Filme gibt es viele. Filme über Wirtschaft und Finanzen auch. Doch Finanzfilm ist nicht gleich Finanzfilm. Was haben „The Wolf of Wallstreet“, „Rettet den Kapitalismus“ und „Dirty Money“ gemeinsam? Genau, gar nicht so viel. Ein Spielfilm, ein Dokumentarfilm und eine True-Crime Serie, die alle ganz unterschiedliche Aspekte aus der Wirtschaft beleuchten. Die Kleingeldhelden haben für Euch die 20 populärsten Videoformate herausgesucht, welche die Themen Wallstreet & Börsenspekulation, Arbeit & Beruf, die Weltwirtschaftskrise ab 2007 sowie Großkonzerne genauer beleuchten. Außerdem erfahrt ihr, wie gut die jeweiligen Titel das Publikum und die Filmkritiker überzeugen konnten.

Hinweis: Das IMDb-Rating (0-10) setzt sich aus den Bewertungen aller Zuschauer zusammen, die den Film auf der Internet Movie Database bewertet haben. Dem entgegen steht die Angabe von Rotten Tomatoes (0-100 Prozent), die anzeigt, wie viel Prozent der offiziellen Filmkritiken ein positives Urteil fällten. (Stand 20.05.2021).

Themenblock I – Die Weltwirtschaftskrise ab 2007

Die Finanzkrise von 2007 war maßgeblich durch das Platzen einer Immobilienblase beeinflusst. Sie war deshalb von so großer Tragweite, weil sich ihre Auswirkungen nicht nur auf den Finanzmarkt beschränkten, sondern sich auf der ganzen Welt auf die Realwirtschaft übertrugen, wo sie die Große Rezession auslösten. Entstehung, Verlauf und bis heute spürbare Auswirkungen der Krise wurden mehrfach filmisch aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufbereitet.

  • Too Big To Fail. (2011), Drama, IMDb-Rating: 7,3; Rotten Tomatoes: 77 Prozent

Der Film basiert auf dem 2009 veröffentlichten Buch Too Big to Fail: The Inside Story of How Wall Street and Washington Fought to Save the Financial System – and Themselves und erzählt den Verlauf der Krise anhand verschiedener Schlüsselfiguren aus der Finanzbranche, die die Gefahr erkennen und das Schlimmste verhindern wollen.

  • Kapitalismus – eine Liebesgeschichte. (2009), Dokumentarfilm/True Crime, IMDb-Rating: 7,4; Rotten Tomatoes: 74 Prozent

Regisseur Michael Moore nimmt insbesondere die Wirtschaftspolitik der USA unter die Lupe, ausgehend vom Ende der Amtszeit George W. Bush zum US-Konjunkturprogramm 2009 unter US-Präsident Barack Obama. Ein kritischer Blick auf die Konzentration von Geld und Macht in einer kleinen, US-amerikanischen Elite.

  • Inside Job. (2010), Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 8,2; Rotten Tomatoes: 98 Prozent

Sprecher Matt Damon verknüpft die Interviews mit Bankern, Politikern und Professoren auf der Suche nach den Ursachen der Finanzkrise. Immer wieder wird besonders die Liberalisierung der Finanzmärkte kritisch hinterfragt. Das Werk unter der Regie von Charles Fergusonerhielt 2011 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

  • The Big Short. (2015), Drama/Biographie/Comedy, IMDb-Rating: 7,8; Rotten Tomatoes: 89 Prozent

Der Buchvorlage The Big Short: Inside the Doomsday Machine folgend wird die wahre Geschichte des Hedgefonds-Managers Steve Eismann (Christian Bale) geschildert, der vorausschauend und als einer der wenigen vor der amerikanischen Immobilienblase in den USA warnte, natürlich recht behielt und noch heute als Investor arbeitet.

  • Der große Crash – Margin Call. (2011), Drama/Thriller, IMDb-Rating: 7,1; Rotten Tomatoes: 87 Prozent

Das Oscar-nominierte Drehbuch erzählt von den wenigen Stunden vor dem Rechenschaftsbericht (Margin Call) einer New Yorker Investmentbank. Die Mitarbeiter, gespielt von Schauspielgrößen wie Kevin Spacey, Paul Bettany oder Stanley Tucci, überlegen derweil, was mit dem Haufen von Schrottpapieren geschehen soll, auf denen die Bank sitzt.

