Auch wenn die Rente für uns junge Leute noch eine gefühlte Ewigkeit hin ist: Man kann gar nicht früh genug anfangen, fürs Alter vorzusorgen. Die typischen Renten-Fehler und wie man sie umgeht.

Die aktuelle Diskussion ums Renteneintrittsalter (erst mit 68, wie von den Experten des Wirtschaftsministeriums gefordert? Vielleicht doch mit 70 oder mehr für die heutige Generation, wenn wir keine Reform des Rentensystems hinbekommen?) zeigt: Es ist vermutlich noch länger hin als gedacht, bis wir in Rente gehen – aber auch, dass die Rente nicht so sicher ist, wie uns immer versprochen wurde. Wer nicht privat vorsorgt, hat das Nachsehen. Und auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung lauern Fallstricke. Was also kannst du persönlich tun, um böse Überraschungen im Alter zu vermeiden? Wir haben uns von unseren Kollegen von Guter Rat inspirieren lassen und eine Sammlung an klassischen Renten-Fehlern und hilfreichen Tipps zusammengestellt.

Die größten Renten-Fehler

45 Beitragsjahre = sofort ohne Abschlag in Rente gehen? Leider nicht. Aktuell kann nur nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wer (ab Jahrgang 1964) auch 65 Jahre alt ist. Wer vor dem regulären Renteneintrittsalter in Rente gehen will, muss mit einem Abschlag von 3,6 Prozent pro früherem Rentenjahr auf die Rente leben. Und außerdem sammelt man so weniger Rentenansprüche, weil man ja nicht die volle Zeit lang einzahlt. Deshalb sollte man, wenn es irgendwie geht, bis zum regulären Renteneintrittsalter durchhalten, eventuell auch in Teilzeit.

Mit dem Abschlag muss ich dann halt leben? Nicht notwendigerweise. Wer will und mindestens 50 Jahre alt ist, kann Rentenminderungen mit einer freiwilligen Zuzahlung ausgleichen. Für 200 Euro Rente jeden Monat für den Rest des Lebens werden etwa 53.000 Euro fällig.

Die Betriebsrente lohnt sich immer? Nur, wenn der Arbeitgeber genug dazugibt. Denn die Beiträge gehen vom zu versteuernden Bruttoeinkommen ab, man zahlt also auch weniger Rentenbeiträge und sammelt so weniger Rentenpunkte – dem Plus bei der Betriebsrente steht also ein Minus bei der gesetzlichen Rente gegenüber. Außerdem muss die Betriebsrente im Alter voll versteuert werden. Wenn der Arbeitgeber die Betriebsrente alleine bezahlt, solltest du allerdings nicht lange rechnen, sondern sofort zuschlagen.

Riester lohnt sich nicht? Das muss nicht sein. Die Riester-Rente bietet Zulagen und Steuervorteile, die sich durchaus lohnen können. Mehr haben die Kleingeldhelden hier zusammengetragen. Die Riester-Rente muss ebenfalls im Alter voll versteuert werden, aber weil das Einkommen da meistens geringer ist als im Berufsleben, ist dann auch der Steuersatz niedriger. Außerdem werden kleine Riester- und Betriebsrenten nicht auf die Grundsicherung angerechnet, deshalb können sie gerade für Menschen mit kleiner Rente sinnvoll sein. Für Selbständige und Freiberufler:innen gibt es die Rürup-Rente. Wann diese sich lohnt, siehst du hier.

Riester vorzeitig kündigen? Besser nicht. Denn dann muss man alle Steuervorteile und Zulagen, die man bisher erhalten hat, zurückzahlen. Stattdessen sollte man seinen Vertrag beitragsfrei stellen.

Die klassischen Denkfehler bei der Rente

Um meine Rente kümmere ich mich später? Das ist einer der Renten-Fehler Klassiker nicht besonders klug, lebt die Altersvorsorge doch davon, mit kleinen, tragbaren Beiträgen über eine längere Zeit aufgebaut zu werden. Ansonsten muss man kurz vor knapp große Beträge für seine Altersvorsorge aufbringen. Allerdings sollte man sich auch nicht auf einen unflexiblen Vertrag der privaten Altersvorsorge einlassen, wenn man sein Einkommen der nächsten Jahre noch nicht abschätzen kann.

