Du genießt noch die Vorzüge des Studentenlebens oder du steckst bereits in den Anfängen des Berufslebens? So oder so, fühlst du dich sicher noch nicht alt genug, um an deine Rente zu denken. Warum auch? Bis dahin sind es schließlich noch mehrere Jahrzehnte. Aber Vorsicht: Wer im Alter weiterhin einen guten Standard genießen möchte, der sollte sich frühzeitig um die Rente kümmern. Wieso und was du dabei berücksichtigen musst, das erklären wir dir hier.

Nicht ein, nicht zwei, sondern drei Möglichkeiten der Vorsorge

Wie heißt es so schön: „Alle guten Dinge sind drei!“ Dieser Leitsatz kommt auch bei deiner Altersvorsorge zum Tragen. In Deutschland bestehen hierzu drei Säulen. Bevor wir diese genauer erläutern, hier erst einmal ein grober Überblick:

  • 1. Säule – Basisvorsorge: Darin enthalten sind die gesetzliche Rentenversicherung beziehungsweise die gesetzliche Pension, berufsständische Versorgungswerke und die Rürup-Rente. Üblicherweise ist jeder Erwerbstätige automatisch über diese Kategorie abgesichert. Die nächsten beiden Säulen sind hingegen jedem selbst überlassen.
  • 2. Säule – geförderte Vorsorge: Diese Kategorie ist vor allem für Arbeitnehmer interessant. Dazu zählen Verträge der betrieblichen Altersvorsorge und Riester-Verträge.
  • 3. Säule – ungeförderte Vorsorge: Dabei handelt es sich um private Strategien für die Altersvorsorge, diese werden nicht vom Staat gefördert. Beispiele hierfür wären private Lebens- oder Rentenversicherungen oder Fondssparpläne.

Wie kümmere ich mich um meine Rente? Voraussetzungen prüfen

Die drei möglichen Grundpfeiler deiner Altersvorsorge kennst du nun bereits. Für welche Kombination du dich letztendlich entscheidest, hängt von mehreren Faktoren ab: Bist du Angestellter oder selbstständig? Bevorzugst du staatliche Förderung oder willst du die Angelegenheit doch lieber in die eigenen Hände nehmen? Wie viel Zeit bleibt dir bis zur Rente? Diese Fragestellungen haben Einfluss darauf, wie viel Geld dir in der Rente zur Verfügung steht. Um dich langsam heranzutasten, ist es zu empfehlen, dich erst einmal mit dem einfachsten Weg zu befassen: der gesetzlichen Basisabsicherung – damit der ersten Säule.

Erste Säule – Basisvorsorge


Gesetzliche Rentenversicherung:

Diese gilt für die meisten Angestellten, aber auch für einige Selbstständige, die als besonders schutzbedürftig gelten: Etwa Handwerksberufe, Fahrlehrer, Fitnesstrainer, Hebammen oder Physiotherapeuten. Selbstständige, die nicht in diese Kategorie fallen, können aber auch freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Bei der Deutschen Rentenversicherung findest du eine vollständige Liste derer, die Anspruch auf die gesetzliche Rentenversicherung haben. Die Einzahlungsbeträge kannst du von deiner Steuer absetzen. Aber Vorsicht: Das heißt nicht, dass du gar keine Steuern zahlst, sobald du in Rente gehst, musst du deine Rente versteuern. Diese Regelung ist aber dennoch von Vorteil, da du im Rentenalter üblicherweise abführen musst als während deines Berufslebens.

Wie viel du letztendlich an Rente bekommst, kannst und solltest du bereits im Voraus prüfen. Du möchtest ja schließlich keine bösen Überraschungen beim Renteneintritt erleben, denn dann ist es für andere Maßnahmen bereits zu spät. Die Faustformel für die Berechnung der gesetzlichen Bruttorente lautet:

(gesammelte Rentenpunkte) x (aktueller Rentenwert)

Abzüglich Kosten für beispielsweise Kranken- und Pflegeversicherung.


