Das Börsenjahr 2022 begann schwierig. Zum Einen klang noch die Omikron-Variante nach und sorgte bei einigen Unternehmen für schlechtere Zahlen. Und zum Anderen will die US-Notenbank Fed die Zinsen anheben und eventuell sogar die Bilanz abbauen. Die Börsen stürzten ein. Doch was bleibt nun für das übrige Jahr zu tun? Wir stellen uns heute die Frage: Sollte man 2022 investiert bleiben?

2022 investiert bleiben?: Die Herausforderungen

Die Börse steigt mitnichten jedes Jahr. Zwar machten Anleger in der Vergangenheit stets Gewinne von einigen Prozentpunkten pro Jahr, doch das war nur ein Durchschnitt. Schauen wir uns etwa die Entwicklung des Welt-Index MSCI World an, so wird dies deutlich.

  • 2008: -40,33 Prozent
  • 2009: 30,79 Prozent
  • 2010: 12,34 Prozent
  • 2011: -5,02 Prozent
  • 2012: 16,54 Prozent
  • 2013: 27,37 Prozent
  • 2014: 5,5 Prozent
  • 2015: -0,32 Prozent
  • 2016: 8,15 Prozent
  • 2017: 23,07 Prozent
  • 2018: -8,2 Prozent
  • 2019: 28,40 Prozent
  • 2020: 16,50 Prozent
  • 2021: 22,35 Prozent

Wir sehen: Alleine der MSCI World hat uns Anleger in den vergangenen Jahren ordentlich verwöhnt. Immer kann es so natürlich nicht weitergehen. Es werden auch Jahre kommen, in denen der Index nicht so recht vom Fleck kommt oder sogar etwas korrigiert. Es muss ja nicht sofort in einer Katastrophe enden, wie 2008. Dennoch sollten Anleger nicht automatisch davon ausgehen, dass ihr Depot einfach so Jahr für Jahr steigt.

Zudem fütterten die Notenbanken auf der Welt die Märkte in den vergangenen Jahren mit niedrigen Zinssätzen und einem Ausweiten der Bilanz. Konkret bedeutet das: Durch niedrige Zinssätze erscheinen Aktieninvestments attraktiver. Zukünftige Gewinne werden über den Zinssatz diskontiert. Je niedriger die Zinsen, desto besser für Aktien. Außerdem werden andere Anlagen wie Anleihen und Co unattraktiv. Zudem kaufen die Zentralbanken massenweise Anleihen und pumpen somit Geld in die Märkte. Dieses Geld fließt oftmals an die Börse. Dies geschah in den vergangenen zehn Jahren. Auch deswegen stehen die Märkte so hoch. Die amerikanische Zentralbank denkt nun darüber nach, die Zinsen zu erhöhen und eventuell wieder Geld aus dem Kreislauf zu nehmen (ob das so kommt, bleibt abzuwarten). Deswegen fielen die Börsen zuletzt und sie könnten noch weiter fallen, sollten Aktien unattraktiver werden.

Allerdings hat die DZ Bank eine Studie veröffentlicht, die neun Gründe beleuchtete, warum die Märkte auch in 2022 weiter steigen.

9 Gründe dafür

Sollte man 2022 investiert bleiben? Die Frage haben sich die Analysten der DZ Bank gestellt. In der Studie “Aktienstrategie: US-Zinswende stellt Aktienmarkt auf die Probe” listet Analyst Sven Streibel neun Gründe auf, warum die Märkte weiter steigen könnten. Darin heißt es: “Wir möchten in der vorliegenden Studie Entwarnung geben, wir erwarten keinen anhaltenden Aktienmarkteinbruch aufgrund eines neuen US- Zinsanhebungszyklus. Hierzu führen wir eine Reihe von Gründen an, die sowohl durch empirische Evidenz als auch durch realwirtschaftliche Fakten untermauert werden.”

