Die Aktienindizes dieser Welt erreichen reihenweise neue Höhen. Der Dax, der Dow Jones, der S&P 500 und viele weitere Märkte notieren auf Rekordständen. Doch was die einen Anleger freut, besorgt die anderen. Jetzt stellt sich die Frage: Soll man bei diesen Rekordbörsen etwa noch kaufen? Wir zeigen, worauf es jetzt ankommt und was Anleger erwarten können.

Rekordbörsen

Für Anleger ist es ein schönes Gefühl, wenn die Börsen steigen und steigen und das eigene Depot prall gefüllt daherkommt. Doch es stellt sich bei diesen Bullenläufen auch immer die Fragen: Wie lange geht das noch so weiter? Sollte ich auch mal etwas verkaufen? Und lohnt es sich, jetzt nochmal nachzukaufen?

Bei diesen aktuellen Rekordbörsen sind das nur verständliche Fragen. Der Dax notiert bei über 16.000 Punkten und steht damit so hoch, wie noch nie. Der amerikanische Index Dow Jones 30 mit den größten 30 börsennotierten Unternehmen der USA markiert mit mehr als 36.000 Punkten ebenfalls Rekordstände. Und der wichtigste japanische Index, der Nikkei 225, steht kurz vor einem neuen Rekordhoch. Wie lange kann das noch so weitergehen? Und wie hoch ist das Risiko aktuell?

Werfen wir jetzt also mal einen Blick auf die langfristigte Analyse, um zu schauen, wie die Lage aussieht.

Langfristanalyse

Schauen wir uns doch mal an, um wie viel der Dax seit seiner Gründung 1959 jedes Jahr zulegte. Im Schnitt waren das von 1959 bis Jahresende 2020 durchschnittlich 5,83 Prozent jedes Jahr. Natürlich gab es große Schwankungen. Es gab Jahre, in denen der Index deutlicher zulegte oder auch stärker verlor. Schauen wir uns aber die blaue Linie in der Grafik unten an, so sehen wir, dass das gleichmäßige Wachstum von 5,83 Prozent pro Jahr eine gewisse Anziehungskraft hat. Der Dax schießt mal darüber hinaus und korrigiert auch mal deutlich darunter.

Nun sehen wir, dass der Index aktuell etwas über dem fairen Wert liegt. Dieser faire Wert legt einen fairen Dax-Stand Ende 2021 von 14.026 Punkten nahe. Doch wir sehen ja auch, dass der Index jahrelang höher bewertet sein kann, als der Durchschnitt. Was sagt uns das jetzt? Man sollte vielleicht heute nicht all in gehen beim Dax. Doch man muss jetzt auch nicht alles verkaufen, denn der Index kann noch deutlich länger steigen und schon 2025 liegt der faire Wert bei 17.600 Punkten. Notiert der Dax eines Tages mal wieder deutlich unter der blauen Linie, so könnten das attraktive Kurse zum Nachkaufen sein. Doch eine Garantier dafür, dass das Wachstum von 5,83 Prozent pro Jahr so weitergeht, gibt es natürlich nicht. Auch, wenn die Datenlage eher freundlich aussieht.

Eigene Darstellung

Und auch beim Dow Jones bietet sich uns ein ähnliches Bild:

Den Dow Jones gibt es bereits seit 1896. Seitdem hat der Index bis Ende 2020 in jedem Jahr durchschnittlich um 5,69 Prozent zugelegt. Also sehr ähnlich wie der Dax. Beim Dow Jones fällt aber auf, dass er lange unter seinem fairen Wert blieb. Bedeutet: Erst in der jüngeren Vergangenheit legte er deutlicher zu. Der faire Wert wäre Ende 2021 bei rund 32.000 Punkten. Aber auch hier gilt wie beim Dax: Noch keine Panik, nur weil der Index etwas teurer aussieht.

