Frühjahrsputz zum Jahresende? Klingt eigenartig, ist an der Börse jedoch gang und gäbe. Das Phänomen nennt sich „Window-Dressing“. Auf Deutsch: Schaufenster aufhübschen. Dabei agieren Fondsmanager ähnlich wie Kaufhäuser – sie versuchen ihre Auslagen so schön wie möglich darzustellen. Je mehr die Produkte funkeln desto besser. Warum sie das tun und wieso du von dieser etwas anderen Tradition profitieren kannst, erklären wir dir hier.

Was steckt hinter Window-Dressing?

Jedes Jahr gegen Weihnachten zeigt sich ein wiederkehrendes Phänomen an der Börse: das Window-Dressing. Fondsmanager versuchen dabei ihre Fonds so attraktiv wie möglich zu gestalten. Dafür entfernen sie kurzerhand alle Aktien, die auf Jahressicht eine schlechte Performance hinlegten. Gleichzeitig wird nach aufsteigenden Wertpapieren Ausschau gehalten, um sie dem Portfolio hinzuzufügen. Es spricht auch nichts dagegen, gute Werte, die in dem Fonds bereits vorhanden sind, einfach nochmal zu kaufen. Doch wieso der ganze Aufwand?

Grund: Transparenz. Ende des Jahres müssen alle Fonds ihre Bücher offenlegen. Dann sehen Chefs, Geldgeber und Kunden ganz genau, auf welche Aktien die jeweiligen Fondsmanager setzen. Verständlich, dass da der ein oder andere ein wenig unter Konkurrenzdruck gerät ­– die Manager sind schließlich bei Bedarf zu Rede und Antwort verpflichtet. Wieso sind diese und jene Aktien nicht im Depot? Warum hat die Konkurrenz besser performt? Um diese unangenehme Situation zu umgehen, wird nochmal so viel Glamour wie möglich in das Portfolio gepackt.

Was Window-Dressing für Anleger bedeutet

Natürlich kann Window-Dressing eine schlechte Jahres-Performance eines Fonds nicht wettmachen. Die Tradition birgt aber Vorteile für eine andere Art von Wertpapier: Einzelaktien. Indem die Fondsmanager diverse Aktien kaufen, treiben sie deren Preise in die Höhe. Demnach ist es häufig der Fall, dass Aktien, die ohnehin schon gut laufen, vor Weihnachten nochmals einen Auftrieb erfahren – immerhin schichten die Fonds mehrere Millionen um. Aber aufgepasst: Für dieses Szenario gibt es keine Garantie, rückblickend stehen die Kurse Ende des Jahres jedoch häufig höher als Anfang Dezember. Deswegen haben wir dir hier die jeweils drei besten Aktien der bekanntesten Indizes aufgelistet.

Die besten Aktien aus Dax, EuroStoxx, Dow Jones und Nasdaq100 (Stand 2.12.2020)

Die angegebene Performance bezieht sich auf die Year-to-Date-Performance. Die Aktien sind nur aus Informationszwecken aufgelistet und bedeuten keine Kaufempfehlung.

  • DAX: Deutscher Aktien-Index mit den 30 wertvollsten deutschen Unternehmen
  1. Infineon: +44,95 Prozent
  2. Deutsche Bank: +37,99 Prozent
  3. Merck: +27,86 Prozent
  • EuroStoxx50: Die 50 wertvollsten Unternehmen Europas
  1. Adyen B.V.Parts Sociales: +119,03 Prozent
  2. Flutter Entertainment: +44,94 Prozent
  3. ASML NV: +41,18 Prozent
  • Dow Jones: US-amerikanischer Index mit 30 ausgewählten Werten
  1. Apple: +57,87 Prozent
  2. Salesforce: +36,96 Prozent
  3. Microsoft: +26,49 Prozent
  • Nasdaq100: US-amerikanischer Technologie-Index mit den 100 wertvollsten Tech-Unternehmen
  1. Tesla: +528,44 Prozent
  2. MercadoLibre: +140,64 Prozent
  3. JD.com: +122,92 Prozent

Die aktuellen Kurse und Year-to-Date-Performances kannst du dir auf finanzen.net anschauen.

Bereit für dein Weihnachtsgeschenk

Wenn du nun feststellst, dass sich einige der Gewinner bereits in deinem Depot befinden, kannst du dich sehr wahrscheinlich über einen kleinen Aufschwung im Dezember freuen. Falls dich das Window-Dressing gepackt hat und du deshalb diverse Aktienkäufe tätigen möchtest, solltest du zwei Punkte im Hinterkopf behalten: Zum einen sind die Kurssteigerungen nicht garantiert. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Fondsmanager die zunächst frisch gekauften Aktien Anfang nächsten Jahres wieder verkaufen. Damit verliert das Window-Dressing plötzlich seine Magie. Trenne dich also rechtzeitig von den Aktien, wenn dich die Zukunftsaussichten nicht überzeugen.

Autorin: Verena Sepp

Fotoquelle: Photo by Chantal DeGaust on Unsplash

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