Unsere Euros, Dollar und Co bezeichnet man als Fiatgeld. Dieses Fiatgeld gibt es noch gar nicht so lange – zumindest historisch betrachtet. Viele heute lebende Menschen kennen nur diese Art des Geldes. Doch immer mehr Stimmen mehren sich, die sagen, dass unser Fiatgeld scheitern könnte. Doch was bedeutet das für uns, unser Geld und unser Leben?

Welche Geldsysteme gab es in der neueren Geschichte?

In der Studie “Long-Term Asset Return Study Fiat, fifty and frail” von Deutsche Bank Research sind vor allem drei Kernzeiträume unserer Geldgeschichte aufgeführt:

1. Der Klassische Gold-Standard von 1821 bis 1914

So schreiben die Experten, dass Gold schon seit Jahrtausenden benutzt wurde. Doch wenn man Gold finden, ausgraben und als Münzen prägen musste, kostete das sehr viel Geld. “Als Ergebnis entwickelten die Nationen stattdessen ein System mit Papiergeld, das in Gold umgewandelt werden konnte”, schreiben die Experten. Und weiter: “Hatte ein Land einen Zahlungsbilanzüberschuss, kam es zu einem Goldzufluss.” Die Zentralbank bekam Gold aus dem Ausland und musste die Geldmenge erhöhen. Hatte ein Land aber ein Zahlungsbilanzdefizit, so musste die Zentralbank die Geldmenge durch ihre Politik verringern. Doch laut den Experten von Deutsche Bank Research hielten sich nicht alle Zentralbanken daran. Dennoch kommen sie zu dem Ergebnis: “Eine Periode signifikanter langfristiger Preisstabilität prägte die Ära des klassischesn Preisstandards.” Es gab also kaum Inflation. Allerdings verschärfte sich durch eine Goldknappheit auch die Gefahr einer Deflation – also stetig sinkender Preise

2. Bretton Woods von 1945 bis 1971

Nach dem ersten Weltkrieg brach der Gold-Standard mehr oder weniger zusammen. Es gab zwar noch Versuche, ihn wieder zu etablieren, doch sie scheiterten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte dann die Zeit von Bretton Woods ein. Dazu schreiben die Experten: “Als der Zweite Weltkrieg 1944 seine Endphase erreichte, versuchten Delegierte aus 44 Nationen auf der Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten Nationen in Bretton Woods, New Hampshire, ein neues internationales System zu schaffen, das auf der Zusammenarbeit nach dem Krieg basiert.”

Grundsätzlich sah das System vereinfacht gesagt so aus: Der US-Dollar wurde von den Amerikanern an den Goldpreis geknüpft. Der Goldpreis wurde auf 35 Dollar je Feinunze festgelegt. Und alle anderen Währungen sollten fest an den US-Dollar oder Gold geknüpft sein. Der Umrechnungssatz sollte in einem 1-Prouent-Band liegen. Später wurde dieses System eher zu einem Dollar-Standard. Die USA hielten rund drei Viertel allen Golds und die anderen Länder nutzten den US-Dollar als Reserve.

3. Die Ära des Fiatgelds von 1971 bis ????

“Aufgrund des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks im Inland setzte Präsident Nixon am 15. August 1971 die Goldkonvertibilität aus. Die anpassbare Bindung endete im März 1973. Seitdem basiert das globale Währungssystem praktisch ausschließlich auf Geld ohne inneren Wert mit nichts dahinter”, schreiben die Experten von Deutsche Bank Research. Bis heute können also die Zentralbanken dieser Welt aus dem Nichts Fiatgeld schaffen. Sie drucken es oder pumpen es durch die Kreditvergabe der Geschäftsbanken digital in den Geldkreislauf. Aber was hat das genau zu bedeuten?

Inflation und Fiatgeld

Warum gibt es nun mit dem Fiatgeld immer mehr Inflation? Und warum könnte genau deswegen Fiatgeld scheitern?

Quelle: Deutsche Bank Research

Diese Grafik zeigt, dass die Inflation immer dann stark einsetzte, wenn es Fiatgeld gab. Inflation bedeutet ja, dass die Preise steigen und die Kaufkraft sinkt. Etwa seit 1913 hat der US-Dollar aufgrund der Inflation 96,4 Prozent seines Werts verloren. Ein Produkt, das heute 100 Dollar kostet, konnte man 1913 mit 3,62 Dollar kaufen.

Und auch das nächste Bild zeigt, dass die Inflation stets sehr hoch ist. Je höher die Inflation, desto unsicherer ist das wirtschaftliche Umfeld und desto weniger Sinn macht sparen. Denn das Geld verliert ja seinen Wert. Für eine Wirtschaft und für Investitonen in die Zukunft, kann so etwas gefährlich werden.

Quelle: Deutsche Bank Research

Dazu schreiben die Analysten, dass unser Geld in Zukunft wieder durch “etwas Greifbares” gedeckt sein könnte. Gold muss das nicht zwingend sein. Doch zuerst müsse man die sehr hohen Level der Verschuldung in den Griff bekommen. Und Deutsche Bank Research schreibt, dass es für die Zukunft zu bevorzugen sei, ein Geldsystem zu haben, bei dem die Geldmenge gedeckelt oder das Wachstum dessen zumindest begrenzt ist.

Warum unser Fiatgeld scheitern könnte

Zunächst: Selbst wenn Fiatgeld scheitern sollte, muss das keine riesige Katastrophe sein. Schon vorher wurde das Geldsystem der Welt gewechselt und auch dort ist sie nicht untergegangen. Allerdings könnte es natürlich zu Verwerfungen und Vermögenstransfers kommen. Wie genau das aussehen könnte, kann man erst sagen, wenn es soweit ist. Etwas absichern kann man sich auf jeden Fall mit Vermögenswerten. Denn Aktien, ein Haus, Gold und weitere Wertgegenstände werden auch mit einem anderen “Geld” ihren Wert haben. Wer nur Euros auf dem Konto hat, könnte etwas mehr in Mitleidenschaft gezogen werden und ist darauf angewiesen, einen guten Tausch für diese Euros zu bekommen.

Und Deutsche Bank Research macht folgende Möglichkeiten aus, warum unser Fiatgeld scheitern könnte: Das Vertrauen in unser Geldsystem könnte verloren gehen, es könnte eine lange und große Phase der Inflation geben, die Verschuldung könnte zu schnell und drastisch zunehmen, die abgehängten Menschen könnten so viele werden, dass es einen politischen Umschwung gibt, Bitcoin und Kryptowährungen könnten zu Geld werden, Multinationale Konzerne könnten mächtiger als ganze Länder werden, der Euro könnte scheitern und somit das Vertrauen in Fiatgeld ruinieren, der Klimawandel könnte dafür sorgen, dass enorm viel Geld gedruckt und ausgegeben wird, um den Wandel aufzuhalten und dass dadurch das Fiatgeld scheitern könnte.

Möglichkeiten gibt es also viele. Angst muss man vor einem Scheitern nicht haben. Nur vorbereitet sollte man sein.

Fotoquelle: Photo by Jp Valery on Unsplash

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