Es ist soweit: Du steigst endlich ins Berufsleben ein und kannst es kaum erwarten, über ein festes Einkommen zu verfügen. Mit der Veränderung deiner finanziellen Situation, kommen jedoch auch Aufgaben auf dich zu, denen du dich frühzeitig stellen solltest. Da du nun mehr Geld zur Verfügung hast, sind plötzlich Themen wie Altersvorsorge oder Eigenheim relevant. Du solltest dir daher Gedanken über eine Anlagestrategie machen – das Horten auf der Bank stellt aktuell keine attraktive Lösung dar. Egal wie groß dein finanzieller Spielraum ist, schon kleine Beträge können sich langfristig zu einem ansehnlichen Vermögen vermehren. Tipps und Tricks fürs Geld anlegen als Berufseinsteiger findest du hier.

Erster Schritt – Überblick verschaffen

Um eine sinnvolle Anlagestrategie entwickeln zu können, ist natürlich dein finanzielles Polster das A und O. Zu Beginn deiner neuen Lebensphase ist es daher empfehlenswert, zunächst mindestens drei Monate zu warten, bis du mit dem Investieren loslegst. Grund hierfür ist zum einen, dass du bis dahin eine klare Vorstellung hast, wieviel Geld am Ende des Monats letztendlich von deinem Nettolohn übrig bleibt. Mit einem Haushaltsbuch hast du stets den vollen Überblick über deine Ein- und Ausgaben. Zudem besteht die Faustregel, immer zwei bis drei Nettomonatsgehälter als finanziellen Puffer auf deinem Konto zu parken. Sollte beispielsweise eine größere Reparatur anstehen, musst du dafür nicht deine Ersparnisse ankratzen.

Nachdem du deine Finanzen nun voll im Blick hast, ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Anlage der nächste Schritt. Kläre dabei zunächst die Frage, welcher Anlagetyp du bist und was dein Anlagehorizont ist. Es gibt unterschiedlichste Anlageklassen, die teils höhere Renditen bei gleichzeitig höherem Risiko, oder das Gegenteil versprechen. Gehörst du daher eher zu den Renditejägern oder zu den Anlegern, die sich gern in Sicherheit wägen? So oder so, haben wir die passende Lösung für dich.

Vermögensaufbau – vier Möglichkeiten

Bevor wir zu den einzelnen Anlagestrategien kommen, hier noch zwei wichtige Punkte vorweg:
Da insbesondere das Leben junger Menschen häufig mit kurzfristigen Veränderungen einhergeht, sollten junge Anleger darauf achten, nicht an langlaufende Verträge gebunden zu sein. Ein Umzug oder eine wichtige Anschaffung verschlingen oft schnell eine höhere Summe. Ist das gesamte Geld beispielsweise in einem Bausparvertrag oder in einer Lebensversicherung gebunden, ist eine schnelle Liquidierung nicht möglich. Von diesen Verträgen ist jungen Menschen deshalb eher abzuraten. Stattdessen sind Methoden gefragt, die einen flexiblen Austritt gewährleisten. 

Punkt zwei gilt sowohl für junge, ältere, risikofreudige als auch vorsichtigere Menschen: Die EINE Anlageklasse gibt es nicht. Um möglichst viel Gewinn bei einer möglichst geringen Kursschwankung einzufahren, ist eine Diversifizierung deines Depots unausweichlich. Deshalb solltest du sowohl risikoreiche als auch risikoarme Investments in deinem Depot mischen, die Gewichtung kannst du nach Belieben frei wählen.

1. Staatlicher Zuschuss: Vermögenswirksame Leistungen

Man bekommt selten etwas geschenkt – wenn man allerdings die Chance dazu hat, sollte man sie nutzen. Informiere dich daher, ob dein Unternehmen Vermögenswirksame Leistungen anbietet. Dabei handelt es sich um eine Sparzulage des Staates, die über deinen Arbeitgeber monatlich an dich gezahlt wird. Je nach Branche fallen die Zuschläge unterschiedlich hoch aus, nicht jedes Unternehmen bietet diesen Dienst jedoch an.

