Immer mehr Unternehmen strömen an die Börse. Vor allem neue und aufstrebende Tech-Unternehmen sind dabei. Das bietet Anlegern Chancen, aber auch Risiken. Wir zeigen, wie man richtig in einen Börsengang investieren kann und worauf man dabei unbedingt achten sollte.

Viele neue Börsengänge

Vor einigen Wochen haben wir eine Übersicht über die größten Börsengänge (IPOs) 2021 erstellt. Erst kürzlich sorgte das fulminante Börsendebüt der Krypto-Handelsplattform Coinbase für Aufmerksamkeit, die über ein Direktlisting an der Börse startete. Das heißt, es wurden keine neuen Aktien ausgegeben, sondern bestehende Unternehmensanteile, die noch einen Besitzer brauchten. Das macht den Börsengang schnell und unkompliziert. Zu einem Wert von 250 Dollar je Aktie wurde das Coinbase-Papier emittiert, also auf den Handelsplatz gebracht. Am Ende des ersten Handelstages stand die Aktie bereits bei knapp 330 Dollar. Das entspricht einer Wertsteigerung von 32 Prozent innerhalb weniger Stunden. Inzwischen hat sich der Kurs bei rund 305 Dollar eingependelt. Nicht schlecht, aber Anleger mussten schnell sein, um die kurzfristigen, hohen Gewinne des Krypto-Händlers abzusahnen. Aber wie genau investiert man eigentlich in einen Börsengang?

In wenigen Schritten zum Aktionär – In einen Börsengang investieren

Eine Aktie zu kaufen, ist im Normalfall kein Hexenwerk. Hat man ein Depot, lassen sich die Wertpapiere über allerlei Händler kaufen. Smartphone-Broker werben damit, dich innerhalb weniger Sekunden zum Aktionär zu machen, um nach nur drei Klicks von den Kursgewinnen zahlreicher Unternehmen zu profitieren. Doch nicht nur die berühmten Papiere wie von Amazon, Apple und Tesla stehen bei Anlegern im Vordergrund, auch kleinere oder unbekanntere Unternehmen können interessant sein. Vor allem, wenn deren Börsengang noch bevorsteht. Ein Unternehmen, das großes Wachstumspotenzial hat, kommt bei Investoren schon ab dem Debüt an der Börse gut an.

Wenn du dich schon länger mit dem Aktienmarkt auseinandersetzt, hast du den Börsenstart eines Unternehmens sicher schon einmal verfolgt. Und vielleicht hast du auch schon mal versucht, unmittelbar nach dem Start zu investieren und musstest dann feststellen, dass du die Aktie gar nicht zum Emissionspreis kaufen konntest. Das kann passieren! So einfach wie bei einem alltäglichen Aktienkauf ist es bei dem IPO-Investment nämlich nicht.

So klappt die Investition in einen Börsengang

Vor dem eigentlich Börsenstart eines Unternehmens gibt es die sogenannte Zeichnungsphase (auch bekannt als Bookbuilding-Phase). Denn in dieser Phase können Anleger ihrer Bank verbindlich mitteilen, wie viele Aktien sie zu welchem Limitpreis kaufen möchten. Nach meist nur wenigen Tagen endet diese Phase und der Emissionspreis, also der Aktienwert zum Zeitpunkt des IPOs, steht fest. Daran lässt sich messen, ob die Aktie über- oder unterzeichnet ist. Ist sie überzeichnet. War die Nachfrage größer als das Angebot und alle herausgegebenen Aktien sind vergriffen. Ist sie unterzeichnet, ist das Gegenteil der Fall: Das Papier war nicht so beliebt wie vorher vielleicht vermutet.

Das Problem für Kleinanleger: Investmentbanker und institutionelle Anleger haben oft Vorrang, sodass es schwierig ist, schon vor beliebten IPOs zu investieren. Erhält man doch das gewünschte Papier, ist es oft Glückssache, wie viele Anteile man bekommt. Bessere Chancen haben Kunden sogenannter Konsortialbanken. Das sind Banken, die direkt am IPO des jeweiligen Konzerns beteiligt sind. Entscheidend ist, schon eine längere Zeit vor dem Börsengang-Investment zu prüfen, ob die eigene Bank eine Möglichkeit zum Zeichnen der Aktie bietet. Das ist nämlich nicht bei allen Brokern möglich und bedarf manchmal einer zusätzlichen Zustimmung des Anlegers.

Vereinfachen könnte diesen Vorgang bald die Trading-App Robinhood, die vor einigen Wochen wegen des rasanten Kursanstiegs der GameStop-Aktie in den Schlagzeilen war. Der Broker möchte seinen Kunden künftig anbieten, schnell und einfach vor Börsenstarts zu investieren. Experten sind allerdings noch skeptisch – und es gibt einige rechtliche Angelegenheiten zu klären, die das Vorhaben momentan noch in den Kinderschuhen stecken lassen. Doch eventuell könnte die App es vereinfach in einen Börsengang investieren zu können.

Lohnt sich das Pre-IPO-Investment?

Klar, in den Medien präsente Börsengänge und regelrechte Hypes vor den IPOs großer Tech-Firmen machen eine sogenannte Pre-IPO-Anlage interessant und aufregend. Aber springt überhaupt etwas Ordentliches dabei raus? Oder ist das Zeichnen von Aktien nur ein zusätzlicher Aufwand, der dem Depot am Ende gar nicht viel nützt? Fest steht, dass sich ein Investment vor dem eigentlichen Börsenstart nicht generell lohnt.

Einige Unternehmen streichen gleich am ersten Tag monumentale Kurssprünge ein, die Kurse anderer Konzerne stagnieren erstmal oder sinken sogar leicht. Oft haben junge Unternehmen Schulden oder hohe Investitionsausgaben, die die Kurse weiter nach unten drücken können. Hinzu kommt, dass neu gelistete Aktien in den ersten Tagen häufig starken Kursschwankungen unterworfen sind, was vor allem unerfahrene Anleger verunsichern kann. Das Risiko, sein Geld zu verlieren, steigt – vor allem durch die sogenannte Lock-up-Periode. Diese macht es einem Investor, der vor dem IPO eingestiegen ist, unmöglich, das Papier in einem bestimmten Zeitraum direkt nach dem Börsengang wieder zu verkaufen – es gibt also eine gewisse Haltefrist.

Entspannt in einen Börsengang investieren

Für Börsen-Nerds und Experten können Pre-IPO-Investments spannend und lukrativ sein. Oft fällt die Rendite aber eher mager aus und steht nicht im Verhältnis zum Aufwand, den man erbringen muss, um an die frischen Aktien zu kommen. Wer stressfreier anlegen möchte, kann beim Kauf einer Einzelaktie unmittelbar nach dem Börsendebut einen Limitpreis festlegen, zu dem er die Aktie maximal kaufen möchte. So lassen sich die Kursschwankungen in den ersten Stunden nach dem IPO vielleicht sogar ausnutzen. Wenn es gut läuft, steigt man günstiger ein als die Aktienzeichner. Noch entspannter haben es langfristige Anleger: Wer einen Anlagehorizont von zehn, 15 oder sogar 30 Jahren vor sich hat, braucht sich über den Einstiegszeitpunkt keine Gedanken zu machen. Hier verspricht die Dauer, für die der Anleger seine Aktien hält, mehr als solide Renditen. So kann man bei einem guten Unternehmen auf jeden Fall in einen Börsengang investieren.

Fotoquelle: Photo by Patrick Weissenberger on Unsplash

Autor: Tim Holzapfel

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