Bei der Frage, was man sich für die Zukunft wünscht, geben wohl die meisten Menschen diese Antwort: eine Familie und ein eigenes Haus. Doch in einer Stadt wie München scheint der Traum vom Eigenheim nur ein Traum zu bleiben. Aufgrund der hohen Immobilienpreise ist es selbst für gutverdienende, junge Pärchen schwierig eine Wohnung, geschweige denn ein Haus zu kaufen. Sogar im Landkreis München kostet eine 50-60 m² Wohnung 300.000 Euro bis 400.000 Euro – bei einem Neubau liegt der Verkaufspreis deutlich höher. 

Nur was, wenn es doch möglich ist? Schon mal von einem Tiny House gehört? Hier erfährst du alles Wichtige über Tiny Houses und wie du Hausbesitzer eines kostengünstigen Traumhäuschen wirst.

Wie viel kostet ein Tiny House?

Die Preise von Tiny Houses variieren sehr stark. Der Preis hängt von der individuellen Gestaltung deines kleinen Häuschens ab. Dachform, Fassadenfarbe, Küchenausstattung und die Möglichkeit zur Erweiterung der Wohnfläche (falls du deine Familie zum Beispiel vergrößern willst) sind Kriterien, die den Preis eines Tiny Houses stark beeinflussen. Auch die Wahl eines schlüsselfertigen Tiny Houses oder Modelle mit Selbstbausätzen, die eigenständig aufgebaut werden können, bestimmen den Preis. Laut der Vergleichsportalseite Check24 kostet ein Tiny House zwischen 5.000 Euro und 60.000 Euro. Grundstückspreise, auf die das Tiny House stehen soll, sind hierbei jedoch noch nicht mit einberechnet. Der Grundstückspreis schwankt in Deutschland je nach Bundesland und Region. Damit sich der Bau deines Eigenheims auch lohnt, solltest du deshalb folgendes beachten: Die Kosten für den Baugrund oder Stellplatz des Tiny Houses sollten die Anschaffungskosten nicht übersteigen.

Wie komme ich zu einem Tiny House?

Das Stichwort hier ist „Baugenehmigung“. In Deutschland musst du für das dauerhafte Bewohnen eines Hauses, sei es noch so klein, eine Baugenehmigung haben. In der Gemeinde, in der das Baugrundstück erworben wird, muss ein Bauantrag eingereicht werden. Dieser wird vom Landratsamt aber nur dann bewilligt, wenn die bestimmten Mindestanforderungen eines Tiny Houses erfüllt sind. 

Folgende Kriterien gilt es daher zu beachten:

  • Das Tiny House muss eine Küche und ein Bad haben.
  • Die Höhe der Aufenthaltsräume beträgt mindestens 2,40 Meter.
  • Bei fensterlosen Bädern oder Toilettenräumen ist eine eingebaute Lüftung notwendig.
  • Tiny Houses aus Holz benötigen eine Blitzschutzanlage.
  • Die Breite und Höhe der Treppen, Fenster, Türen oder Fluchtwege müssen mit den jeweiligen Richtlinien der Landesbauordnung übereinstimmen.

Hmm, das klingt alles ziemlich kompliziert, oder? Wenn du kein eigenes Grundstück kaufen möchtest oder gar keins findest und die lästigen Baubestimmungen umgehen willst, kannst du dein Tiny House auch einfach auf einem Campingplatz abstellen. Dafür musst du nur die Wohnnutzung im Bebauungsplan eintragen. Dennoch gibt es auch hier zwei Regeln, die die Landesverordnung über Camping- und Wochenendplätze aufgestellt hat:

Dein Tiny House darf maximal 50 m² groß sein und eine Höhe von 3,5 Metern nicht überschreiten. Einige Campingbesitzer sind aber auch kulanter und erlauben manchmal sogar einen Ermessensspielraum von bis zu 4 Metern Höhe. Deshalb immer vorab mit den Campingbesitzern reden. Nachfragen schadet ja nicht! 

Welche verschiedenen Tiny House-Typen gibt es?

Der Begriff Tiny House stammt aus einer Bewegung, die 2007 in den USA begann. Ein Auslöser für diese Bewegung war die damalige Finanzkrise und der Wunsch nach einem nachhaltigeren und einfacheren Leben. Auch in Deutschland fand der Trend der Mini-Häuser großen Zuspruch, da sich auch junge Leute so ein eigenes Zuhause kaufen konnten. Ursprünglich bezeichnet der Begriff Tiny House ein mobiles, auf vier Rädern gebautes Mini-Haus, das maximal 3,5 Tonnen schwer ist. Dies gilt auch für Tiny Houses, die nicht bewegt werden. Der zweite Typ, der unter den Begriff Tiny House fällt, ist ein sogenanntes Kleinhaus, das eine Fläche von bis zu 100 m² zulässt. Modulhäuser, die, wie der Name schon sagt, aus mehreren Modulen bestehen, bezeichnen den dritten Typ. Ein Modul kann zum Beispiel ein Schiffscontainer sein.