2. Sichere Variante: Tagesgeld/Festgeld

TAGESGELD: Eine sichere Methode, dein Geld auf die Seite zu legen, ist das Tagesgeldkonto. Üblicherweise bietet jede Bank dieses Konto kostenlos zusätzlich zu deinem Girokonto an. Nur mithilfe einer Transaktion zwischen Giro- und Tagesgeldkonto kannst du auf Letzteres zugreifen. Wenn du also Geld von deinem Tagesgeldkonto abheben möchtest, musst du es zunächst auf dein Girokonto überweisen und kannst es schließlich wie üblich mit deiner Bankkarte vom Automaten abheben. Dadurch ist eine zusätzliche Sicherheit gegeben und du kannst trotzdem jederzeit flexibel und schnell auf dein Geld zugreifen, da die internen Überweisungen nur wenige Sekunden in Anspruch nehmen.

Viel Rendite wirft dieses Hilfsmittel jedoch nicht ab. Aufgrund des aktuell historisch niedrigen Zinssatzes und einer zunehmenden Inflation, verliert dein Geld mehr und mehr an Wert. Darüber hinaus verlangen einige Banken ab einem gewissen Alter Kontoführungsgebühren, die dein Vermögen zusätzlich schmälern. Du solltest daher nicht dein gesamtes Vermögen auf diese Weise anlegen, sondern zusätzliche Alternativen in Betracht ziehen.

FESTGELD: Verglichen mit dem Tagesgeldkonto fallen die Zinsen bei Festgeldkonten meist höher aus – du kannst damit also mehr Rendite erzielen. Aber Vorsicht: Wie der Name schon sagt, ist dein Geld an einen festen Rahmen gebunden. Üblicherweise laufen Festgeldkonten über mehrere Jahre, in dieser Zeit kannst du nicht auf dein Geld zugreifen. Auch hier gilt daher: Lege nicht dein gesamtes Vermögen in Festgeld an, Diversifizieren ist der Schlüssel.

3. Auf Rendite setzen

Anstatt ein klassisches Sparkonto zu führen, entscheiden sich Renditejäger für ein Depot. Darüber lassen sich Wertpapiere an der Börse handeln. Die Anbieter dieser Depots nennen sich Broker, wobei heutzutage viele Online-Broker bestehen, die ein kostenloses Depot anbieten. Zwar musst du hierbei auf den persönlichen Kontakt zu deinem Anbieter verzichten, Webinare und Telefonhotlines stehen dir jedoch bei Fragen zur Verfügung. Wenn dir der direkte Kontakt wichtig ist, kannst du auch ein Depot über deine Hausbank eröffnen. Da sich die Kosten der unterschiedlichen Anbieter auf deine Rendite auswirken, lohnt es sich, ein wenig Zeit darauf zu verwenden, die Konditionen zu vergleichen. Online findest du hierzu zahlreiche Depot-Vergleichsportale (beispielsweise über justETF), die dir alles Wissenswerte auf einen Blick zusammenfassen. Hast du dich für einen Broker entschieden, kann es auch schon losgehen.

Geld anlegen als Berufseinsteiger mit ETFs

Da Einzelaktien zwar hohe Renditen einbringen können, gleichzeitig aber mit einem sehr hohen Risiko verbunden sind, eignet sich zum Einsteig die Investition in einen ETF. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Indexfonds. Heißt im Klartext: Du investierst in einen Pool aus Aktien, der die Wertentwicklung eines zugrundeliegenden Index nachbildet. Diese „Nachahmung“ geschieht durch ein automatisiertes System, weshalb die laufenden Kosten für ETFs sehr niedrig sind. Neben geringen Kosten bieten ETFs zudem den Vorteil, einen gesamten Markt oder ein spezielles Thema abzudecken.

Um von möglichen Kursschwankungen maximal zu profitieren, ist ein Sparplan empfehlenswert. Das bedeutet, du investierst monatlich einen gewissen Betrag in dein Depot und kaufst dir damit immer Anteile zum aktuellen Kurs deines ETFs. Damit läufst du nicht Gefahr, ausgerechnet bei einem hohen Kurs dein ganzes Geld zu investieren, sondern profitierst auch von niedrigen Einstiegskursen in anderen Monaten. Dieser Vorteil nennt sich „Cost-Average-Effekt“. Bei der Ausschüttungsart sind für dich besonders thesaurierende ETFs von Vorteil, da hier die Dividende direkt wieder in den ETF reinvestiert wird. So profitierst du vom Zinseszinseffekt, ohne etwas dafür tun zu müssen. Eine Auswahl der beliebtesten ETF-Trends haben wir dir hier zusammengestellt:

Geld anlegen als Berufseinsteiger mit Fonds

Wer sein Geld lieber in die Hände eines Fondsmanager gibt, für den stellen aktiv gemanagte Fonds eine lukrative Alternative dar. Die Fondsgesellschaften verlangen für ihr Produkt teilweise einen Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent und auch die laufenden Kosten sind üblicherweise höher als bei ETFs. Nichtsdestotrotz ist auch diese Anlagestrategie nicht zu vernachlässigen – Fondsmanager verfügen schließlich über eine langjährige Expertise und haben das Finanzgeschehen genauestens im Blick. Auch hier bietet sich ein Sparplan an, um die Kursschwankungen zu deinem Vorteil auszunutzen.   

