Jedes Jahr wieder fragen sich Anleger, wie es wohl im kommenden Jahr an der Börse weitergehen kann. Genau diese Frage stellen sich deswegen auch viele Experten und Medien. Kursziele für den Dax, den S&P 500, für den Goldpreis und vieles mehr machen jedes Jahr im November die Runde. Wir schauen nun mal darauf, was die Börse 2022 zu bieten hat und mit welchen Prognosen Anleger arbeiten können.

Börse 2022 – Was kommt da auf uns zu?

2021 war ein gutes Jahr an der Börse. Trotz Lockdowns, Corona-Sorgen, schwierigen Bedingungen bei den weltweiten Lieferketten und Co, stiegen doch die Kurse auf breiter Front. Anleger konnten kaum etwas falsch machen. Doch klar ist auch: Es kann nicht jedes Jahr einfach nur schnurrstracks nach oben gehen. Und viele Menschen im Internet, sei es auf Twitter, Youtube oder anderen Plattformen, sprechen seit geraumer Zeit vom Crash. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass es 2022 erneut zu einem großen Crash kommt. Ausschließen kann man so etwas aber freilich nicht. Anleger sollten also immer auch etwas vorsichtig sein, sich gute Gelegenheiten aber gleichzeitig nicht entgehen lassen.

Bevor wir zum alljährlichen Kapitalmarktausblick der Deutschen Bank kommen, schauen wir noch, was die Experten der DZ Bank so für die Märkte im kommenden Jahr erwarten:

So äußerte sich die DZ Bank bereits zu ihrem Ausblick für die Börse 2022. Die Analysten schreiben: “Für das weltweite Wirtschaftswachstum prognostizieren die Experten 4,4 Prozent, in Deutschland legt das BIP um 4,8 Prozent zu. Die weiterhin niedrigen Zinsen und die aufgestauten Produktionsaufträge treiben die großen Aktienindizes zu Rekorden. Für den DAX sagt die DZ BANK zum Ende des kommenden Jahres 18.000 Punkte voraus. Die Inflation lässt im Verlauf des Jahres nach.” Diese Entwicklung werde vor allem durch Nachholeffekte durch die Corona-Krise und durch eine höhere Impfquote begünstigt, so die Analysten.  

Das hört sich ja mal grundsätzlich nicht so schlecht an. Dann wollen wir doch mal nachschauen, was andere Banken und Experten so erwarten.

Der Kapitalmarktausblick

Jedes Jahr veröffentlichen die Analysten der Deutschen Bank ihren Kapitalmarktausblick. Für das Jahresende 2022 erwarten die Experten der Deutschen Bank folgende Werte:

  • Dax: 17.000 Punkte
  • Euro Stoxx 50: 4.600 Punkte
  • S&P 500: 5.000 Punkte
  • Öl (Brent): 77 US-Dollar/Barrel
  • Gold: 1.750 Dollar/Feinunze
  • Bundesanleihe 10 Jahre: 0,20 Prozent
  • US-Staatsanleihe 10 Jahre: 2,00 Prozent
  • EUR/USD: 1,20 US-Dollar

Dazu erläutern die Analysten, dass das Jahr 2022 “das Jahr der Zinswende” werden könnte. Es dürfte eine hohe Inflation und ein gutes Wirtschaftswachstum geben, weswegen die Notenbanken handeln müssten. In einem solchen Umfeld dürfte es für die Rentenmärkte ein turbulentes Umfeld werden. Für Aktien aber sei das gut.

Zum Thema Gold äußert sich die Deutsche Bank so: “Gold wird momentan als Inflationsschutz stark nachgefragt. Allerdings lastete das Zurückfahren der pandemiebedingten enormen geldpolitischen Stimuli und die Rückführung der Anleihekäufe einiger Zentralbanken zuletzt auf der Goldpreisentwicklung. Steigende Zinsen im kommenden Jahr sprechen ebenfalls eher für Gegenwind.”

Zudem dürfte der Euro-Wechselkurs etwas stärker werden. Bis Jahresende 2022 könnte er auf 1,20 Dollar steigen. Und für die Aktienmärkte sehen die Experten für 2022 zwar etwas Luft nach oben. Doch ein riesiger Gewinn könnte ausbleiben. So erwarten die Analysten, dass die Märkte ähnlich stark wie die Gewinne der Unternehmen wachsen werden und zwar um rund acht bis neun Prozent.

Zudem erwartet man eine stärkere Fokussierung auf eine nachhaltigere Wirtschaft. Doch überraschenderweise braucht es dafür erstmal mehr Rohstoffe, was zu einem Superzyklus 2.0 bei den Rohstoffen führen könnte. So schreiben die Experten erst: “Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt im Portfolio immer mehr an Bedeutung und treibt Anleger zunehmend um. Der Umbau zu einer grünen Wirtschaft wird immer stärker vorangetrieben.” Doch genau für diesen Umbau der Wirtschaft braucht es erstmal Industriemetalle.

Fazit Börse 2022

Die Experten der Deutschen Bank betonen, dass man etwas strategischer an die Sache herangehen muss und nicht einfach ein statisches Portfolio jahrelang laufen lassen kann. Bedeutet: Weil es so schnelle und rasante Entwicklungen gibt, muss man sicherlich öfter mal einen Blick ins Depot werfen und Branchen und Länder wechseln. Was etwas erstaunlich ist: Die meisten Banken und Experten beziehen die Kryptowährungen nicht in ihre Aussichten mit ein. Klar, dieser Bereich des Finanzmarktes ist noch eher klein. Doch durch die zunehmende Bedeutung hätte man immerhin ein paar Sätze dazu verlieren können, zumal immer mehr Studien zeigen, dass eine geringe Beimischung von Bitcoin die Portfolien in Risiko- und Renditeaspekten aufbessern kann. Aber gut, es muss ja auch für 2022 noch etwas Neues bleiben.

Zum Vergleich: Die Prognosen für 2021 trafen nicht ganz in Schwarze. Sie waren nicht komplett daneben, aber eben auch nicht ganz genau. Wie die Vorhersagen für die Börse 2021 aussahen, liest du hier nochmal. Deswegen sind solche Prognosen auf jeden Fall interessant und können Anleger eine Hilfestellung geben. Man sollte sie aber natürlich nicht als gesetzt und unverrückbar ansehen.

Am Ende scheint es aber so, dass die Experten für das nächste Jahr eher steigende Börsen erwarten. Dies kann man als Anleger ja mit in seine Überlegungen aufnehmen. Allerdings gehört zu einer guten Strategie auch, Verluste aushalten zu können und Gewinne zwischendurch mal mitzunehmen.

Fotoquelle: Photo by Javier Esteban on Unsplash

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