Für viele Arbeitnehmer findet die Bescherung schon Ende November statt: Dann nämlich erhalten sie von ihrem Arbeitgeber das Weihnachtsgeld für 2020. Doch was stellt man mit dem Extra-Gehalt am besten an? Und was kann man tun, wenn man kein Weihnachtsgeld bekommt?

Wer bekommt eigentlich Weihnachtsgeld 2020?

Im Schnitt liegt das diesjährige Weihnachtsgeld in Deutschland bei 2258 Euro brutto. Das geht aus Auswertungen des Portals Gehalt.de von 115.000 Vergütungsdaten hervor, über die das Handelsblatt berichtet. Leider profitiert davon aber nicht jeder Arbeitnehmer. Nur etwa die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland (53 Prozent) erhält aktuell Weihnachtsgeld, wie eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung unter fast 49 000 Arbeitnehmern zeigt.

Noch ist nicht klar, wie stark sich die Corona-Krise auf das Weihnachtsgeld auswirken wird. Viele Unternehmen stecken momentan in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Um die Kosten zu reduzieren, könnten sie den Beschäftigten das Weihnachtsgeld streichen. Laut einer Umfrage von gehalt.de und Statista unter mehr als 1.000 Arbeitnehmern bekamen 2019 noch 60 Prozent aller Beschäftigten ein Weihnachtsgeld. In diesem Jahr waren sich aber nur noch 24 Prozent sicher, dass sie von ihrem Arbeitgeber ein Weihnachtsgeld erhalten. 18 Prozent halten dies zumindest für sehr wahrscheinlich, weitere 12 Prozent für wahrscheinlich. Ein Viertel wusste laut der Umfrage bereits, dass es zum Ende dieses Jahres keinen Weihnachtsbonus geben wird.

Wie sollte ich mein Weihnachtsgeld 2020 richtig nutzen?

Die meisten Deutschen geben ihr Weihnachtsgeld am liebsten schnell aus. Laut einer Statista-Umfrage wollen 37 Prozent das Extra-Gehalt nutzen, um Geschenke zu kaufen. Ein Drittel möchte das Geld dagegen ansparen und jeder Fünfte damit Schulden tilgen. Ein Zehntel plant, das Weihnachtsgeld in Haus und Garten zu investieren.

Eine richtige oder falsche Entscheidung gibt es dabei natürlich nicht. Jeder sollte das hart verdiente Weihnachtsgeld so einsetzen, wie es ihm beliebt. Eventuell ist es aber sinnvoll, das Geld nicht nur in den Konsum zu stecken, sondern es für die finanzielle Vorsorge zu nutzen.

Ein Rechenbeispiel: Stell dir vor, du erhältst in diesem Jahr 2000 Euro Weihnachtsgeld von deinem Arbeitgeber. Etwa die Hälfte davon geht für Steuern und Sozialabgaben drauf. Die restlichen 1000 Euro könntest du zur Hälfte nutzen, um deiner ganzen Familie Weihnachtsgeschenke zu kaufen und auch noch etwas für den nächsten Urlaub zurückzulegen. Bleiben 500 Euro übrig. Wegen der niedrigen Zinsen ist es derzeit klug, dieses Geld an der Börse zu investieren. Zum Beispiel in einen ETF. Mit diesen Aktienfonds kann man sich an der Wertentwicklung von großen Indizes wie dem DAX beteiligen. Mit der richtigen Strategie ist das eine sehr verlässliche und renditestarke Geldanlage. Ganz konkret: Wer vor fünf Jahren 500 Euro seines Weihnachtsgeldes in einen ETF auf den Weltaktienindex MSCI World gesteckt hat, bekommt heute mehr als 750 Euro heraus. Das Beispiel zeigt, wie hilfreich diese Form der Geldanlage für die Altersvorsorge oder für größere Anschaffungen sein kann.

Was, wenn ich kein Weihnachtsgeld bekomme?

Es gibt in Deutschland keinen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Allerdings ist die Chance, ein 13. Monatsgehalt zu erhalten, in Berufen mit Tarifvertrag deutlich höher als in denen ohne. Denn dort ist das Weihnachtsgeld und seine Höhe in der Regel explizit festgeschrieben. Meistens muss man mindestens sechs Monate angestellt sein, um ein Weihnachtsgeld zu bekommen. Zudem wird das Extra-Gehalt mit fortdauernder Betriebszugehörigkeit aufgestockt.

Ein relativ hohes Weihnachtsgeld erhalten laut der Böckler-Stiftung unter anderen die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der chemischen Industrie, bei der Deutschen Bahn sowie in der Druckindustrie. Dort beträgt das Weihnachtsgeld zwischen 95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens.

Wo keine Tarifverträge bestehen, bleibt die Auszahlung des Weihnachtsgeldes eine freiwillige Angelegenheit des Arbeitgebers. Daran kann man als Arbeitnehmer wenig ändern. Es gibt aber auch Ausnahmefälle. Wenn ein Betrieb das Weihnachtsgeld in den vergangenen drei Jahren in gleicher Höhe freiwillig überwiesen hat, kann er unter Umständen rechtlich zu einer Zahlung verpflichtet sein. Nur wenn der Arbeitgeber jedes Mal schriftlich darauf hinweist, dass er das Geld freiwilig auszahlt, erlischt dieser Anspruch.

In jedem Fall sollten Arbeitnehmer beim Weihnachtsgeld 2020 zunächst den eigenen Arbeitsvertrag oder andere Betriebsvereinbarungen prüfen. Wer einen Anspruch auf Weihnachtsgeld hat, sollte diese gegebenenfalls schriftlich beim Arbeitgeber anzeigen. Im Extremfall kann man natürlich auch den Rechtsweg beschreiten, um Ansprüche geltend zu machen.

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