2042: Millionen Menschen sind arbeitslos und die Künstliche Intelligenz (KI) hat den Menschen abgelöst. Wir befinden uns mitten in der digitalen Revolution. Eine instabile Gesellschaft, Massenarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und das Rentensystem bricht in sich zusammen. Wenn die Zukunft so aussehen wird, stellt sich die Frage, wie wir der Digitalisierung entgegenwirken können? Die Lösung des Philosophen Richard David Precht: Das bedingungslose Grundeinkommen 2022. Was genau das ist und welche Vor- und Nachteile es haben soll, erfährst du in diesem Artikel.

Bedingungsloses Grundeinkommen 2022: Was ist das?

Nach dieser Idee erhalten alle Mitglieder einer Gemeinschaft monatlich einen festgelegten finanziellen Betrag, der ihnen als Grundabsicherung zur Verfügung steht. Es wird keine Gegenleistung oder Rückzahlung des Betrags gefordert. Das bedingungslose Grundeinkommen löst das Arbeitslosengeld, die Sozialhilfe und das Kindergeld jedoch ab. Dieser Ansatz soll der immer digitaler werdenden Welt, in der die menschliche Arbeitskraft durch Automatisierungsprozesse ersetzt wird, entgegenwirken und den Menschen eine humanere Lebensweise ermöglichen.

Die Arbeit der Zukunft: Wie sieht sie aus?

Jedes Jahr veröffentlicht die Internationale Arbeitsorganisation ihren „World Employment and Social Outlook”. Für 2022 wird das Niveau der Arbeitslosigkeit global auf 207 Millionen geschätzt. 2 Jahre zuvor waren es noch 186 Millionen Arbeitslose. Die Arbeitslosigkeit nimmt also stetig zu. Und die Digitalisierung wird diesen Verlauf noch erheblich verschlechtern, da alle menschlichen Arbeiten, die autonomisiert werden können und keinen direkten Menschenkontakt erfordern, von Maschinen abgelöst werden. In dieser „technologischen Arbeitslosigkeit“, wie der Ökonom John Maynard Keynes bereits 1930 voraussagte, ist besonders die Mittel- und Unterschicht betroffen. Bankangestellte, Bürokaufleute, Verwaltungsangestellte, aber auch Taxi- und Busfahrer werden durch die Digitalisierung überflüssig. Andere Berufe dagegen wie Kindererzieher, Hausärzte oder Krankenschwester bleiben bestehen, weil die Menschen in diesen Bereichen dann doch lieber mit Menschen und nicht mit Robotern zu tun haben wollen. Somit lautet das Fazit: Eine weltweite Massenarbeitslosigkeit.

Kritiker des Grundeinkommens geben oft an, dass die Welle der Arbeitslosigkeit durch Umschulungen aufgefangen bzw. verringert werden kann. Außerdem entstehen durch die digitale Entwicklung auch viele neue Arbeitsplätze, so ein weiteres Argument. Aber kann der Taxifahrer oder die Bürokauffrau wirklich Big Data Analyst oder Virtual Designer werden? Dies wird von Befürwortern dieser Idee oft bezweifelt.

Das bedingungslose Grundeinkommen 2022: Die Lösung?

Nach Precht sei dieser Ansatz die Rettung des Sozialstaates. Er geht von einem monatlichen Betrag in Höhe von mindestens 1500 Euro aus. Wie sich dieser Betrag erschließt? Da sich hinter dieser Lösung der Gedanke eines sorglosen Lebens ohne permanente Existenzängste verbirgt, muss der Betrag höher als die Sozialhilfe in Deutschland sein. Denn ein Hartz-IV-Empfänger erhält monatlich einen Gesamtbetrag zwischen 900 Euro und 1200 Euro. Dem Stellenabbau in dieser neuen von Robotern und Agenten bestimmten Arbeitswelt wird ein humanes Grundversorgungssystem entgegengestellt, das die Gesellschaft entlastet. Freiheit in der Lebensgestaltung, Motivation zur Wertschöpfung, das Ausleben der eigenen Kreativität und Raum für Umschulungen sind weitere positive Aspekte dieser Idee.

Precht geht darüber hinaus von einem Arbeitsanreiz aus, insbesondere bei den schlecht bezahlten Berufen mit Schichtsystemen. Wenn eine Krankenschwester oder ein Angestellter einer Bäckerei nur noch dreimal die Woche arbeiten müsste und sich dadurch zusätzlich zu der Grundabsicherung monatlich 1000 Euro steuerfrei dazu verdient, wäre das ein Anreiz, diesen Beruf dauerhaft weiterzuführen und bringe zugleich eine Belebung des Arbeitsmarktes, erklärt Precht weiter.