Themenblock II – Die Wall Street

Die Wallstreet im New Yorker Finanzbezirk Manhatten steht sinnbildlich für die US-amerikanische Finanzindustrie. In der 800 Meter langen Straße befinden sich zahlreiche große Kreditinstitute sowie die New York Stock Exchange, die größte Wertpapierbörse der Welt. Häufig wird der Begriff Wallstreet auch mit besonders rücksichtlosen Wertpapierhändlern, Managern oder einer unkontrollierten Finanzbranche im Allgemeinen in Verbindung gebracht. So greift zum Beispiel die Protestbewegung Occupy Wall Street den Straßennamen auf, die 2011 eine stärkere Regulierung des Banken- und Finanzsektors forderte.

  • Wall Street. (1987), Drama, IMDb-Rating: 7,4; Rotten Tomatoes: 79 Prozent

Der Klassiker unter den Hollywood-Filmen zum Thema Wallstreet. Micheal Douglas spielte 1987 den Finanzhai Gordon Gekko so überzeugend, dass die Figur Teil der Popkultur wurde und so sicherlich auch ein Stück weit das schlechte Image von Bankern und Brokern in der Öffentlichkeit beförderte.

  • Wall Street 2 – Geld schläft nicht. (2010), Drama, IMDb-Rating: 6,2; Rotten Tomatoes: 55 Prozent

Nach dem Erfolg des ersten Teils knüpft Regisseur Oliver Stones in diesem Finanzfilm an die Handlung an und erzählt mit Michal Douglas die Geschichte von Gordon Gekko weiter. Dieser trifft auf den jungen Investmentbanker Jake Moore (Shia LaBeouf) und verstrickt sich erneut in zwielichtige Finanzmachenschaften.

  • Billions. (seit 2016), Thriller-Serie mit aktuell fünf Staffeln, IMDb-Rating: 8,4; Rotten Tomatoes: 88 Prozent

Ein Staatsanwalt auf den Spuren der dubiosen Machenschaften eines Hedgefonds-Managers, dem jedes Mittel für die richtige Rendite recht zu sein scheint. Die Serie spielt mit den Grauzonen zwischen Gut und Böse und zeigt die komplexen Verflechtungen von Politik und Finanzwelt.

  • The Wolf of Wallstreet. (2013), Biographie/Drama/Crime, IMDb-Rating: 8,2; Rotten Tomatoes: 79 Prozent

Die Autobiografie des erfolgreichen wie skrupellosen Ex-Brokers Jordan Belfort wurde von Starregisseur Martin Scorsese verfilmt und von Oscar-Preisträger Leonardo diCaprio geradezu meisterhaft umgesetzt. Ein Finanzfilm über pure Exzentrik und Gier an der Börse.

  • Money Monster. (2016), Action/Thriller, IMDb-Rating: 6,5; Rotten Tomatoes: 58 Prozent

Was passiert, wenn die Anlageempfehlung eines einflussreichen Wall-Street-Gurus sich als Flop herausstellen, zeigt dieser Actionthriller von Jodie Foster. Eine Top-Besetzung um George Clooney, Julia Roberts und Jack O’Connell sorgt für hollywood-gewohnte Dramatik.

Themenblock III – Arbeit, Leben und Arbeitsleben

Nicht nur die globalen, makroökonomischen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems stehen in der Kritik, immer wieder wird der Fokus auch auf die Arbeitsbedingungen der Menschen gelegt. Viele Filme nehmen deshalb die Perspektive der Angestellten ein, die jeder nachfühlen kann und vielleicht selbst schon erlebt hat. Arbeiten wir für Geld, oder das Geld für uns? Und was ist, wenn man keine Arbeit findet?

  • American Factory. (2019), Dokumentarfilm. IMDb-Rating: 7,4; Rotten Tomatoes: 96 Prozent

Wenn Investoren aus dem Ausland in die heimische Produktion investieren, ist das immer mit mulmigen Gefühlen verbunden. Doch wenn ein chinesischer Milliardär 2000 Arbeitsplätze in Ohio, USA schafft, ist der Optimismus hoch. Nachvollziehbar zeigt American Factory interkulturelle Konflikte in der Arbeitswelt und erhielt dafür den Oscar als bester Dokumentarfilm.

  • The Company Men – Gewinn ist nicht alles. (2010), Drama, IMDb-Rating: 6,7; Rotten Tomatoes: 67 Prozent

Seinen Job zu verlieren, ist nie gut. Ihn in einer Rezession zu verlieren, noch schlechter. In „The Company Men“ begleiten die Zuschauer Bobby Walker (Ben Affleck), der nach seiner Entlassung die ganze Härte des modernen Arbeitsmarktes zu spüren bekommt.