Berufsunfähigkeitsversicherung brauche ich nicht? Es kann leider immer etwas passieren, und dann ist es gut, neben der gesetzlichen Rentenversicherung ein zweites Standbein zu haben. Es ist definitiv eine Überlegung wert, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.

Zinsen unterschätzt? Sollte man noch Schulden zurückzahlen müssen, ist es klug, das zu tun, bevor man einen Sparvertrag abschließt. Denn die Kreditzinsen sind in den allermeisten Fällen deutlich höher als die Zinsen aufs Angesparte.

Kosten unterschätzt? „Wenige Prozent“ an Kosten für die private Rentenversicherung oder den Fondssparplan oder Ähnliches machen bei der späteren Rente einen großen Unterschied. Deshalb ist ein Konditionenvergleich sehr wichtig.

Vermögen überschätzt? Wer einen großen Betrag angespart oder geerbt hat, denkt vielleicht, dass das als Altersvorsorge genügt. Doch man sollte durchrechnen, wie viele Jahre man wie viel Geld davon entnehmen kann – Achtung: Die Lebenserwartung steigt; 1995 geborene Frauen haben eine Lebenserwartung von fast 84 Jahren. So lange sollte das Geld schon noch reichen, ansonsten sollte man sich nach zusätzlichen Vorsorgemöglichkeiten umsehen.

Die gesetzliche Rente muss nicht versteuert werden? Doch, muss sie! Je später der Rentenbeginn, desto mehr muss versteuert werden. Menschen, die 2040 und später in Rente gehen, müssen auf die gesamte Rente Steuern zahlen.

Weitere Renten-Fehler, auf die man achten sollte

Ich bekomme 48 Prozent meines letzten Gehalts? Nein. Das Rentenniveau bezeichnet das Verhältnis der Rente einer Person, die 45 Jahre lang genau durchschnittlich verdient hat, zum durchschnittlichen Einkommen eine:r Arbeitnehmer:in. Und das Rentenniveau soll bis 2030 auf 43 Prozent absinken, was danach geschieht, steht in den Sternen. Bei der Einschätzung der Rente hilft die Renteninformation: Nach fünf Jahren Beitragszahlung schickt die Deutsche Rentenversicherung die Renteninformation jedes Jahr. Darin steht unter anderem, welche Rentenansprüche man bisher gesammelt hat und welche Rente sich ergibt, wenn alles bleibt, wie es ist. Eine genauere Erklärung findest du hier.

Die Rente kommt von allein? Auch wenn die meisten Leser:innen vermutlich noch einige Jahrzehnte bis zur Rente haben, ist gut zu wissen: Rente gibt’s nur auf Antrag! Mindestens drei Monate vor Rentenbeginn sollte dieser gestellt werden.

Die Rente steigt automatisch jedes Jahr? Nicht unbedingt und nicht jedes Jahr, denn sie ist an die Entwicklung der Löhne geknüpft. Man kann also nicht auf einen Rentenanstieg jedes Jahr bauen.

Wer die eigene Wohnung oder gar das eigene Haus als Altersvorsorge ansieht, kann vor dem Alter sanieren und dafür Fördermöglichkeiten der KfW abgreifen. Aber dabei nicht vergessen: Auch wenn dann keine Miete gezahlt werden muss – von irgendetwas muss man im Alter auch leben!

Wer der gesetzlichen Rente nicht vertraut, aber eine höhere Rendite auf dem Aktienmarkt erwartet als bei der betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, kann das (nach einer ehrlichen Einschätzung der eigenen Risikobereitschaft – keine Anlage ohne Risiko!) am einfachsten und unkompliziertesten mit breit gestreuten ETFs tun. Die wichtigsten Grundregeln zum Investieren mit ETFs haben die Kleingeldhelden hier zusammengestellt. Du siehst: Es gibt zahlreiche Renten-Fehler. Doch wer sie geschickt umgeht, kann sehr viel für sich und für seine Finanzen dabei herausholen.

Autorin: Anna Lena Lipka

Fotoquelle: Photo by bantersnaps on Unsplash

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