An den Börsenplätzen der Welt sind vier Buchstaben zurzeit in aller Munde: SPAC. Aber was genau steckt hinter dem mysteriösen Hype? Die Kleingeldhelden klären auf.

SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company, übersetzt Akquisitionszweckunternehmen. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Firma, die eigens dafür gegründet wird, um eine andere an die Börse zu bringen. Oft ist auch von einer Firmenhülle oder einer Blankoscheck-Firma die Rede. Das Modell ist derzeit international in den Schlagzeilen, weil der Fahrdienstleister Grab einen spektakulären Börsengang an der Wall Street plant. Der Uber-Konkurrent aus Singapur will dazu mit der eigens gegründeten Firma Altimeter Growth fusionieren. Mit einer Bewertung von 40 Milliarden Dollar wäre der Deal der bisher größte SPAC-Börsengang aller Zeiten.

2020 war das Jahr der SPACS

SPACs sind kein gänzlich neuer Börsentrend. Sie waren schon vor der Finanzkrise 2008/2009 populär, gerieten danach aber etwas in die Versenkung. In den letzten Jahren zog das Geschäft nun wieder deutlich an. 2020 war in gewisser Weise das Jahr der SPACs. 250 Börsengänge im Gesamtwert von fast 80 Milliarden US-Dollar dieser Art gab es im vergangenen Jahr, darunter waren Virgin Galactic, das Versicherungs-Start-Up Lemonade und das Videokonferenz-Unternehmen Agora.

Der Erfolg der SPACs erklärt sich vor allem dadurch, dass das Prozedere für manche Firmen Vorteile beim Börsengang bietet. Bei einem klassischen Börsengang durchlaufen Unternehmen einen zeitaufwändigen Prozess, in dem sie Zahlen und Analysen zu ihrem Geschäftsmodell für potenzielle Investoren und die Börsenaufsicht offenlegen müssen. Sonst gibt es keine Zulassung. Durch einen SPAC-Börsengang wird dieser Prozess deutlich verkürzt und vereinfacht. Schließlich haben diese Zweckunternehmen kein eigenes operatives Geschäft, ihre Bilanzen sind daher überschaubar. Zum Vergleich: Nach Expertenangaben kann ein SPAC schon nach etwa zwei Monaten an die Börse gehen, während das Zulassungsverfahren bei einem klassischen Börsengang in der Regel drei bis sechs Monate dauert.

Der SPAC-Hype wird von Experten skeptisch betrachtet

Kurz gesagt: Weil Unternehmen im Eilverfahren an die Börse und damit an Investorengelder kommen wollen, werden die SPACs beliebter. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, warum das einigen Börsenwächtern ein Dorn im Auge ist. Denn durch das Konstrukt der Firmenhülle wird das Unternehmen für Anleger intransparenter. Wie hoch ist der Kapitalbedarf? Was sind die Schwachstellen des Geschäftsmodells? Wie fiel die Bilanz in den Vorjahren aus? Das SPAC-Modell kann dazu missbraucht werden, diese wichtigen Informationen zu verschleiern oder Anleger sogar gezielt zu täuschen.

Auch deswegen hat die US-Börsenaufsicht bereits eine offizielle Warnung an Investoren herausgegeben. Manche Experten warnen sogar vor einer Blase. Die Finanzjournalistin Antonie Klotz empfiehlt Anlegern bei Unternehmen, die über ein SPAC an die Börse gehen, besonders vorsichtig zu sein. So oder so: Die SPACs werden weiter im Gespräch bleiben.

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