Zwar sind wir noch nicht ganz am Jahresende, aber die Monate Oktober, November und Dezember läuten langsam aber sicher den Schlusspurt an den weltweiten Aktienmärkten ein. In diesem Artikel schauen wir, was eine Jahresendrallye ist und warum sie sich für Anleger lohnen kann.

Was ist die Jahresendrallye?

Grundsätzlich beschreibt dieser Begriff steigende Kurse an den Börsen zum Jahresende hin. Über den genauen Zeitraum und die exakte Dauer ist man sich dabei nicht ganz einig. Manche meinen wirklich nur die letzten paar Handestage im Jahr, andere fast den gesamten Dezember oder sogar einen noch längeren Zeitraum. Doch wie dem auch sei: In diesem Artikel von Focus-Online sieht man, dass die Jahresendrallye mit einer Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent kommt. Dieser Wert ergibt sich, wenn man sich die Zahlen von 1988 bis 2017 anschaut. Die Jahresendrallye ist also nicht garantiert, aber sie ist statistisch nachweisbar und langfristig können Anleger darauf setzen.

Dabei kommen Saisonalitäten an der Börse, bei Aktien, Gold und auch Kryptowährungen, häufig vor. Es gibt bestimmte Zeiträume, in denen manche Anlageklassen deutlich besser laufen als zu anderen Zeiten. Warum das so ist, kann nicht immer einwandfrei belegt werden. Doch das ist auch nicht das Wichtigste. Denn wenn Investoren ungefähr wissen, wann welches Wertpapier eine größere Chance hat zu steigen, kann man daran mitverdienen. Deswegen zeigen wir jetzt, wo sich eine Jahresendrallye lohnen könnte und wo eher nicht.

Aktienmärkte

Schauen wir uns doch einfach mal an, wie der Deutsche Aktienindex Dax seit 1959 in jedem einzelnen Monat durchschnittlich abgeschnitten hat.

Quelle: https://www.finanzen.net/index/dax/performance / eigene Darstellung

Wir sehen, dass der Sommer eher dürftig und der September sogar richtig schlecht ist. Doch ab Oktober ziehen die Kurse an und der November ist sogar der zweitbeste Monat des Jahres. Ganz bis zum Ende des Jahres sollte man bei der Jahresendrallye (auch wenn es der Name vermuten lässt) nicht warten. Ein Investment ab Oktober hat sich statistisch seit 1959 immer gelohnt.

Werfen wir dazu noch einen Blick auf den US-Index S&P 500, der die größten 500 börsennotierten Unternehmen der USA beinhaltet:

Quelle: https://www.finanzen.net/index/s&p_500/performance / eigene Darstellung

Beim US-Index könnte man schon eher von einer Jahresendrallye sprechen, weil tatsächlich der Dezember mit 1,43 Prozent Plus der beste Monat ist und auch der Januar mit fast ein Prozent Rendite noch saftig schmachtig daherkommt. Grundsätzlich gilt auch hier: Ab September steigen die Kurse, auch wenn der Oktober und November bei den Amerikanern eher verhalten daherkommt.

Kryptowährungen

Auch Kryptowährungen haben Saisonalitäten. Vor allem die beiden größten Vertreter ihrer Zunft – Bitcoin und Ethereum – haben klare Monate, in denen sie statistisch besser performen, als in anderen. Die durchschnittliche monatliche Performance des Bitcoin von August 2010 bis September 2021 sieht so aus:

  • Januar: +10,6 Prozent
  • Februar: +16,6 Prozent
  • März: + 10,4 Prozent
  • April:+47,2 Prozent
  • Mai: +26,2 Prozent
  • Juni: +12,4 Prozent
  • Juli: + 9,6 Prozent
  • August: +1,1 Prozent
  • September: -5,4 Prozent
  • Oktober: +31,3 Prozent
  • November: +50,8 Prozent
  • Dezember: +16,2 Prozent

Wir sehen also, dass es klare Jahreszeiten gibt, in denen der Bitcoin besser läuft, als in anderen. Der Sommer und insbesondere August und September zählen nicht zu den Sahne-Monaten. Dafür beginnt meistens der heiße Herbst ab Oktober für den Bitcoin. Hinweis: Natürlich gibt es auch in durchschnittlich schlechten Monaten gute Renditen und auch in sehr guten Monaten mal schlechte. Eine Garantie ist das freilich nicht.

Bei Ethereum ist die Saisonalität sogar noch deutlicher ausgeprägt. Zwar gibt es Ethereum erst seit 2015. Die Zahlen sind also weniger belastbar. Doch es gibt ein ganz eindeutiges Muster:

Quelle: tradingview.com / eigene Darstellung und Berechnung

Wir sehen, dass Ethereum von Juni bist November eher schwache Monate hat. Der September ist sogar ein richtig schlechter Monat. Ab Dezember zieht der Ethereum-Kurs meistens an und haussiert dann bis in den Mai. Es ist auffällig, dass in den Monaten Dezember bis Mai zwar auch mal rote Vorzeichen zu sehen sind, aber die grünen doch in der deutlichen Überzahl sind. Bei Ethereum dürfte es also eher keine Jahresendrallye geben. Und wenn, dann zieht der Kurs vermutlich erst im Dezember etwas an. Aber es kann natürlich auch leicht anders kommen.

Saisonalität von Gold

Bei dem beliebten Edelmetall Gold gibt es auch Saisonalitäten und das hat mehr handfeste Gründe als bei Aktien. So schreibt Swisscanto, dass dies vor allem durch Feste, bei denen traditionell viel Gold als Schmuck oder Geschenk genutzt wird, für Saisons sorgen. Das seien das orthodoxe Weihnachtsfest Anfang Januar, das chinesische Neujahrfest Ende Januar und die indische Hochzeitssaison ab Ende September. Zudem zeigt Focus Online folgende Grafik:

Quelle: focus.de

Hier sehen wir: Der Oktober ist eher nicht so gut bei Gold, November und Dezember starten verhalten. Der Januar ist dann mit Abstand der beste Monat. Eine wahre Jahresendrallye gibt es bei Gold also nicht. Dennoch kann man von der Saisonalität beim Goldpreis profitieren.

Kommt die Jahresendrallye?

Die übliche Floskel lautet: Mit Sicherheit kann das natürlich niemand sagen. Oft ist die Börse mathematisch, kurzfristig können aber Angst und Panik auch mal für schlechtere Stimmung sorgen. Sollte etwa Evergrande in die Zahlungsunfähigkeit schlittern, dann könnte die Börse in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch sollte alles normal bleiben, dann dürfte nach dem schwachen September (den man historisch betrachtet, erwarten konnte) doch ein erfolgreicher Herbst anstehen. Und somit auch eine schöne Jahresendrallye für alle Anleger.

Fotoquelle: Photo by Danny Howe on Unsplash

Autor*in