Kann man tatsächlich seine Altersvorsorge mit Kryptowährungen bestreiten? Ist das nicht einfach nur ein Gag, um mehr Leser zu bekommen? Nein, tatsächlich nicht. Natürlich sollte man nicht All-in bei Kryptowährungen gehen und erst recht nicht, wenn man das Geld für die Rente braucht. Doch wir zeigen, warum es sinnvoll sein kann, mit Bitcoin, Ethereum und Co vorzusorgen.

Die Altersvorsorge

Grundsätzlich steht die Altersvorsorge in Deutschland auf drei Säulen:

  • der gesetzlichen Rentenversicherung, in die jeder Arbeitnehmer einzahlen muss. Beamte bekommen an dieser Stelle Pension und bei Selbstständigen kann es unterschiedliche Lösungen geben. Dieser Bereich sollte mal das Existenzminimum im Alter sichern
  • die betriebliche Altersvorsorge ermöglicht es vielen Arbeitnehmern, zusammen mit ihrem Arbeitgeber fürs Alter vorzusorgen. Durch Zuschüsse des Arbeitgebers kann sich das lohnen
  • bei der privaten Vorsorge gibt es verschiedene Möglichkeiten wie Riester, Rürup, klassische Versicherungen oder auch einfach die private Privat-Lösung: Nämlich indem man einfach selbst Geld spart und anlegt.

Diese drei Säulen sollen dafür sorgen, dass das Risiko verteilt wird und jeder im Alter genug Geld hat. Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, für den könnte das Geld im Alter etwas knapper werden. Deswegen empfiehlt es sich, nebenbei noch etwas anzusparen und im besten Falle gewinnbringend anzulegen. Aber wie spielen denn jetzt Kryptowährungen in diese Überlegungen mit rein?

Altersvorsorge mit Kryptowährungen

Tatsächlich investieren bereits einige Rentenfonds aus dem Ausland in Bitcoin und Co. So sagte schon der große Grayscale Investment Trust Anfang des Jahres 2021, dass das Interesse von Rentenfonds, sowohl von der Anzahl, als auch vom Volumen her, zunehme. Und auch der neuseeländische Rentenfonds KiwiSaver Growth-Funds soll fünf Prozent seines verwalteten Geldes in Bitcoin angelegt haben. Es ist also kein Hirngespinst zu sagen, Altersvorsorge mit Kryptowährungen kann funktionieren.

Denn es zeigt sich auch mathematisch, dass eine Bitcoin-Beimischung einem Portfolio gut tun kann. Etwa die Privatbank M.M.Warburg verrät in diesem Artikel, wie das funktioniert. Denn mittlerweile sagen immer mehr Studien, dass eine kleine Beimischung von Bitcoin in Höhe von ein bis zehn Prozent des Portfolios sinnvoll sein kann. Aber warum kommen sie zu diesem Schluss? Der Bitcoin korreliert ganz wenig mit anderen Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen oder Immobilien. Bedeutet: Der Bitcoin entwickelt sich preislich ganz anders. Oft steigt der Markt insgesamt oder sinkt auf breiter Front. Da der Bitcoin dort nicht mitmacht und außerdem sehr hohe Renditen liefert, kann es mathematisch Sinn machen, Bitcoin ins Portfolio aufzunehmen.

Und genau deswegen bietet sich auch eine Altersvorsorge mit Kryptowährungen an. Hier gilt es natürlich auf das Alter zu achten: Befindet man sich nur noch fünf Jahre vom Renteneintritt entfernt, dann muss man nicht mehr zwingend Bitcoin beimischen. Oder wenn, dann nur ganz wenig. Doch je weiter der Renteneintritt noch in der Zukunft liegt und je mehr Risiko man eingehen kann, desto eher kann sich das lohnen.

Wie mache ich das am besten?