Diese Begrifflichkeiten sind dir sicher neu. Zur Erklärung: Wer im Laufe seines Berufslebens in die Rentenkasse einzahlt, sammelt sogenannte „Rentenpunkte“ (oder Entgeltpunkte). Das kannst du dir wie ein Guthaben auf deinem persönlichen Rentenkonto vorstellen, auf das du immer weiter einzahlst. Je mehr Guthaben du hast, desto höher fällt deine finale Rente aus. Einen Rentenpunkt erhältst du, wenn du über ein Jahr lang das Durchschnittsentgelt deines Bundeslandes verdient hast. Das verändert sich von Jahr zu Jahr, in 2020 belief sich die Summe in den westlichen Bundesländern auf 40.551 Euro und in den östlichen Bundesländern auf 37.898 Euro. Verdienst du beispielsweise das Doppelte, erhältst du auch die doppelte Menge an Rentenpunkten, also zwei. Verdienst du weniger (beispielsweise als Student oder Teilzeitkraft), bekommst du nur einen Bruchteil eines Rentenpunktes.

Dann benötigst du noch den Rentenwert für deine Berechnung. Dieser beträgt in den alten Bundesländern aktuell 34,19 Euro. In den neuen Bundesländern muss der Wert mindestens 97,9 Prozent des Westwertes erreichen. Aktuell beläuft er sich auf 33,47 Euro. Bis zum 1. Juli 2024 soll ein einheitlicher Rentenwert in der gesamten Bundesrepublik existieren. 

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Du lebst in Rheinland-Pfalz und verdienst exakt das Durchschnittsentgelt. Deinen Berechnungen zufolge wirst du genau 40 Jahre bis zur Rente arbeiten müssen. Heißt: Pro Jahr sammelst du einen Rentenpunkt und das über 40 Jahre ergibt 40 Rentenpunkte. Da du in einem alten Bundesland lebst, beläuft sich dein aktueller Rentenwert auf 34,19 Euro. Daraus ergibt sich folgende Rechnung: 40 x 34,19 Euro = 1367,60 Euro. Deine Bruttorente beträgt also 1367,60 Euro. Aber Vorsicht, davon musst du noch Kosten wie beispielsweise die Krankenversicherung abziehen.

Gesetzliche Pension:

Personen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, müssen nicht selbst in die Rentenkasse einzahlen. Das übernimmt stattdessen der Bund oder die Länder. Diese Altersbezüge fallen in der Regel höher aus als die Erträge aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Anspruch auf Pension haben beispielsweise Beamte, Richter, Berufssoldaten oder Pfarrer. Nichtsdestotrotz ist es auch in dieser Kategorie zu empfehlen, zusätzlich privat vorzusorgen.

Berufsständische Versorgungswerke:

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung bestehen die sogenannten „berufsständischen Versorgungswerke“. In diese Kategorie fallen Freiberufler, die in sogenannten „Kammerberufen“ arbeiten. Dazu zählen beispielsweise Ärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Unterschied zur gesetzlichen Rentenversicherung: Die Versorgungswerke legen die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an. Jeder Versicherte zahlt dabei für seine eigene Rente ein. Die Beiträge können von der Steuer abgesetzt werden, doch wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung sind die Einnahmen dann im Alter zu versteuern. Auch Freiberufler sollten sich auf ein sinkendes Rentenniveau im Alter einstellen, denn die anhaltend niedrigen Zinsen drücken auf die Erträge.

Rürup-Rente:

Diese Rente nehmen üblicherweise Selbstständige in Anspruch, die weder über eine gesetzliche Rentenversicherung verfügen noch in einem Versorgungswerk Mitglied sind. Grundsätzlich kann aber jeder eine Rürup-Rente in Anspruch nehmen. Dabei schließt du einen Vertrag mit einer Versicherung. Üblich sind klassische oder fondsgebundene Rentenversicherungen. Die Beitragszahlungen kannst du wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung bis zu einem Höchstsatz als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer absetzen. Die Steuer fällt schließlich erst auf deine spätere Rente an. Genauere Infos zur Rürup-Rente findest du hier.

Zweite Säule – geförderte Vorsorge

Betriebliche Altersvorsorge:

Wer sich nicht nur auf den Staat verlassen möchte, kann zusätzliche Angebote in Anspruch nehmen. Eines davon ist die betriebliche Altersvorsorge. Bei dieser Kategorie kommt dein Arbeitgeber ins Spiel. Dieser zahlt einen Rentenbeitrag für dich direkt aus deinem unversteuerten Bruttogehalt in einen von ihm gewählten Vorsorgevertrag ein, beispielsweise in eine Versicherungsgesellschaft. Der Vorteil: Du musst auf deine Beiträge keine Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Häufig zahlt dein Arbeitgeber auch einen kleinen Zuschuss, wie hoch dieser ausfällt, ist jedoch von deinem Arbeitgeber abhängig. Aber auch hier ist zu beachten: Nicht jedes Unternehmen bietet seinen Arbeitnehmern diese Möglichkeit an. Du möchtest noch mehr über die betriebliche Altersvorsorge erfahren? Dann lies hier weiter.

