Günstig, aber umstritten: Neo-Broker sind im Trend. Nicht erst seit dem Rausch bei Gamestop und Co können Anleger mit diesen Apps deutlich einfacher, schneller und zumeist auch günstiger Aktien kaufen und verkaufen. Aber sorgt das nicht auch für mehr Risiko? Wir erklären, wie die Investment-Apps funktionieren.

Investment-Apps: Das solltest du wissen

Die Aktie des US-Videospiel-Einzelhändlers Gamestop ist Ende Januar rasant gestiegen und wenige Tage darauf gefallen. Kleinanleger hatten auf den Anstieg der Aktie gewettet. Viele machten das über die Investment-App Robinhood. Wie viele Menschen die App nutzen, ist nicht bekannt. Im August des vergangenen Jahres schrieb die „Financial Times“, es gebe mehr als 13 Millionen Nutzer. 2017 waren es nach Unternehmensangaben noch zwei Millionen. In Deutschland kann die App bislang nicht heruntergeladen werden.

Nicht nur in den Vereinigten Staaten sind Investment-Apps wie Robinhood ein Trend. Auch in Deutschland laden mehr und mehr Menschen solche Apps auf ihre Smartphones. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres ist die Zahl der Installationen von Investment-Apps um fast 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Das hat ein Bericht der App-Marketing-Plattform Adjust und des App-Analyse-Diensts Apptopia belegt.

Investment-Apps, auch Neo-Broker und Smartphone-Broker genannt, bieten einen schnellen Einstieg in die Geldanlage. Sie sind oft leicht zu bedienen, der Wertpapierhandel ist vergleichsweise günstig. Das Verbrauchermagazin Finanztest schreibt über sie: „Gerade für junge Leute, die keine Erfahrung mit Geldanlagen haben, sind Smartphone-Broker reizvoll. Sie können mit sehr geringen Beträgen an den Börsen mitmischen.“ In diesem Artikel erklären wir, wie sie funktionieren.

Anbieter

Im Google Play Store und im App Store finden sich eine ganze Reihe an Anbietern: Trade Republic, Scalable Capital und Etoro – um nur einige zu nennen. Auch Banken wie die Consorsbank, die zu der BNP Baribas gehört, die Comdirect und die Sparkassen-Finanzgruppe habe eigene Apps entwickelt. Zum Stand der Veröffentlichung können die genannten Apps kostenlos heruntergeladen werden.

Kontoeröffnung

Am Beispiel Trade Republics beschreiben wir nun, wie eine Investment-App funktioniert. Nachdem die App heruntergeladen ist, muss zuerst ein Nutzerkonto erstellt werden. Dann folgt die Eintragung persönlicher Daten in die App. Letztlich muss der Nutzer sich im Video-Chat identifizieren. Ein Mitarbeiter gleicht dazu die zuvor angegebenen Daten mit dem Personalausweis oder dem Reisepass ab. Am Mittwochabend gibt es viel Andrang. Die Warteschlangengenposition 124 wird angezeigt, die geschätzte Wartezeit ist 16 Minuten. In einem Textfeld steht: „Wir begrüßen derzeit viele neue Kunden bei Trade Republic.“

Nach der Anmeldung kann der Handel beginnen. Dabei gibt es drei Suchfelder: beliebte Aktien, beliebte ETFs, beliebte Derivate. Zwei der fünf angezeigten beliebten Aktien sind sogenannte Pennystocks, sprich hochspekulative Aktien mit einem sehr niedrigen Kurs. Die App selbst ist minimalistisch. Wer eine Aktie auswählt, bekommt unter anderem ihren Kurs angezeigt, die Branche des Unternehmens wird genannt, auch Agenturnachrichten über das Unternehmen werden gelistet und können aufgerufen werden.

Funktionsweise

Immer wieder ist über die Investment-Apps zu lesen, ihre Gebühren seien niedrig. Zum Stand der Veröffentlichung gibt es bei Trade Republic laut Anbieter keine Depotführungskosten. Aber: Je Order wird eine sogenannte Fremdkostenpauschale in Höhe von einem Euro erhoben. Scalable Capital wirbt mit verschiedenen Broker-Modellen. Beim Gratis-Broker kostet eine Order rund einen Euro, ein einzelner Sparplan kann nach Angaben des Anbieters kostenlos angelegt werden. Bei einer aktiven Depotführung und beim Handel mit Aktien verlangt Etoro nach eigenen Angaben keine Gebühren. Anders ist das bei dem Handel mit Derivaten.

Die Handelskosten der Investment-Apps sind also tatsächlich niedrig. Wie kommt das? Denn immer wieder ist zu lesen, dass die Anbieter an den Rückvergütungen verdienen, die sie von den Handelspartnern erhalten. Gemutmaßt wurde zudem, dass die Anbieter den Kunden schlechtere Börsenkurse stellen. Finanztest hat dies bei den Anbietern Trade Republic, Scalable Capital, Justtrade und Gratisbroker untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es keinen nennenswerten Aufschlag im Vergleich zum Xetra-Handel der deutschen Börse gab.

Kritik an Investment-Apps

Die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt, Investment-Apps verleiteten zum Zocken. Kleinanleger sollten „allenfalls niedrige Beträge investieren, deren Verlust sie verkraften können“. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat zudem Trade Republic dafür kritisiert, dass der Anbieter den Kauf bestimmter Aktien zeitweise eingestellt hat. Darunter waren: der Einzelhändler Gamestop, der kanadische Softwarehersteller Blackberry und der finnische Telekommunikationskonzern Nokia. Die Verbraucherzentrale schreibt: „Ein Leistungsversprechen der Broker nach Gutsherrenart ist inakzeptabel. Dass der Handel von Aktien an den Börsen auch ausgesetzt werden kann, müssen Anleger als Risiko einer jeder Aktienanlage hinnehmen.“

Fazit

Mit ihren niedrigen Gebühren und Sparplänen, die oft nur eine geringe Mindestsparrate erfordern, sind Investment-Apps auch für Kleinanleger interessant.

Wie immer ist aber auch jeder Anleger selbst in der Pflicht: Wer investiert sollte sich vorher darüber informieren, in welche Aktien, Fonds und ETFs man investieren möchte, welche Risiken und Chancen das mit sich bringt und wann man auch wieder aussteigen will. Investment-Apps können dazu verleiten, mal schnell und günstig zu handeln. Das muss aber bei der richtigen Handhabung kein Nachteil sein.

Autor: Lukas Müller

Fotoquelle: Photo by CardMapr on Unsplash

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