Also nochmal zusammengefasst: Wenn du in ein Tiny House auf einem festen Baugrund einziehen willst, musst du die der jeweiligen Gemeinde geltenden Baubestimmungen beachten. Ist dein Mini-Haus jedoch mobil, musst du es in Deutschland als Wohnwagen zulassen. Ich meine, wie cool ist das denn, wenn man mit seinem eigenen Zuhause die ganze Welt entdecken kann? Da denke ich spontan an ein krafttankendes Sabbatical, in dem du die Welt ohne die üblich hohen Unterkunftskosten bereisen kannst. Wenn du mehr über die Finanzierung einer Auszeit wissen willst, lies dir doch diesen Artikel durch.

Sorry, ich schweife ab…. Was du bei der Zulassung deines Tiny Houses als Wohnwagen beachten musst, findest du hier:

  • Dein Tiny House auf vier Rädern ist ein Fahrzeug, das der  Straßenverkehrsordnung des jeweiligen Landes unterliegt.
  • In Deutschland wird eine Zulassung als Wohnwagen benötigt.
  • Der Anhänger muss TÜV-geprüft sein und darf nicht breiter als 2,55 Meter und höher als 4 Meter sein.
  • Das Maximalgewicht liegt, wie oben schon angedeutet, bei 3,5 Tonnen.
  • Als Tiny House Besitzer musst du einen Führerschein der Klasse BE besitzen, auch wenn du mit dem Häuschen nicht fährst.

Wie finde ich einen guten Hersteller?

Um den Traum vom kleinen Eigenheim zu verwirklichen, braucht es einen guten Tiny House-Hersteller. Diese Tipps sollen dir helfen, einen zuverlässigen und vertrauenswürdigen Baupartner zu finden:

  • Schicke eine telefonische oder schriftliche Anfrage an den Hersteller. Wenn du eine seriöse und zeitnahe Antwort erhältst, ist das ein gutes Zeichen.
  • Überprüfe die Zertifikate auf der Webseite des Herstellers.
  • Was sagen die online Bewertungen?
  • Connecte dich mit anderen Tiny House-Besitzern und finde heraus, ob dein Hersteller in dieser Community bekannt ist. Wenn der Hersteller dich mit früheren Kunden von ihm in Verbindung setzt, ist das ein Pluspunkt.
  • Kann der Hersteller dir alle Dokumente zum Beantragen eine Baugenehmigung vorlegen?
  • Wie stark geht der Hersteller auf deine individuellen Wünsche ein?
  • Werden Besichtigungen oder Übernachtungen in Muster-Tiny Houses angeboten?

Weitere wichtige Infos

Zuletzt solltest du, als frischgebacken*r Hausbesitzer*in im Hinterkopf behalten einige wichtige Versicherungen abzuschließen. Eine Hausrat- oder Bausubstanzversicherung hilft dir bei Schäden, die im oder am Tiny House entstehen. Eine Haftpflichtversicherung deckt Schäden und Mängel ab, die durch das Tiny House verursacht werden. Und eine Glasbruchversicherung nützt dir, wenn dein Mini-Häuschen aus vielen oder großen Glasscheiben besteht.

Nachdem du jetzt alle Infos für den Bau deines kleinen Eigenheims hast und deinen Traum verwirklichen kannst, worauf wartest du? Hier findest du eine Checkliste für die Planung deines Tiny Houses:

  • Kosten für Grundstück oder Stellplatz sollten die Anschaffungskosten nicht übersteigen.
  • Stelle einen Kostenplan für dein Tiny House auf.
  • Ein Grundstück innerhalb deiner Gemeindegrenzen erhöht deine Chance auf eine Baugenehmigung.
  • Beachte die Bestimmungen für eine Baugenehmigung. Wenn dein Tinyhouse als Wohnwagen zugelassen werden soll, sind auch hier bestimmte Kriterien zu beachten.
  • Zeichne oder baue dein Tiny House in Originalgröße nach, um dir die Größe besser vorzustellen.
  • Miete dir für ein paar Wochen oder Monate ein Tiny House, da du in Zukunft mit viel weniger Platz auskommen musst
  • Finde einen guten Tiny House-Hersteller.
  • Überlege dir, was du mit deinen restlichen Möbeln, die keinen Platz im Tiny House haben, machen willst. Vielleicht kannst du diese ja spenden oder auf eBay Kleinanzeigen verkaufen.
  • Denk bei der Planung kreativ. Wo immer Stauraum durch Einbauschränke, ausziehbare Betten oder Tische möglich ist, plane ihn ein.

Kennst du bereits Tiny House-Besitzer oder bummelst du schon mit deinem Zuhause durch die Welt? Dann schicke uns gerne deine Erfahrungen und Tipps, um bevorstehende Tiny House-Besitzer zu unterstützen.

Autorin: Alisha Ogidan

Fotoquelle: Photo by Aysegul Yahsi on Unsplash

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