Weltweit gibt es über 10.000 Aktien. Wer die richtigen kauft, kann einen höheren Gewinn erzielen als mit Fonds und ETFs. Um die besten Aktien zu finden, braucht es gute Vorbereitung, klare Bewertungskriterien und eine effektive Strategie.

Die besten Aktien finden – geht das überhaupt?

Vielleicht hast du die Namen Warren Buffett, George Soros oder Peter Lynch schon mal gehört. Die drei gehören zu den erfolgreichsten Investoren der Welt und sind dank geschickter Aktienauswahl extrem reich geworden. Mit ihren Investments haben sie bessere Gewinne erwirtschaftet als der Gesamtmarkt. Das steht im Gegensatz zur Hypothese effizienter Märkte: Diese These geht davon aus, dass Finanzmärkte effizient sind. Fondsmanager, große Investoren, Banken und Privatanleger handeln sekündlich. Alle verfügbaren Informationen schlagen sich sofort im Aktienkurs nieder. Kein Aktionär soll durch Analyse oder Insiderwissen einen Vorteil gegenüber anderen erzielen können. Langfristig besser als der Markt zu sein, wäre demnach nicht möglich. Aber wie Warren Buffett und Co. gezeigt haben, ist es sehr wohl möglich, dass einzelne Aktionäre klüger sein können als die breite Masse. So versuchen Anleger die besten Einzelaktien mit viel Zukunftspotenzial herauszupicken. Kleingeldhelden erklärt in fünf Schritten, wie´s funktioniert:

Step 1 – Vorüberlegungen zum Aktienfinden

Keine Sorge, du musst nicht alle 10.000 Aktien auf Herz und Nieren überprüfen. Für die erste Auswahl genügen ein paar Vorüberlegungen: Welche Produkte nutzt du? Für welche davon gibst du gerne Geld aus? Welche Unternehmen begegnen dir im Alltag? Das kann eine erste Anlaufstelle sein. Für weitere Inspiration lies dich in wirtschaftliche Themen ein. Es muss nicht gleich schwere Börsenliteratur sein, sondern einfache Wirtschafts- und Börsenmedien, sowie aktuellen Nachrichten reichen aus. Am Ende deiner Recherche dürften dir ein paar gut laufende Bereiche und vielversprechende Aktien-Unternehmen ins Auge gefallen sein, auf die du dich im nächsten Schritt fokussieren kannst.

Step 2 – Analysiere die Aktienauswahl

Aktien unterliegen einer ständigen Bewertung. Aus den Kauf- und Verkaufsaufträgen aller Anleger ergibt sich der Aktienkurs. Um nach dem Kauf viel Gewinn machen zu können, brauchst du Aktien, die auch in Zukunft steigen. Das versprechen Aktien, die aktuell günstiger als ihr tatsächlicher Wert gehandelt werden. Um solche Investments zu finden, muss das Unternehmen und der Markt analysiert werden. Dafür gibt es zwei Herangehensweisen:  

1. Chart-/ Technische Analyse

Hierbei wird der Fokus ausschließlich auf den optischen Verlauf des Aktienkurses gelegt. Für die Interpretation werden technische Indikatoren basierend auf historischen Daten, bestimmte Kursmuster, Unterstützungs- und Widerstandslinien herangezogen. Das gibt Hinweise darauf, ob eine Aktie gerade mehr gekauft oder verkauft wird, was einen möglichen Wechsel des Aktienkurses vorhersagen kann. Es wird jedoch bezweifelt, dass allein der Kursverlauf alle relevanten Informationen für die zukünftige Entwicklung einer Aktie beinhaltet. Daher empfiehlt sich alternativ oder ergänzend die Fundamentale Aktienanalyse.

