Aktien, Anleihen oder ETFs sind den meisten Menschen ein Begriff. Doch bei Derivaten macht sich oft ein großes Fragezeichen im Kopf breit – so gut wie jeder hat schon einmal etwas davon gehört, aber sich wirklich etwas darunter vorzustellen, gelingt den Wenigsten (außer vielleicht echten Profis). Aber keine Angst, wir bringen Licht ins Dunkel! Denn wir erklären dir jetzt: Wie funktionieren Derivate?

Wie funktionieren Derivate? Das Kernprinzip von Derivaten 

Um es simpel und knackig zu erklären: Mit Derivaten investierst Du nicht direkt in ein Finanzprodukt (z.B. Aktien, Anleihen oder Rohstoffe), sondern wettest auf dessen Entwicklung, also beispielsweise darauf, dass der Kurs/Preis sinkt oder steigt. Das zugrunde liegende Finanzprodukt nennt man „Basiswert“, bzw. „Underlying“ – darunter fallen z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen oder ganze Indizes. Das klingt jetzt vielleicht noch etwas theoretisch, aber keine Sorge, im nächsten Abschnitt wird es etwas anschaulicher.  Eventuell ist Dir an dieser Stelle aber bereits klar, dass Derivate ein sehr breites Anlageuniversum beschreiben – in diesem Artikel erklären wir Dir drei der gängigsten. 

Drei gängige Arten von Derivaten 

1) Futures 

Wie Du schnell merken wirst, ist bei vielen Derivaten der Name Programm. Mit Futures erwirbst Du das Recht, in „Zukunft“, d.h. zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt, einen Basiswert zu einem vorab vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Zu abstrakt? Hier ein (rein hypothetisches) Beispiel: Julia besitzt Aktien von Apple, der Kurs liegt bei 149 Euro. Sie glaubt fest daran, dass deren Wert in den nächsten zwölf Monaten auf 129 Euro fallen wird. Ihr Freund Alex sieht das ganz anders: Er ist davon überzeugt, dass er weiter steigen wird. Daher erwirbt er von Julia das Recht, ihre Apple-Aktien in einem Jahr für 149 Euro das Stück zu kaufen. Hat der Kurs zugelegt, z.B. auf 160 Euro, hat Alex ein gutes Geschäft gemacht, da er die Papiere nun günstiger bekommt. Ist der Wert gefallen, darf sich Julia über Profit freuen, obwohl sie eigentlich Verlust mit der Aktie gemacht hätte. Übrigens: Es gibt auch Futures, die nicht an der Börse gehandelt werden, die sogenannten Forwards.  

2) Optionsscheine 

Bei der Frage: Wie funktionieren Derivate?, darf man auch Optionsscheine nicht außen vor lassen. Denn Optionsscheine und Futures funktionieren vom Prinzip her recht ähnlich – bis auf einen wesentlichen Unterschied. Bei Futures verpflichten sich beide Parteien zum Verkauf, bzw. zum Kauf zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt, das Geschäft ist also bindend. Bei Optionsscheinen erwerben beide Vertragsparteien die „Option“, bzw. das Wahlrecht, der Vereinbarung nachzukommen – oder auch nicht. Bleiben wir beim obigen Beispiel: Alex hat sich in diesem Szenario das (Wahl-)Recht von Julia gekauft, die Apple-Aktie zu einem bestimmten Stichtag und Preis zu erwerben (das nennt man auch Call- oder Long-Option). Sie hat damit ebenfalls die Wahl, ob sie ihre Apple-Aktie zu denselben Bedingungen verkaufen will (das wäre eine Put- oder Short-Option). Steigt der Kurs, so wäre es sinnvoller für Julia, ihre Option nicht auszuüben, da sie bei dem Deal Verluste machen würde. Bei Optionsscheinen ist es also so – und das besagt ja bereits der Name – dass man die Option hat, diesen Schein auszuführen oder eben nicht.  

3) Zertifikate 

Zertifikate sind sogenannte Schuldverschreibungen, die von Banken oder anderen Finanzinstituten herausgegeben werden. Salopp gesagt bedeutet das: Der Anleger gibt sein Geld diesem Finanzinstitut und erhält im Gegenzug ein Zertifikat dafür, dem ein Basiswert (also z.B. eine Aktie) zugrunde liegt – von dessen Entwicklung hängt es ab, ob Du Gewinne oder Verluste machst. Zur Erklärung: Am Ende der Laufzeit ist die Bank dazu verpflichtet, Dir Dein Zertifikat auszubezahlen – die Höhe dieses Betrags richtet sich nach den Bedingungen, die zuvor vertraglich vereinbart wurden. Hast Du beispielsweise ein Zertifikat auf eine Aktie, so kannst Du festlegen, dass Dir ein Bonus ausgezahlt wird, wenn sich der Kurs in eine bestimmte Richtung bewegt, also fällt, steigt oder sich seitwärts bewegt. Allerdings besteht stets das „Emittentenrisiko“: Ist der Herausgeber Deines Zertifikats insolvent, droht der Totalausfall Deines Geldes. Beachte, dass am Markt eine Vielzahl verschiedener Zertifikate (z.B. Discount-Zertifikate, Garantie-Zertifikate, Express-Zertifikate) existiert, über die Du Dich bei Interesse gesondert informieren solltest. In diesem Artikel von uns, kannst du noch mehr über Zertifikate lesen.  

Wo werden Derivate gehandelt? 

Derivate werden an der Börse gehandelt oder „Over-the-Counter“ (OTC), das bedeutet außerbörslich. Die größte Terminbörse stellt dafür in Deutschland und der Schweiz die Eurex dar.  

Grundsätzlich kannst du Derivate bei allen gängigen Banken, Brokern und Online-Brokern kaufen. Es werden sicherlich nicht bei jedem Anbieter immer auch alle Derivate angeboten. Doch die Frage für Privatinvestoren ist ohnehin: Sollte man Derivate kaufen? Nur weil man jetzt weiß: Wie funktionieren Derivate? heißt das noch nicht, dass man auch ordentlich zulangen muss. Wir würfen empfehlen, Derivate nur dann zu erwerben, wenn man sich damit bereits sehr gut auskennt. Irgendwie kann man natürlich im ganz kleinen Rahmen mal versuchen, Erfahrungen damit zu sammeln. Doch insgesamt bergen Derivate auch ein deutliches Risiko, dessen man sich bewusst sein muss.
 
Autorin: Isabel Schommers 

Fotoquelle: Photo by Denys Nevozhai on Unsplash

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