich? Bis heute gibt es leider keine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen. Als Richtlinie hat sich aber das Label „ESG“ etabliert, an dem sich viele Anleger orientieren.

ESG steht für Environmental, Social, Governance. Zu Deutsch: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung.

Environmental beurteilt etwa, ob sich ein Konzern an Umweltrichtlinien hält, auf seinen CO2-Verbrauch achtet, keine Tierversuche durchführt oder vermehrt erneuerbare Energien nutzt.

Bei Social geht es zum Beispiel um das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, die Beachtung von Antidiskriminierungsrichtlinien, gesellschaftliches Engagement, keine Zusammenarbeit mit Diktaturen.

Und Governance: Hier geht es um die Unabhängigkeit des Vorstands, um Transparenz, klare Richtlinien bei der Vergütung, keine Korruption oder Geldwäsche.

Und wie entstehen diese Ratings? Verschiedene Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen beurteilen, ob ein Unternehmen diesen Standards entspricht. MSCI ESG Research gilt als einer der größten und bedeutendsten Anbieter von Nachhaltigkeitsanalysen und -rankings im ESG-Bereich. Es stützt sich dabei auf über 1000 Datenpunkte verschiedenster Quellen wie Unternehmensberichten, Regierungen oder den Medien. Doch was ist dran am ESG-Hype? Hier kommt der Faktencheck.

Mythos 1: Nachhaltigkeit geht zulasten Rendite

. . . nicht unbedingt! Untersuchungen zeigen sogar, dass Unternehmen mit besonders guten ESG- Ratings nicht nur höhere Renditen, sondern auch ein stärkeres Gewinnwachstum und Dividenden aufweisen können als jene mit niedrigem Rating. So investieren 35 Prozent der Anlageexperten in ESG-Anlagen mit dem Ziel, ihre Rendite zu verbessern.

Mythos 2: Große Investoren sprechen über ESG, investieren aber nicht

. . . falsch! Über Nachhaltigkeit wird nicht nur gesprochen, auch investiert. Das weltweit verwaltete ESG-Vermögen in ETFs stieg von sechs Milliarden Dollar 2015 auf 150 Milliarden Dollar 2020. In fünf Jahren hat sich das verwaltete nachaltig angelegte Vermögen in ETFs um das 25-Fache erhöht Die fünf wichtigsten Themen für Vermögensverwalter sind dabei Klimawandel und CO2-Emissionen, Antikorruption, Vorstandsangelegenheiten, nachhaltige Ressourcen und Managementgehälter.

Mythos 3: Nachhaltige Anlagestrategien lassen Branchen außen vor

. . . nicht unbedingt! Häufig wird ESG-Investing vorgeworfen, bestimmte Sektoren, die auf den ersten Blick nicht den Standards entsprechen, einfach wegzulassen. Nicht alle ESG-Anlageansätze sind ausschließend. In den USA etwa wird bei ESG-ETFs größtenteils ein integrierender Ansatz verfolgt. Dabei versuchen die Investoren, ESG-Kriterien in ihren Investment-Entscheidungen zu berücksichtigen. In Europa hingegen sieht es anders aus. Hier herrscht bei ESG-ETFs der Value & Screen-Ansatz vor: Konzerne mit fraglichen Geschäftsmodellen werden bewusst ausgeschlossen.

Beim sogenannten Impact Investing, investiert man in Unternehmen, die aktiv etwas für Nachhaltigkeit tun, hier steht das soziale und ökologische Ziel an erster Stelle.

Mythos 4: ESG-Anlagen sind nur etwas für die Millennials

. . . falsch! Wenn es ums Thema Nachhaltigkeit und Klima­retten geht, denkt man meist an Bewegungen wie Fridays for Future. Natürlich spielt das Thema unserer Generation eine große Rolle – doch ebenso beim Rest der Bevöl­kerung. Zwar hatten 2019 95 Prozent der Millennials Interesse an nachhaltigen Geldanlagen. Bei der Allgemeinbevölkerung waren es aber immerhin 85 Prozent.

Mythos 5: Nachhaltige Anlagen sind hier, um zu bleiben

. . . richtig! Beim nachhaltigen Investieren handelt es sich keinesfalls um einen kurzfristigen Hype. In der letzten Dekade stieg die Zahl der ESG-ETFs von 46 auf 497 Börsenfonds. Und je mehr nachhaltige Anlagemöglichkeiten verfügbar sind, desto mehr können die Investitionen darin auch zunehmen. Auch stieg 2020 die Anzahl an Unterzeichnungen von professionellen Investoren, sich für die UN-Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren zu verpflichten, um 28 Prozent an.

Nachhaltig auf die ganze Welt setzen

Keine Qual der Wahl: Mit einem ETF wie etwa dem Xtrackers-MSCI-World-ESG-UCITS-ETF-1C investierst Du einfach in die ganze Welt – allerdings auf nachhaltige Art und Weise. Denn der ETF kauft nur Aktien von Unternehmen, die im Vergleich zu anderen bessere ESG-Ratings und niedrigere CO2-Emissionen haben. Zu den Top-Positionen im ETF zählen etwa Microsoft, Tesla, Alphabet oder auch Nvidia. In fünf Jahren legte der ETF 51 Prozent zu. Zum Vergleich: Beim regulären MSCI-World waren es nur 41 Prozent.

Bildnachweise: Pixabay, Focus Money

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