2. Fundamentale Analyse

Nun schaust du auf die Zahlen und versuchst das Unternehmen, in das du investieren möchtest, zu verstehen. Äußere Aspekte, wie der Aktienkurs und der Aktienchart sind dabei nebensächlich. Es geht darum den fairen Wert einer Aktie festzustellen und diesen mit dem aktuellen Kurs abzugleichen. Dafür sind die Zahlen und Fakten eines Unternehmens relevant.

a. Geschäftszahlen (Quantitative Faktoren)

Die relevanten Zahlen findest du in den Jahres- und Quartalsberichten. Die sind auf den Unternehmen-Websites im “Investor Relations” Bereich zu finden. Die wichtigsten Kennzahlen sind meist auch auf allgemeinen Finanz-Websites übersichtlich aufbereitet. Folgende Kennzahlen solltest du dir bei der Aktienanalyse anschauen:

  • Umsatz und Marktkapitalisierung (auch Börsenwert genannt): Wie groß ist das Unternehmen? Kann der Konzern die Verkäufe steigern oder geht der Absatz zurück?
  • Gewinn und Margenentwicklung: Ist das Unternehmen profitabel und verdient Geld? Hier ist der Nettogewinn, der Cashflow und die Gewinnmarge entscheidend. Wie entwickelt sich das Unternehmen? Schau dir das Umsatz- und Gewinnwachstum sowohl in der Vergangenheit als auch die Prognosen an. Wenn die Marge in Zukunft größer werden soll, ist das positiv.
  • Dividende und Anzahl der Aktien: Werden die Aktionäre am Gewinn beteiligt? Nachhaltig steigende Dividenden sprechen für ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Wie hoch ist die Ausschüttungsquote an die Aktionäre? Wird zu viel Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet, investiert das Unternehmen womöglich zu wenig in die eigene Forschung und Entwicklung. Neben Dividenden können Konzerne ihre Anleger auch über Aktienrückkäufe am Erfolg teilhaben lassen. Kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück, steigert das den Wert der übrigen Aktien. Werden stattdessen neue Aktien ausgeben, um frisches Geld einzusammeln, ist das negativ zu bewerten.
  • Schulden: Steht das Unternehmen finanziell gut da? Wie hoch ist die Verschuldung? Positiv ist es, wenn Konzerne ihre Schulden abbauen.
  • Börsenbewertung: Wie teuer ist das Unternehmen bewertet? Eine wichtige Kennzahl dafür ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dabei wird der Kurs ins Verhältnis zum Gewinn in einem bestimmten Zeitraum gesetzt. Je höher die Börsenbewertung, desto eher ist eine Aktie überbewertet. Die Anleger erwarten dann künftig deutlich höhere Erträge, als aktuell im Geschäft absehbar ist. Bei einem niedrigen KGV könnte eine Aktie unterbewertet und somit ein guter Kauf sein. Allerdings können auch Probleme im Geschäft vorliegen.

Diese Kennzahlen sind nicht vollständig, bilden aber die relevantesten Aspekte eines Aktien-Unternehmens ab. So kannst du besser einschätzen, ob es sich lohnt, die Aktienanalyse weiter zu vertiefen. Um ein besseres Gefühl für die Zahlen und deren Interpretation zu bekommen, hilft ein Blick in die Berichte von professionellen Aktienanalysten.

b. Geschäftsmodell (Qualitative Faktoren)

Die genannten Kennzahlen sind standardisiert. Um aber das individuelle Geschäftsmodell zu verstehen, lohnt sich ein tiefergehender Blick. Hier ist erneut der “Investor Relations” Bereich des Aktien-Unternehmens relevant. Diese Fragen helfen beim Verstehen des Unternehmens:

  • Geschäftsmodell: Wie ist das Modell grundlegend aufgebaut? Ist es kapitalintensiv? Wie viel verdient das Unternehmen an einem neuen Kunden? Wie wird der Erfolg des Unternehmens in der Branche gemessen? Facebook wird beispielsweise nach dem Umsatz je Nutzer und der Zahl der aktiven Nutzer bewertet.
  • Unternehmensstruktur: Welche Teilbereiche hat das Unternehmen und wie groß ist deren Umsatzanteil? Alphabet weist zum Beispiel die Segmente Google Suche, YouTube und der Google Cloud einzeln aus.
  • Wettbewerbsumfeld: Wie ist der Markt aufgebaut und entwickelt, in dem das Unternehmen unterwegs ist? Wer sind die Konkurrenten?
  • Spezielle Alleinstellungsmerkmale: Hat das Unternehmen eine starke Marke, Patente und Know-How, eine Monopolstellung oder hohe Netzwerkeffekte? Gibt es wiederkehrende Erlöse?
  • Wachstumspotenzial: Wie sieht das Unternehmen in Zukunft aus? Schau dir dabei auch die politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Trends an.