  1. Grund: Die Gewinnerwartungen der Unternehmen im Dax und S&P 500 seien hoch und würden weiter ansteigen.
  2. Grund: Viele Ergebnisse der Unternehmen aus den USA würden aktuell positiv überraschen.
  3. Grund: “Die nachweislich starke Auftragslage der Unternehmen sowie ein stabiler Arbeitsmarkt in Europa und den USA sollten das Ausmaß und den Zeitrahmen von Wachstumseinbußen begrenzen.”
  4. Grund: Die DZ Bank führt an, dass der Dax und der S&P 500 während der vergangenen vier US-Zinsanhebungszyklen im Durchschnitt hohe Kurssteigerungen zeigten. Beim Dax hätte das Plus jährlich bei 9,6 Prozent gelegen und beim S&P 500 immer noch bei 5,6 Prozent pro Jahr.
  5. Grund: Schon im vierten Quartal 2018 hatte die Fed die Zinsen ziemlich schnell angehoben und den Aktienmarkt damals zum Absturz gebracht. Die DZ Bank sieht heute aber eine etwas andere Situation, weil die Renditen für langlaufende amerikanische Staatsanleihen damals höher gewesen seien als heute. Für Anleger war es damals also attraktiver, Geld aus dem Aktienmarkt zu nehmen und in den Anleihenmarkt zu investieren, als heute.

Weitere Gründe dafür:

  • 6. Grund: “Abgesehen davon erwarten wir weiterhin insbesondere in Europa in der zweiten Jahreshälfte 2022 realwirtschaftliche Nachholeffekte“, schreibt die DZ Bank. Bedeutet: Die Auftragsbücher seien gut gefüllt und wenn sich die weltweiten Lieferketten entspannen, können diese Aufträge abgearbeitet werden.
  • 7. Grund: “Es gibt echte Inflationsprofiteure. Das sind genau die Unternehmen, die die hohen Preise für ihre Produkte verlassen können. Diese umfassen insbesondere Energie- und Rohstofftitel sowie Banken und Automobilhersteller”, schreibt Analyst Sven Streibel.
  • 8. Grund: Die DZ Bank argumentiert, dass viele hochbewertet Technologie-Unternehmen mittlerweile fest zu unserem Alltag gehören und wir diese Produkte alle nutzen. Die Unternehmen verkaufen und verdienen also gut, weswegen es nicht zu einem großen Absturz kommen solle.
  • 9. Grund: “Last but not least besteht unserer Meinung nach von Seiten der US-Notenbank allein schon aufgrund ihres dualen Mandats – neben der Preisstabilität auch ein hoher Beschäftigungsstand – kein Interesse, die Konjunktur durch überhastete Maßnahmen abzuwürgen”, schreibt Sven Streibel von der DZ Bank.

Gründe dagegen

Auf der anderen Seite müssen Anleger dennoch etwas vorsichtig sein. Wir Kleingeldhelden denken auch nicht, dass es zu einem riesigen Crash kommt – Stand jetzt. Wir wissen natürlich nicht genau, was passiert. Sollte es doch einen Krieg zwischen der Ukraine und Russland geben, sollte die Inflation ausufern und die Notenbanken dazu gezwungen sein, doch deutlich restriktiver zu agieren oder kommt es zu einem Schwarzen Schwan – einem unvorhergesehenen schlimmen Ereignis – so kann es natürlich zu einem Crash kommen.

Vermutlich wird das Jahr 2022 recht volatil. Die Kurse dürften nach oben und nach unten schwanken, ohne dass der Markt richtig vom Fleck kommt. Es ist nicht mit riesigen Renditen auf breiter Front zu rechnen. Anleger nehmen deswegen auch mal Gewinne mit, wenn sie gut und schon länger investiert haben. Langfristige Investoren, die per Sparplan investieren, können das Jahr 2022 einfach aussitzen. Und wer weiß? Vielleicht gibt es ja doch noch eine deutlich positive Überraschung und die Wirtschaft ist stärker als gedacht oder die Notenbanken heben die Zinsen doch nicht so sehr an.

Fazit: 2022 investiert bleiben?

Sollte man 2022 investiert bleiben? Diese Frage ist natürlich jedem selbst überlassen. Denn am Ende weiß niemand, wie sich die Märkte entwickeln. Es kann aber nicht schaden, auch wieder mal etwas Vorsicht an der Börse walten zu lassen. In den Jahren 2020 und 2021 ist ja fast einfach alles an der Börse gestiegen. So kann es natürlich nicht für immer weitergehen.

In diesem Artikel haben wir einige Gründe der DZ Bank aufgelistet, warum es an den Märkten nicht so schlimm kommen dürfte. Doch wir zeigten auch, worauf Anleger achten sollten. Insofern kann man 2022 investiert bleiben, sollte aber achtsam bleiben.

Fotoquelle: Photo by Daniel Lloyd Blunk-Fernández on Unsplash

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