4. Zusätzliche Sicherheit schaffen – mit Gold

Die Verlockung von gewinnbringenden Investments ist gerade als Börsenneuling besonders groß. Doch es benötigt eine gewisse Zeit, um festzustellen, dass Rendite nicht alles ist. Kursschwankungen können zu hohen Verlusten führen – eine Absicherung gegen diese Phasen ist damit durchaus empfehlenswert. Die Lösung: Gold. Während Papiergeld in inflationären Phasen und Unternehmensaktien in Krisenphasen immer wieder an Wert verlieren, besteht der Goldwert unbeeindruckt von den äußeren Umständen. Besser noch: Je schlechter der Aktienmarkt läuft, desto mehr Anleger flüchten in Goldgeschäfte – dadurch wird der Goldkurs zusätzlich angetrieben. Zwar bieten Goldinvestments in guten Wirtschaftsphasen kaum Rendite, der Gewinn in schlechten Phasen sorgt jedoch für eine gewisse Robustheit deines Depots. Dabei musst du dir keinen Goldbarren zulegen, auch hierfür gibt es Sammelinvestments, welche die Wertentwicklung eines gewissen Rohstoffs abbilden: ETCs (Exchange Traded Commodity).

5. Rückhalt durch Versicherungen

Sicherheit kannst du dir nicht nur innerhalb des Finanzmarktes verschaffen, sondern auch außerhalb. Stichwort: Versicherungen. Beim Thema Geld anlegen als Berufseinsteiger denkt man vielleicht nicht direkt an Versicherungen. Doch genau deswegen sind sie hier besonders wichtig. Denn vor allem zwei Arten solltest du dir dringend zulegen, falls du darüber nicht schon verfügst: Haftpflichtversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung. Du zahlst zwar einen monatlichen Beitrag, sollte jedoch etwas passieren, bist du abgesichert und musst nicht dein gesamtes Eigenkapital verwenden.

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: Wenn du versehentlich ein Objekt einer anderen Person zerstörst, zahlt deine Haftpflichtversicherung. Gerade im Mietwesen ist diese Versicherung unumgänglich, sollte sich beispielsweise auf dein Verschulden hin ein Brand bilden, liegt der entstandene Schaden schnell im sechsstelligen Bereich. Sollte ein solcher Fall eintreten, haftet deine Versicherung.

BERUFSUNFÄHIGKEITSVERSICHERUNG: Zwar hoffen wir nicht, dass du jemals einen derart dramatischen Unfall hast, dass du danach nicht mehr arbeitsfähig bist, doch auch damit solltest du dich befassen. Bist du auf der einen Seite nicht mehr fähig zu arbeiten, musst auf der anderen Seite aber dein Leben finanzieren und etwaige Pflegekosten aufbringen, kommen schnell immense Summen zusammen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt dich in diesem Fall vor dem finanziellen Ruin.

Fazit zum Thema Geld anlegen als Berufseinsteiger

Der Frühe Vogel fängt den Wurm!

Egal, für welche Anlagestrategie du dich entscheidest, wichtig ist die frühzeitige Befassung damit. Je früher du damit beginnst Geld als Berufseinsteiger anzulegen, desto mehr kannst du von Zinsen profitieren und dir ein kleines Vermögen aufbauen. Jeder Betrag, den du monatlich auf die Seite legst, trägt ein kleines Bisschen zu deiner Sicherheit in deiner Zukunft bei – egal wie hoch er sein mag. Warte also nicht, bis du erst eine ansehnliche Summe auf der Seite hast, sondern folge ganz dem Motto: „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen“. Du wirst sehen, mit der Zeit macht es dir richtig Spaß!

Fotoquelle: Photo by Nicholas Ng on Unsplash

Autorin: Verena Sepp

Autor*in