Lust auf ein spannendes Interview mit Trendforscher Sven Gábor Jánszky? Dann lies weiter und erfahre, wie man Organe druckt, den Tod aufhält und Erinnerungen in einem Computer weiterleben lässt.

Als Trendforscher beschäftigen Sie sich mit der Zukunft. Wie alt kann der Mensch in Zukunft werden?

Sven Gábor Jánszky: Da gilt es, zwischen dem menschlichen Körper und dem menschlichen Geist, sprich dem Bewusstsein, zu unterscheiden. Unter bestimmten Bedingungen kann der Körper zwischen 120 und 150 Jahre alt werden. Dafür sind allerdings fünf medizinische Technologien notwendig, die teilweise – Stand heute – erst in 30 Jahre in den Massenmarkt kommen. Wenn die Körper unserer jetzigen Kinder und Enkel mithilfe dieser Technologien das Alter von 120 Jahren erreichen und dann sterben, dann heißt das für sie nicht mehr zwingend, dass ihr Bewusstsein auch sterben muss. Denn sollte es bis dahin gelungen sein – und daran wird bereits geforscht –, ein menschliches Hirn im Computer künstlich nachzubauen, mit dem es möglich ist, in dieses digitale Gebilde Erfahrungen, Emotionen, Erinnerungen und Wissen hochzuladen, dann ist Sterben nur noch eine Option und keine Gewissheit mehr.

Lebenslauf von Trendforscher Jánszky

Sie sprechen von fünf technologischen Voraussetzungen, um 120 Jahre oder älter zu werden. Um welche handelt es sich?

Jánszky: Das sind die Genanalyse, die Geneditierung, das Zurückdrehen des Alterungsprozesses von Zellen, der 3-D-Organdruck und das sogenannte Medical Food. Die gute Nachricht ist, dass an den aufgezählten Technologien schon heute geforscht wird bzw. diese in ihren Anfängen sogar verfügbar sind. Allerdings zum Teil zu astronomischen Preisen.

Mit dem Medical Food fängt das längere Leben dann konkret im Alltag der Zukunft an, wenn man so will.

Jánszky: Genau. Ein Beispiel. In Zukunft wird es smarte Toiletten mit integrierten Sensoren geben, die den aktuellen Bakterienmix in Echtzeit messen. Daraus errechnet eine künstliche Intelligenz (KI) für jeden Menschen eine Differenz, also welche wichtigen Stoffe und Bakterien derzeit für das ideale Mikrobiom fehlen. Die Toilette kommuniziert mit dem 3-D-Food-Printer in der Küche, der die benötigten Stoffe und Zusätze beim nächsten Essen mit reindruckt. Durch die tägliche Nahrungsaufnahme und -ergänzung treten Krankheiten seltener auf, was wiederum zu einem längeren Leben führt. Geschätzt erreicht das Medical Food in zehn Jahren den Massenmarkt. Natürlich sollten bis dahin in der Küche die Food-Printer stehen.

Ist es denkbar, dass wir in Zukunft Mikrochips implantiert bekommen?

Jánszky: Davon bin ich überzeugt. Zwar werden aufgrund von Vorbehalten nicht alle mitmachen, aber letztlich viele, da der menschliche Körper das Wertvollste ist, was wir haben. Sobald wir mit den Chips Echtzeitdaten aufzeichnen und daraus Prognosen erstellen können, werden wir Krankheiten verhindern. Ich rechne, dass diese Gesundheitschips in den nächsten fünf bis zehn Jahren kommen.

Wenn man dann krank wird oder sich durchchecken lassen will, wie sieht eine Untersuchung in 50 Jahren aus? Ersetzt ein Roboter den Arzt?

Jánszky: Ich gehe davon aus, dass wir in 50 Jahren für eine Routineuntersuchung gar nicht mehr zum Arzt gehen, denn vieles von der Diagnose wird zu Hause stattfinden. Was ich damit meine: Um uns herum werden Sensoren alles Mögliche messen. Das kann die angesprochene Toilette sein oder auch Sensoren im Bettlaken. Wenn wir telefonieren oder mit Bild konferieren, dann wird KI meine Stimme oder mein Gesicht auswerten und erkennen, ob eine Krankheit im Anflug ist. Aufgrund dessen bekommen wir dann frühzeitig Tipps, wie wir gegensteuern können, weshalb ein Arztbesuch schlicht nicht mehr nötig ist. Weitergehend wird es in Zukunft an öffentlichen Plätzen oder in Supermärkten kleine Gesundheitskabinen geben. Dort setzen wir uns für 15 Minuten rein und lassen einen Schnellcheck durchführen. Die Diagnose fällt noch umfangreicher und genauer aus als durch die Sensoren zu Hause.

Die zukünftigen 3-D-Bioprinter werden in der Lage sein, vollständig funktionsfähige Organe auszudrucken.

Sven Gábor Jánszky

Zum Thema Unsterblichkeit: Ist es eines Tages möglich, sich – wie im Hollywood-Film – einfrieren zu lassen, um dann später aus dem sogenannten Kryo-Schlaf wieder aufzuwachen?

Jánszky: Angebote in diese Richtung gibt es schon, wobei ich bei denen hochskeptisch wäre, in welchem Zustand man aufgetaut würde. Aber: Die nächsten Schritte in diesem Verfahren sind sehr klar vorhersehbar. Denn demnächst gibt es eine Technologie, mit der sich Gewebe einfrieren lässt, ohne dass sich für das Gewebe zerstörerische und schädigende Eiskristalle bilden. Die Methode steht bei der US-Arzneimittelbehörde unmittelbar vor der Zulassung. 2022 sollen dann erste interkontinentale Herztransplantationen stattfinden. Damit ist es möglich, ein Herz in den USA zu entnehmen, einzufrieren, nach Europa zu fliegen und dort einzusetzen. Das aufgetaute Herz funktioniert dann genauso weiter wie vorher. Hält die Technologie in der Praxis das, was sie verspricht, ist das in fünf Jahren der Regelbetrieb.

Schaffen wir es ein Cyperhirn zu bauen, dann lassen sich darauf Erinnerungen, Emotionen usw. hochladen und produzieren.

Sven Gábor Jánszky

Eingangs haben Sie davon gesprochen, das Bewusstsein in ein digitales Gehirn hochzuladen. Ist es also irgendwann möglich, nach seinem Tod als virtuelles Ich weiterzuleben?

Jánszky: Korrekt. Die Technologie, die das ermöglichen soll, heißt „Whole Brain Emulation“. Wie gesagt, schaffen wir es, mit ihr ein Cyberhirn zu bauen, dann ist es auch denkbar, auf diese Art „Festplatte“ Erinnerungen, Wissen usw. hochzuladen und zu produzieren. Dafür gibt es aber keine Evidenz oder Wahrscheinlichkeit, ab wann es so weit sein könnte. Das lässt sich ebenso wenig prognostizieren, obwohl Wissenschaftler aus diesem Bereich das Jahr 2050 dafür vorhersagen.

Wenn es dann so weit ist, das Bewusstsein digital vor dem Tod zu bewahren, sind wir dann die letzte Generation, die sterben wird?

Jánszky: So könnte man es sehen. Wobei es natürlich auch weiterhin Unfälle und Pandemien und damit sterbende Menschen geben wird. Aber die durchschnittliche Lebenserwartung in der Generation unserer Kinder und nachfolgender Generationen steigt deutlich über die 100 Jahre.

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Fotoquelle: Photo by Isaac Quesada on Unsplash

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