Riester-Verträge:

Im Gegensatz zur betrieblichen Altersvorsorge profitierst du bei Riester-Verträgen nicht von einem Zuschuss deines Vorgesetzten, sondern vom Staat. Pro Jahr besteht eine Grundzulage und eventuell eine Kinderzulage. Zusätzlich zahlst du weniger Steuern, da dein Gehalt durch die regelmäßigen Beitragszahlungen geschmälert wird. Dabei ist Riester jedoch nicht gleich Riester – es gibt zahlreiche unterschiedliche Vertragsvarianten. Mehr dazu erfährst du hier.

Dritte Säule – ungeförderte Vorsorge

Private Lebens- oder Rentenversicherung:

Wie der Name schon sagt, erhältst du bei der dritten Säule keine Förderung mehr – weder vom Staat, noch von deinem Arbeitgeber. Bei einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung zahlst du einen Beitrag aus deinem Nettogehalt. Heißt: Du hast bereits Steuern auf diese Beiträge abgeführt und musst als Gegenleistung während der Ansparphase keine Steuern auf Zinserträge oder Dividenden (bei fondsgebundenen Versicherungen) zahlen. Während der Rente fallen dann aber wieder Steuern an, diese sind aber meist relativ niedrig. Diese Art der Altersvorsorge wird immer weniger nachgefragt, da die Verträge aufgrund der extrem niedrigen Zinsen kaum Gewinn abwerfen.

Fondssparplan:

Wie kümmere ich mich um meine Rente? Um den niedrigen Zinsen zu entkommen, gibt es einen Ausweg, der jedoch auch etwas Mut verlangt: die Börse. Dabei ist es nicht notwendig in risikoreiche Einzelaktien zu investieren. Stattdessen bieten sich diversifizierte ETFs (börsengehandelte Indexfonds) an, wodurch du an einem ganzen Sektor oder an einem Trend teilhaben kannst. Über einen Sparplan kannst du monatlich automatisiert einen Betrag von deinem Konto in dein Depot abführen. Danach musst du nichts weiter tun, als deinem Geld beim Wachsen zusehen. Diese Art des Anlegens ist an keinen Vertrag geknüpft, stattdessen kannst du dein Geld jederzeit wieder aus dem Depot herausnehmen. Dabei musst du deine Erträge aber über die Abgeltungssteuer versteuern – und das, obwohl du die Beiträge aus deinem bereits versteuerten Nettoeinkommen gezahlt hast. Das Risiko besteht zudem darin, dass der Markt schwankt, und du mit etwaigen Verlusten rechnen musst. Nichtsdestotrotz gilt diese Variante aktuell in dem Niedrigzinsumfeld als die gewinnbringendste Möglichkeit der Altersvorsorge.

Wie kümmere ich mich um meine Rente? Der frühe Vogel fängt den Wurm

Auch wenn du noch viele Jahre bis zur Rente vor dir hast, ist es äußerst wichtig, dich früh darum zu kümmern. Die Gesellschaft in Deutschland wird immer älter, weshalb die Einzahler zunehmend weniger, die Rentenbezieher aber immer mehr werden. Die Folge: Das Rentenniveau sinkt. Zwar besteht auch weiterhin ein Mindest-Rentenniveau, was aber für viele nicht mehr ihrem eigentlichen Lebensstandard entsprechen dürfte. Zusätzlich vorzusorgen ist also dringend zu empfehlen. Am flexibelsten sparst du mithilfe eines ETF-Sparplans. Dabei verzichtest du aber natürlich auf steuerliche Vorteile. Alle Optionen haben daher ihre Vor- und Nachteile. Du solltest daher abwägen, womit du dich am besten fühlst und welches Ziel du langfristig erreichen möchtest. Aber zögere nicht zu lange – jede Einzahlung zählt. Wir haben also die Frage: Wie kümmere ich mich um meine Rente? hiermit erstmal geklärt.

Fotoquelle: Photo by Claudio Schwarz on Unsplash

Autorin: Verena Sepp

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