Kritische Stimmen: Eine Aufhebung der Leistungsgesellschaft?

Probleme dieses Ansatzes dagegen können eine Überforderung im Alltag, ein allgemeines Desinteresse zu arbeiten und die Aufhebung der Leistungsgesellschaft sein. Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens 2022 fürchten, dass die Menschen nur noch das machen werden, was sie wollen und keinen Beitrag in der Gesellschaft leisten, was letztendlich den Wohlstand dieser ausmacht. Auch die Finanzierung dieser Idee wirft weitere Fragen auf: Wer zahlt das alles?

Die Finanzierung: Wer trägt die Kosten?

Es gibt unterschiedliche Modelle zur Grundeinkommensidee. Während Götz Werner, Gründer der „dm“-Drogeriemarktkette, es durch eine erhöhte Mehrwertsteuer finanzieren will, fordern Linke Befürworter höhere Steuern für Spitzenverdiener und Vermögende. Prechts Lösung ist eine geringe Besteuerung der Finanztransaktionssteuer. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge, neben Precht eine bekannte Stimme in dieser Debatte, hält jedes dieser Modelle für illusorisch. Die erhöhte Mehrwertsteuer würde besonders kinderreiche Familien und Geringverdiener hart treffen, da der Preis der Lebensmittel und anderer Verkaufsprodukte deutlich ansteigt. Das zweite Modell konnte sich bis heute nicht etablieren und Prechts Vorschlag sei laut den Berechnungen des Bundesfinanzministeriums nicht realistisch, da die Steuer jährlich nur rund 17 Milliarden Euro einbringen würde und damit nicht allen deutschen Bürger*innen eine Grundsicherung von 1500 Euro garantiert, sagt Butterwegge. Dem stimmt Precht zwar teilweise zu, macht 2021 in einem Interview der Academia Superior aber deutlich, dass dieses Modell zukünftig den Weg für ein humaneres Leben ebnet.

Ergebnisse: Was sagen die Studien?

In Finnland haben 2000 erwerbslose Finnen im Alter von 25 bis 58 Jahren zwei Jahre lang diese Idee getestet. In diesen zwei Jahren erhielten die zufällig ausgewählten Probanden monatlich 560 Euro, wobei etwaige Zuverdienst und Sozialleistungen nicht angerechnet wurden. Auch das Schweizer Volk reichte 2013 die Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ ein. Der empfohlene Betrag lag für Erwachsene bei 2.500 Schweizer Franken (2400 Euro) und für Minderjährige bei 650 Franken (625 Euro). Auch wenn die Schweizer im Juni 2016 mit einer großen Mehrheit (78 Prozent waren dagegen, 22 Prozent dafür) die Einführung dieser Idee abgelehnt haben, gab es dennoch auch sehr viele positive Ergebnisse, die mit einigen des finnischen Projekts übereinstimmen. Ein Grund für die Zurückhaltung der Schweizer gegenüber diesem Ansatz war sicherlich die Unsicherheit bezüglich der Finanzierung, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt wurde.

Die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

  • Das bedingungslose Grundeinkommen 2022 stärkt das Vertrauen in die Zukunft, die eigenen Fähigkeiten und die Institutionen.
  • Das Grundeinkommen erhöht sogar leicht den Anreiz zu arbeiten.
  • Stress und psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Burn-out verringern sich.

Auch Deutschland will es jetzt wissen und hat am 1. Juni 2021 ein Pilotprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen gestartet. Drei Jahre lang erhalten 122 zufällig ausgewählte Personen monatlich zusätzlich 1200 Euro. Eine zweite Studie hierzu ist bereits in Vorbereitung. Wenn du dich für die Idee des Grundeinkommens begeisterst und wissen willst, wie sich dein Leben mit zusätzlichen 1200 Euro im Monat verändert, dann erfährst du hier mehr zu Anmeldung.

Du bist bereit, die Arbeitswelt neu zu denken und Feuer und Flamme für das bedingungslose Grundeinkommen 2022? Dann findest du hier weiterführende, informative Lektüre:

  • Unsere Welt neu denken – Maja Göpel
  • Jäger, Hirten, Kritiker – Richard David Precht
  • Arbeit: Die Zukunft der Arbeit als Freiheit von der Arbeit – Nicolas Bueno

Autorin: Alisha Ogidan

Fotoquelle: Photo by Andrea De Santis on Unsplash

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