Sie prahlen, manipulieren und spannen im schlimmsten Fall Intrigen: Toxische Menschen vergiften mitunter den größten Traumjob. Auch wenn wir dann im Volksmund von Narzissten sprechen – nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung leidet tatsächlich unter einer solchen Persönlichkeitsstörung. Es kommt aber vor, dass Kollegen oder Vorgesetzte Züge zeigen, die in diese Richtung gehen. Wir erklären, wie Du Dich vor ihnen schützt.

1. Toxische Muster erkennen

Um gut vorbereitet zu sein, brauchst Du ein „Frühwarnsystem“. Dazu ist es wichtig, sich über ungesunde Muster oder Kommunikation zu schulen, um sie rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Behalte im Hinterkopf, dass Narzissten und toxische Menschen meist ein sehr geringes Selbstwertgefühl aufweisen, das sie mit ihrem Auftreten zu kompensieren versuchen. Und das ist mitunter richtig schädlich für ihr Umfeld. Hier sind ein paar Verhaltensweisen, bei denen Deine Alarmglocken schrillen sollten:

  • Deine Kollege versuchen, anderen die Schuld für eigenes Versagen in die Schuhe zu schieben und sind nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen
  • Falls sie sich entschuldigen, dann nach dem Schema „Es tut mir leid, dass Du Dich so fühlst“ oder „Es tut mir leid, dass Du denkst, ich habe das falsch gemacht“
  • Sie geben die Leistung anderer als ihre eigene aus
  • In Konversation fällt besonders häufig das Wort „Ich“
  • Sie überschätzen ihr eigenes Können maßlos
  • Sie versuchen, andere ausnutzen, indem sie ihnen Schuldgefühle einreden
  • Alles ist gut, solange jemand mit ihnen einer Meinung ist – ändert sich das, reagieren sie teils unangemessen, z.B. mit Wutanfällen
  • Narzissten respektieren weder Grenzen noch ein „nein“
  • Sie geben mit ihrer eigenen Grandiosität an und putzen andere herunter
  • Sie praktizieren indirektes Mobbing, indem sie beispielsweise hinterrücks Klatsch verbreiten, systematisch Informationen zurückhalten, Zwietracht säen oder übermäßig kontrollieren

Die Liste ließe sich vermutlich um viele Punkte ergänzen, doch diese Beispiele dürften bereits ein gutes Gesamtbild vermitteln. Sobald Du ein feines Gespür für solch toxische Muster entwickelt hast, geht es daran, Dir zu überlegen, wie Du mit ihnen umgehst – dazu findest Du in den nächsten Punkten ein paar nützliche Tipps.

2. Kritik für Narzissten in Lob verpacken

Es gibt eine Sache, die vertragen narzisstische bzw. toxische Kollegen und Vorgesetzte gar nicht: Kritik. Nun ist es im Berufsleben aber durchaus ab und zu nötig, Menschen mit negativem Feedback zu konfrontieren. Wie stellt man das an, wenn die Angst vor einer unangemessenen Reaktion des Gesprächspartners groß ist? Mit Trick 17: Beginne mit viel, viel Lob und streue dann wohldosiert Deine Kritik ein. Aber Vorsicht:  Es ist schwer, solche Mitarbeiter dazu zu bringen, Verantwortung zu übernehmen oder einen Fehler bei sich zu sehen. Eher werden sie versuchen, den Spieß umzudrehen. An dieser Stelle darfst Du zwar Kompromissbereitschaft signalisieren, z.B. „Ich sehe, dass es für Dich so wirkt, als wollte ich Dich angreifen. Wie können wir in Zukunft besser miteinander kommunizieren?“. Aber hüte Dich davor, Dich selbst kleinzumachen oder Dir eine vermeintliche Schuld einzugestehen.

3. Halte Dich zurück und bleib sachlich

Gerade bei Diskussionen interpretiert ein narzisstischer Gesprächspartner durch das gering ausgeprägte Selbstwertgefühl womöglich in alles Gesagte einen persönlichen Angriff hinein. Eventuell reagiert er darauf mit verbalen Attacken, die im Worst Case tief unter der Gürtellinie sitzen. Vor allem Narzissten versuchen dann oft, gezielt eine gewisse Reaktion aus Dir herauszulocken, um Dich als zu aggressiv, zu irrational oder zu unverschämt darzustellen. Und dann hast Du verloren. Die Regel lautet also: Bleib stets ruhig, sachlich und respektvoll (Denken kannst Du Dir ja etwas anderes 😉 ). Doch nicht nur mit Deinen emotionalen Reaktionen solltest Du Dich zurückhalten, sondern auch mit den Informationen, die Du preisgibst. Nach denen graben einige toxische Menschen wie nach einem Schatz. Schließlich sammeln sie damit Wissen über wunde Punkte, die sie gegen Dich oder andere Kollegen einsetzen können. Also: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

4. Den Narzissten Grenzen setzen

Wer mit Narzissten zusammenarbeitet, der läuft Gefahr, sich ausnutzen zu lassen. Sie sind Meister darin, andere für sich arbeiten zu lassen. Dabei respektieren sie weder festgesetzte Arbeitszeiten, ein volles Pensum ihrer Mitarbeiter noch das Wohlbefinden ihrer Umgebung. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Du klare Grenzen setzt. Das wird einfacher, je klarer Du diese für Dich definierst. Hast Du das noch nicht getan, hilft es, sich zuerst zu überlegen, mit welchem Verhalten Dein Gegenüber in der Vergangenheit zu weit gegangen ist – im nächsten Schritt arbeitest Du Strategien aus, mit denen Du künftig auf solche Situationen reagierst. Wirkungsvoll ist es, wenn Du eine deutliche Konsequenz aufzeigst, z.B.: „Ich arbeite gerne mit Ihnen zusammen, aber wenn Sie mich am Telefon anschreien, dann lege ich auf“. Natürlich ist das A und O, dass Du die angedrohte Konsequenz auch durchziehst – und zwar so oft, bis die Message angekommen ist.

5. Alles gut dokumentieren

„Ich erinnere mich nicht daran“, „Das bildest Du Dir ein“, „Das hast Du falsch verstanden“ – solche Sätze wirst Du zuhauf von Narzissten hören, wenn Sie das Gefühl haben, in einer Situation nicht gut dazustehen. Ärgerlich ist es, wenn Du dann mit leeren Händen dastehst, um das Gegenteil zu bezeugen. Deswegen: Ziehe es vor, über E-Mails zu kommunizieren, vor allem, wenn es um Absprachen geht. Sollte Mobbing in Deinem Job auch ein Thema für Dich sein, ist es ratsam, alle Vorfälle, jede Beschwerde und sonstige Beweise genau zu dokumentieren. Aber an dieser Stelle sei ein wohlwollendes Schlusswort angefügt: Manchmal ist es einfach besser, die Reißleine zu ziehen, wenn Du zu sehr unter toxischen Kollegen oder Chefs leidest. Diese Entscheidung hat nichts mit Deinen persönlichen Kompetenzen oder Schwäche zu tun. Deine psychische Gesundheit ist ein wertvolles Gut – ihr Schutz steht an oberster Stelle.

Autorin: Isabel Schommers

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