  • The Game – Das Geschenk seines Lebens. (1997), Thriller, IMDb-Rating: 7,8; Rotten Tomatoes: 75 Prozent

Der berufliche Erfolg des Investmentbankers Nicholas van Orton spiegelt sich leider nicht in dessen Privatleben wider. Stattdessen erhält er zu seinem 48. Geburtstag eine merkwürdige Einladung zu einem Spiel, das anfangs noch wie ein Assessmenttest einer Firma wirkt, schnell aber sein gewohntes Leben bedroht.

  • Die Glücksritter. (1983), Komödie, IMDb-Rating: 7,5; Rotten Tomatoes: 88 Prozent

Zwei Multimillionäre und Eigentümer eines Unternehmens im Warentermingeschäft gehen der Frage nach, ob Erfolg und das Verhalten eines Menschen mit seinen Genen oder seinem Umfeld zu tun hat. Dafür lassen sie den Kleinganoven Billy Ray Valentine mit dem Geschäftsführer ihrer Firma Louis Winthorpe III unfreiwillig die Rollen tauschen.

  • Rettet den Kapitalismus. (2017)Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 6,8; Rotten Tomatoes: 100 Prozent (erst fünf Kritiken)

In seinem Buch Rettet den Kapitalismus! Für alle, nicht für 1% übt der ehemalige US-Arbeitsminister und Jurist Prof. Robert Reich scharfe Kritik am Wirtschaftssystem. Seine Argumente bereitet er in der gleichnamigen Dokumentation auf und setzt den Fokus dabei immer wieder auf die einfachen Angestellten und Arbeiter der amerikanischen Wirtschaft.

Themenblock IV – Unternehmen unter der Lupe

Nicht immer lassen sich krude Finanzgeschäfte auf einzelne Manager oder Wirtschaftsfunktionäre zurückführen. Manchmal verstecken sich die Menschen auch hinter einer juristischen Person in Form einer Firma. Wie einflussreich manche dieser Unternehmen sind und ob deren Macht nicht schon größer als die Macht gewählter Staatsregierungen ist, untersuchen die folgenden Filme.

  • Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt. (2012), Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 7,2; Rotten Tomatoes: keine Kritiken

Ist Goldman Sachs noch eine Bank, oder schon ein Imperium, wenn sie mit 700 Milliarden Euro über doppelt so viel Geld verfügt wie der französische Staatshaushalt? Diese Dokumentation bietet einen schockierenden Einblick in das aggressive Lobbying und die weltweite politische Einflussnahme eines Heers aus 30.000 Bankern.

  • Enron – the smartest guy in the room. (2015), Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 7,6; Rotten Tomatoes: 97 Prozent

Was passiert, wenn sich die Führungsetage und Manager eines Unternehmens für schlauer als alle anderen, inklusive der zuständigen Wirtschaftsprüfer, halten? Diese spannende Dokumentation über den Energiekonzern Enron bietet erschreckende Inneneinsichten in das auch jetzt wieder so prominente Geschäft der Bilanzfälschung.

  • The Corporation. (2003),Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 8,0; Rotten Tomatoes: 89 Prozent

Noch eine Doku, die sich kritisch mit dem wahnhaften Verhalten mancher Unternehmen auseinandersetzt und zu dem Ergebnis kommt, dass so manche juristische Person nach psychologischen Gesichtspunkten als klinischer Psychopath gelte.

  • Der Banker – Master of the Universe. (2013), Dokumentarfilm, IMDb-Rating: 7,2; Rotten Tomatoes: 100 Prozent (erst acht Kritiken)

Rainer Voss, ehemals einer von Deutschlands führenden Investmentbankern, packt in dieser Dokumentation knallhart aus und gibt aus seinem persönlichen Blickwinkel einen tiefen Einblick hinter die Kulissen des Bankenwesen.

  • Dirty Money – Geld regiert die Welt. (seit 2018), Dokumentarserie, IMDb-Rating: 8,1; Rotten Tomatoes: 100 Prozent (erst sechs Kritiken)

Eine originale Netflix Produktion mit großer Beliebtheit. In zurzeit zwei Staffeln werden die Schattenseiten der globalen Wirtschaft gnadenlos aufbereitet und dabei immer wieder die dubiosen Verstrickungen globaler Großkonzerne in den Fokus genommen.

Autor: Julius Boxberger

Fotoquelle: Photo by Jeremy Yap on Unsplash

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