Wie du siehst, sind die Geschäftsmodelle in der Regel sehr unterschiedlich. Aber durch die Analyse kannst du die Chancen und Risiken eines Unternehmens besser einschätzen.

Step 3 – Strategien zum Strukturieren

Jetzt weißt du, wo du Aktien findest und anhand welcher Kriterien sie zu analysieren sind. Für den richtigen Erfolg beim Aktienhandel braucht es aber noch eine systematische Anlagestrategie. Im Wesentlichen gibt es drei Aktien-Strategien:

1. Value Investing
Auf das wertorierntierte Anlegen setzt Profi-Investor Warren Buffett. Dabei werden Aktien nicht als kurzzeitiges Spekulationsobjekt gesehen, sondern als Anteile an einem Unternehmen, an dem man langfristig teilhaben möchte. Value-Investoren setzen auf unterbewertete Unternehmen mit Qualitäten. Die Aktien werden zu einem günstigen Preis gekauft, sodass langfristig an der Kurssteigerung der Aktien verdient wird. Fundamentale Kennzahlen beim Value Investing sind zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

2. Growth Investing
Bei dem wachstumsorientierten Anlegen suchen Investoren nach Unternehmen mit einem besonders großen Wachstumspotenzial. Also nach höheren Wachstumsraten als der Markt oder die entsprechende Branche hat. Häufig handelt es sich dabei um junge Konzerne mit neuen Geschäftsmodellen. Die erwirtschaften noch keinen Gewinn, sondern investieren das ganze Kapital in ihr Wachstum. Die wichtigste Kennzahl zum Finden solcher Aktien ist das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG). Errechnet wird das PEG aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie geteilt durch den erwarteten Unternehmensgewinn in den kommenden Jahren. Auch auf den Gewinn je Aktie (EPS) schauen die Investoren.

3. Dividendenstrategie
Diese konzentriert sich auf Aktien von Unternehmen, die stetig und steigende Dividenden zahlen. Zudem ist eine hohe Dividendenrendite entscheidend. Die wird errechnet, in dem die Dividende pro Aktie durch den Preis pro Aktie geteilt wird.

Step 4 – Die besten Aktien: Grundregeln beim Investieren

Obwohl du nach deiner Recherche, Analyse und Umsetzungsstrategie nun die womöglich besten Aktien gefunden hast, musst du als Anleger weiterhin die wichtigsten Regeln beim Kauf von Einzelaktien beachten:

  • Sei dir über die Risiken bewusst: Trotz aller Überlegungen kannst du Geld an der Börse verlieren. Es sollte daher nur so viel Geld investiert werden, wie du bei einem Totalverlust verkraften kannst. Das Aktien in der Vergangenheit Erfolg hatten, ist zudem nie eine Garantie für die Zukunft.
  • Denke langfristig: Erfolg an der Börse heißt nicht Aktien hektisch zu kaufen und zu verkaufen. Du solltest gezielt Unternehmen auswählen, von deren langfristigem Erfolg du überzeugt bist.
  • Einzelaktien sind nichts für unerfahrene Anleger: Sei dafür bereit, dich intensiv mit dem Aktienhandel und den Unternehmen auseinanderzusetzen. Um vorab ein Gefühl dafür zu entwickeln, kannst du mit simulierten Depots (ohne echtes Geld) üben.
  • Setze nicht alles auf eine Aktie oder eine Branche: Das erhöht sonst das Risiko eines Totalverlustes. Streue dein eingesetztes Kapital möglichst auf mehrere Unternehmen in verschiedenen Branchen.

Step 5 – Checkliste zum Finden der besten Aktien

  • Auf die richtigen Aktien aufmerksam werden (Alltag, Nachrichten, Literatur)
  • Verschaffe dir einen Überblick mittels Analyse
  • Interpretiere Kennzahlen und verstehe des Geschäftsmodell
  • Nutze Strategien, um die Auswahl zu konkretisieren und zu strukturieren
  • Glückwunsch, du hast die besten Aktien gefunden

Viel Erfolg beim Investieren!

Fotoquelle: Photo by Jenna Day on Unsplash

Autorin: Lioba Schulz

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