Es ist soweit. Du hast dich endlich dazu entschieden, deine schwer erarbeiteten Moneten nicht mehr unter dem Kopfkissen zu verstecken, sondern den Weg zu einer Bank oder an die Börse anzutreten. Prinzipiell eine gute Entscheidung, denn in deinem Schlafzimmer werden deine Ersparnisse mit Sicherheit nicht wachsen. Doch jetzt wartet das Risiko Geldanlage auf dich. Denn jede Geldanlage ist auch mit einigen Risiken verbunden, die du kennen solltest. Dann erlebst du keine bösen Überraschungen und lässt dich auch von einigen Rückschlägen nicht aus der (Nacht-) Ruhe bringen – ganz ohne Scheine unter dem Kissen.

Das Ding mit dem Konjunktur-Risiko

Vor allem bei Investitionen in den Aktienmarkt sollte man die aktuelle Konjunkturlage im Auge behalten, da davon häufig Kursgewinne oder -verluste abhängen. Geht es der Wirtschaft insgesamt schlecht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch deine Wertpapiere in den Keller gehen. Die Konjunktur folgt dabei einer zyklischen Wellenbewegung mit Auf und Abs. Auf eine Rezession folgt dabei meist ein Aufschwung und umgekehrt. Mit diesem Wissen kannst du dann auch besser einordnen, wann es sich besonders lohnen kann, an der Börse einzusteigen.

Während der Corona-Krise gab es nämlich einen regelrechten Ansturm auf Direktbanken wie ING DiBa, die deutsche Kreditbank (DKB) oder Comdirect. Alle wollten genau zur gleichen Zeit dort oder bei anderen Online Brokern ein Depot eröffnen, um mit dem Wertpapierhandel zu starten. Warum? Das könnt ihr euch bestimmt schon denken. Aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen unsicheren Zukunftsaussichten ging es für die Kurse vieler Unternehmen und Indizes wie den Dax bergab. Damit sanken natürlich auch die Preise für Aktien oder ETFs und viele Neu-Anleger sahen in dieser Situation eine Chance, besonders günstig einzusteigen und später von starken Aufschwüngen zu profitieren.

Wer ohne Überblick Wertpapiere überteuert kauft, der hat es später schwerer, Gewinne zu erwirtschaften. Die aktuelle Wirtschaftslage im Auge zu haben, lohnt sich also immer.

Inflation als Risikofaktor

Ein Vermögensschaden kann auch bei einer hohen Inflation drohen. Inflation bedeutet konkret der Kaufkraftverlust von Geld. Wenn die Geldmenge in einem Land schneller wächst als die Produktion, steigen die Durchschnittspreise und damit das Inflationsniveau. Erspartes wird also über die Zeit weniger wert, wenn die Verluste nicht durch Zinserträge ausgeglichen werden können. Ansonsten könnte von 1000 Euro, die man für die Rente hinterlegt hat, bei einer Inflationsrate von über zwei Prozent (Durchschnittswert der vergangenen Jahre in Deutschland) nach 30 Jahren nur noch die Hälfte übrig sein.

Wir kombinieren: Möchten wir den Wert unserer Anlage über die Zeit erhalten, müssen wir hierzulande im Jahr ungefähr zwei Prozent Rendite erwirtschaften. Wollen wir sogar Gewinn machen, müssen wir die Hürde von zwei Prozent sogar überspringen. In Zeiten von Niedrigzinsen gar nicht so einfach. Ziehe ich von der Rendite die Inflationsrate ab, erhalte ich übrigens meine “wahre Rendite”. Das Risiko der Geldanlage ist in diesem Fall also, einfach gar nicht anzulegen. Denn dann hat man auf jeden Fall einen Verlust.

Das Risiko der Schwankung

Schwankungen gibt es immer. Im Privatleben wie an der Börse. Selbst wenn du dein Geld nicht in Einzelaktien steckst, sondern lieber auf durchmischte Fonds oder ETFs setzt, garantiert dir das keine Sicherheit vor Verlusten. Denn runter kann es mal für jeden Kurs gehen. Dabei muss jeder für sich selbst entscheiden, wieviel Seegang er oder sie verkraften kann, bevor ihm oder ihr flau im Magen wird. Ein gewisses Restrisiko für eintretende Verluste lässt sich aber nie ganz ausmerzen. Das Risiko bei der Geldanlage lässt sich also vermindern, indem du nur das Geld anlegst, auf das du länger verzichten kannst und indem du breit gestreut investierst.

Das Währungskursrisiko

Auch über Währungsschwankungen bei der Geldanlage sollte man sich informieren. Wer für 1000 Euro eine Anlage in US Dollar kauft, muss den Wechselkurs im Auge behalten. Verliert der Dollar nämlich in einem Zeitraum von beispielsweise zwei Jahren an Wert gegenüber dem Euro, mache ich logischerweise auch Verluste, selbst wenn der Kurs meiner Anlage sogar etwas gestiegen ist. Zwar gibt es für solche Fälle Optionen für eine Währungsabsicherung, aber manchmal minimieren sich die Verluste auch von ganz alleine.

Fällt die eigene Währung, steigen meist auch die Kurse international tätiger Unternehmen aufgrund besserer Exportchancen auf dem Weltmarkt. Hier muss man also von Fall zu Fall zu schauen. Die Unterschiede bei der Währung sollte man sich jedoch trotzdem immer vor Augen führen.

Risiken bei der Liquidität

Die Liquidität einer Geldanlage gibt dir Auskunft darüber, wie schnell und verlustfrei du an dein Geld kommst, wenn du plötzlich eine Finanzspritze brauchst. Beim Sparbuch kommst du normalerweise genau an den Betrag, den du auch angelegt hast. Bei einem Festgeldkonto, bei dem du Geld für einen Zeitraum von mehreren Jahren zu einem festgelegten Zinssatz platzierst, sieht das anders aus. Wer hier früher aus dem “Vertrag” will, muss mit Verlusten rechnen.

Bei Aktien und Fonds sieht es ähnlich aus. Gerade als Anfänger solltest du an der Börse einen langfristigen Anlagehorizont als Ziel haben. Wenn du dann deine Wertpapiere viel früher verkaufen musst, sind je nach Schwankungsrisiko der Anlage große Einbußen zu verkraften. Geld sollte man in diese Anlageformen also nur stecken, wenn man es wirklich über einen längeren Zeitraum nicht braucht.

Risiko Geldanlage: Welcher Risikotyp bist du?

Jede Geldanlage bringt ein gewissen Risiko mit sich, jedoch gibt es gehörige Unterschiede bei der Höhe der Verluste. Hier lohnt es, seine eigene Risikobereitschaft abzuklopfen und sich danach einer von mehreren Risikoklassen zuzuordnen. Wer zu Schweißausbrüchen neigt, wenn der Aktienkurs mal kurz einknickt, der sollte sich zunächst eher an Sparbücher oder Tagesgeldkonten halten.

Wer sich aber nur etwas über den Tellerrand traut, der kann es auch mal mit ETF-Sparplänen versuchen. Jeden Monat für die 25 Euro abzudrücken, tut auch nicht direkt so weh und ist ein guter Einstieg. Wer seine Risikoklasse genau ermitteln will, kann sich bei Banken und im Netz kostenlos beraten lassen. Das Geld unter dem Kopfkissen liegen zu lassen, sollte aber keine Option sein – und ist auch nicht risikofrei.

Fotoquelle: Photo by Micaela Parente on Unsplash

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