Nur noch wenige Tage, bis es zu einer Änderung des Dax kommt, die es bisher noch nicht gegeben hat: Der deutsche Leitindex wird um zehn weitere Unternehmen auf insgesamt 40 erweitert. Warum das so ist, welche Kandidaten in den Startlöchern stehen und welche Folgen die Vergrößerung für Anleger hat, erfährst du in diesem Beitrag.

Das sind die Änderungen im Dax

Dass sich die Zahl der Unternehmen im Dax im September von 30 auf 40 erhöht, ist nicht die einzige Änderung für den Deutschen Aktienindex. Der Wirecard-Skandal hat ausgelöst, dass die Verantwortlichen die Index-Regeln noch einmal genauer unter die Lupe genommen haben. Künftig soll die Zusammensetzung des Dax häufiger überprüft werden. Außerdem müssen Unternehmen von nun an immer fristgerecht alle Berichte und Abschlüsse einreichen. Warum aber werden bald 40 statt 30 Aktiengesellschaften im Dax sein?

Warum Dax 40 statt Dax 30?

Mit 40 statt 30 Dax-Unternehmen soll die deutsche Wirtschaft besser abgebildet und der Einfluss einzelner Konzerne auf den Index gesenkt werden. Der Anteil von Old-Economy-Unternehmen, also Unternehmen aus der klassischen Industrie, nimmt ab, der Anteil wachstumsstarker, aufstrebender Gesellschaften zu. Auf diese Weise ändert sich die gesamte Gewichtung. So möchte sich der Dax 40 auch an die anderen großen internationalen Leitindizes anpassen. Seine repräsentative Funktion als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft wird durch die Vergrößerung gestärkt und man befindet sich auf einer Ebene mit dem französischen CAC 40.

Das sind die heißesten Dax-Kandidaten

Natürlich kommt jetzt die Frage auf: Welches sind die zehn Unternehmen aus dem MDax, die in den Dax aufsteigen? Genaueres wird man erst am Abend des 3. September wissen. Banken und Investment-Experten haben aber schon jetzt potenzielle Konzerne ausfindig gemacht – in erster Linie auf Grundlage des ausschlaggebenden Börsenwerts. Diese Aktien zählen zu den heißesten Kandidaten:

  • Airbus: Betrachtet man die Marktkapitalisierung, ist Airbus das fünftgrößte deutsche Unternehmen. Weil die Aktie aber hauptsächlich in Paris gehandelt wird, gelang der Dax-Aufstieg bislang noch nicht.
  • Zalando: Der Online-Modehändler gilt mit seinem Börsenwert von etwa 24,6 Milliarden Euro ebenfalls als fast schon gesicherter Dax-Neuling. Im Gegensatz zu dem erst kürzlich an der Börse gestarteten Konkurrenten AboutYou ist Zalando schon eine gestandene Größe auf dem Börsenparkett – und würde dem sonst sehr von der Old Economy geprägten Dax sicherlich frischen Wind verleihen.
  • Symrise: Es ist eines der führenden Unternehmen in der Duftbranche und aktuell mit rund 17,1 Milliarden Euro an der Börse bewertet. Der Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen aus Holzminden zählt ebenfalls zu den möglichen Aufsteigern in den Dax.
  • Hellofresh: Corona verschaffte dem Anbieter sogenannter „Kochboxen“ einen Boost, die Pakete mit vorbereiteten Zutaten kommen gut an. Ob die Aktie der Berliner auch im Dax ankommt, wird sich in Kürze zeigen. Die Chance ist jedenfalls groß.
  • Siemens Healthineers: Mit Siemens und Siemens Energy sind schon zwei Aktien aus der Siemens-Familie im Dax vertreten. Mit Siemens Healthineers, dem Dach für alle medizintechnischen Aktivitäten von Siemens, könnte der Dritte im Bunde dazustoßen.

Weitere Dax-Kandidaten sind:

  • Sartorius
  • Brenntag
  • Porsche Holding
  • Beiersdorf
  • Qiagen
  • Puma
  • LEG
  • Hannover Rück

Was die Erweiterung des Dax 40 für Anleger bedeutet

Ein besonderes Augenmerk sollten Anleger darauf legen, welchen Einfluss der Aufstieg bestimmter Aktien in die erste Börsenliga auf deren Aktienkurse hat. Denn als Dax 40-Mitglied genießt ein Unternehmen mehr Aufmerksamkeit bei Groß- und Kleininvestoren als M- oder SDax-Mitglieder. Für Investoren, die sich in erster Linie auf den deutschen Aktienmarkt fokussieren, könnte das interessant sein.

Beachten sollte man außerdem, dass die Erweiterung des Dax auch Einfluss auf den MDax hat. Die Zahl dessen Mitglieder wird nämlich von 60 auf 50 reduziert. Hier verringert sich also die Streuung und einzelne Konzerne fallen stärker ins Gewicht.

Die Vergrößerung auf 40 Dax-Unternehmen ist vor allem für Anleger von Bedeutung, die in den kompletten Dax 40 – zum Beispiel mittels eines ETFs – investieren. Der Dax ist breiter gestreut und der Anteil schnell wachsender Unternehmen wird größer. Investoren, die einen ETF auf den deutschen Leitindex in ihrem Depot haben, profitieren davon, dass Rückschläge einzelner Aktien nicht so sehr ins Gewicht fallen – wie das etwa bei Wirecard der Fall war. Auch hier wird also auf den großen Wirtschaftsskandal 2020 reagiert.

Autor: Tim Holzapfel

Fotoquelle: Photo by Ansgar Scheffold on Unsplash

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