Ein Rentenprodukt in Deutschland, welches in Kryptowährungen investiert, ist uns bislang noch nicht bekannt. Vermutlich ist das aber nur noch eine Frage der Zeit. Doch bis ein solches Produkt auf dem Markt erscheint, kann man die Altersvorsorge mit Kryptowährungen einfach selbst umsetzen. Es empfiehlt sich ja ohnehin, selbst etwas Geld als private Vorsorge, in Aktien, Fonds und ETFs anzulegen. Warum also nicht einen kleinen Prozentsatz Bitcoin dazumischen? Und dabei könnte man folgendermaßen vorgehen:

  • konservative Methode: Hierbei setzt man nur einen geringen Teil des Portfolios auf Bitcoin. Maximal fünf Prozent. Dies schafft man, indem man Kryptowährungen direkt über eine Kryptobörse kauft oder auf verschiedene ETPs setzt. Diese Produkte können Anleger meistens über ihren Broker oder ihre Bank erwerben. Wichtig ist hierbei, mittels Sparplan in den Markt einzusteigen und nicht alles auf einmal einzusetzen. Zudem sollten entstandene Gewinne immer mal wieder realisiert und in den restlichen Teil des Portfolios umgeschichtet werden.
  • etwas mehr Risiko: Wer mehr Risiko eingehen kann und möchte und wer gleichzeitig eher noch jünger ist, der kann bis zu 15 Prozent des Portfolios in Bitcoin und Ethereum anlegen. Mindestens zehn Prozentpunkte davon sollten in Bitcoin liegen und höchstens fünf in Ethereum. Hierbei kann das Portfolio durchaus schon mal etwas mehr schwanken. Anleger sollten sich bewusst sein, dass diese Strategie etwas riskanter und deutlich volatiler ist. Auf der anderen Seite verspricht sie deutlich mehr Rendite als ohne Kryptos. Auch Ethereum kann man einfach über eine Kryptobörse kaufen oder über verschiedene ETPs erwerben, genau wie beim Bitcoin.
  • offensive Methode: Für die Altersvorsorge mit Kryptowährungen kann man auch bis zum Äußersten gehen und bis zu 30 Prozent seines Portfolios in Kryptos investieren. Das ist dann aber deutlich riskanter und man sollte sich diesem Risiko bewusst und eher jünger sein. Ist man damit einverstanden, kennt den Markt etwas und kann die Schwankungen aushalten, so könnte man 19 Prozent Bitcoin aufnehmen, sieben Prozent Ethereum und vier Prozent mit beliebigen anderen Altcoins füllen. Dieses Portfolio sollte man regelmäßig anpassen und im Verlauf der Zeit – gerade wenn die Rente näher rückt, deutlich sicherer aufstellen. Bedeutet: Je näher der Renteneintritt rückt, desto mehr sollten die Kryptos verkauft werden. Den Gewinn schichtet man dann entweder in deutlich sicherere Anlagen um oder legt das Geld aufs Tagesgeldkonto.

Fazit zur Altersvorsorge mit Kryptowährungen

Die Altersvorsorge mit Kryptowährungen dürfte in den kommenden Jahren immer mehr an Fahrt aufnehmen. Es könnte durchaus sein, dass mehr Pensionsfonds Bitcoin und Co. mit in ihr Portfolio nehmen und somit den Trend anfachen. Doch auch privat können Anleger kleine Portionen von Bitcoin und Co. beimischen. Wenn sie sich der Risiken bewusst sind und die Schwankungen aushalten können. Und werfen wir noch einen Blick auf ein Beispiel der Fondsgesellschaft Fidelity: Denn diese führte den Vergleich zwischen Januar 2015 und September 2020 an (also noch bevor der Bitcoin so stark stieg). Sie verglichen ein herkömmliches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen mit einer Bitcoin Beimischung. Ohne Bitcoin brachte das Portfolio jährlich 6,83 Prozent Gewinn. Mit einem Prozent Bitcoin waren es 7,98 Prozent, mit zwei Prozent Bitcoin schon 9,11 Prozent und mit drei Prozent Bitcoin sogar 10,24 Prozent.

Fotoquelle: Photo by Jeremy Bezanger on Unsplash

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