Für kurzfristige Anleger

Man sollte bei der Geldanlage immer unterscheiden, wie lange man sein Geld anlegen möchte, wie sehr man auf dieses Geld angewiesen ist und wie viel Risiko man eingehen kann und möchte. Wer bereits jetzt gute Gewinne erwirtschaftet hat, kann auch mal ein paar Gewinne mitnehmen. Schließlich muss man nicht alles auf einmal verkaufen, sondern kann auch fünf Prozent, zehn Prozent oder einen anderen Anteil veräußern. Kurzfristig gesehen sind die Märkte sicherlich etwas heißer gelaufen. Dazu beigetragen haben aber auch die sehr niedrigen Zinsen und die Geldpolitik der Notenbanken. Solange diese weiter Geld ins System pumpen, dürften die Börsen eher nach oben tendieren. Es kann also noch eine ganze Weile Rekordbörsen geben.

Doch die Rekordbörsen würden enden, wenn es einen Schwarzen Schwan gibt. So nennt man Events, die vorher niemand auf dem Zettel hatte, die aber die Börsen und/oder die Weltwirtschaft erzittern lassen. Etwa 9/11 war so ein Event oder auch die Lehman Brothers-Pleite 2007/2008. Auf so etwas kann man sich nur schwer vorbereiten. Natürlich kann es zu einem Crash kommen. Es gibt aber auch viele Crash-Propheten, die immer vor einem Crash warnen. Meistens trendieren die Börsen aber nach oben, wie wir gesehen haben. Doch wer eher kurzfristig aufgestellt ist und Angst vor einem Crash hat, der sollte besser nicht oder zumindest nicht viel an der Börse investieren. Der muss sich dann andere Wege suchen, um sein Geld anzulegen oder das halt einfach lassen.

Für langfristige Anleger

Wer einen langen Zeithorizont hat, für den sieht das Ganze schon wieder anders aus. Denn wem aktuelle Schwankungen vorerst egal sein können, weil man das Geld zehn, 20 oder 30 Jahre anlegen möchte, für den bieten sich aktuell immer noch gute Chancen. Denn die Indizes stehen aktuell nicht deutlich über ihrem langfristigen Trend. Und vielleicht steigen Börsen in den vergangenen Jahren und auch in den kommenden Jahren stärker, weil es eine Niedrigzinspolitik und wenig Alternativen zum Anlegen gibt. Bedeutet: Vielleicht liegt der faire Wert doch höher, als wir oben versuchen zu zeigen.

Natürlich sollte man nicht alles auf einmal setzen. Sprich: Am besten investiert man langfristig mit einem Sparplan. Oder aber Anleger investieren immer mal einen gewissen Teil ihrer Ersparnisse bei guten Gelegenheiten. Eine Möglichkeit dafür kann die 30-30-40-Methode sein. Natürlich kann man sein Geld auch noch weiter aufteilen und etwa nach einer 20-20-30-30-Methode oder Ähnlichem investieren.

Und auch langfristige Anleger müssen mal damit rechnen, dass es Crashes gibt. Wie beugt man dem etwas vor? Wenn man schon eine Weile lang anlegt und gute Gewinne hat, dann kann man auch mal einen Teil verkaufen und eben diese Gewinne realisieren. Denn dieses Geld können Investoren auf ihr Konto legen und dort lassen oder bei günstigen Nachkaufgelegenheiten auch wieder in den Markt einsteigen. Zudem kommt es darauf an, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Sprich: Man sollte nicht sein ganzes Geld nur in eine Aktie oder auch nicht nur in den Dax investieren. Etwa der MSCI World, ein bisschen Edelmetalle und vielleicht auch Kryptos könnten sich eignen. Je nach Risikoneigung.

Fazit Rekordbörsen

Auch wenn es aktuell Rekordbörsen gibt, scheinen die Märkte immer noch attraktive Chancen zu versprechen. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn man sein Geld anlegen möchte: was bleibt außer Aktien? Klar, Immobilien können sich lohnen, sind aber nichts für jedermann und auch nicht günstig. Und für Kryptos gilt das Gleiche: Sie sind nicht für jeden etwas und diese sind natürlich noch deutlich volatiler.

An Aktien führt eher kaum ein Weg vorbei, wenn man die aktuell doch eher höhere Inflation ausgleichen möchte. Doch niemand sollte sich gezwungen fühlen zu investieren, wenn man sich damit nicht wohl fühlt. Außerdem gilt es, das eigene Risiko stets zu kennen, Gewinne auch mal mitzunehmen und bei günstigen Gelegenheiten nachzukaufen. So kann man die Rekordbörsen für sich nutzen.

Fotoquelle: Sébastien Goldberg auf Unsplash

Autor*in