Am Ende des Geldes ist noch viel zu viel Monat übrig? In dieser Situation befand sich wohl jeder schon einmal – manche mehr, manche weniger. Während das Konto am Monatsanfang glänzt, rasen die Zahlen in den folgenden Wochen nur in eine Richtung: Abwärts. Um dieser Lawine zu entkommen, gibt es eine einfache Lösung: Das Haushaltsbuch. Klingt altmodisch und zeitaufwendig? Schnell und effizient trifft es schon eher. Buchhaltung ist nicht nur in großen Unternehmen wichtig, auch im kleinen Maßstab birgt die Dokumentation enorme Vorteile. Dabei musst du kein Buchhalter sein, um deine Finanzen zu regeln. Die richtige Herangehensweise und was du beachten musst, erklären wir dir hier.

Haushaltsbuch führen – wofür?

Wieviel und wofür hast du in letzter Zeit Geld ausgegeben? Anstatt dir endlos darüber deinen Kopf zu zerbrechen, nutze die Zeit lieber sinnvoller – mit einem Haushaltsbuch. In anderen Worten, eine Methode, um deine Finanzen zu erfassen. Damit klärt sich die Frage, wohin dein Geld geflossen ist, von selbst. Durch die Auswertung deiner Auflistung lassen sich geheime Geldfresser entlarven und gewisse Konsumgewohnheiten werden sichtbar. Klarheit und Kontrolle dominieren ab sofort Unwissenheit und Frustration. Dabei musst du allerdings beachten, dass das Führen eines Haushaltsbuches keine einmalige Sache ist, sondern ein laufender Prozess, der viel Disziplin erfordert. Gewohnheiten kristallisieren sich erst im Laufe der Zeit heraus. Mit Sicherheit begegnest du einigen Aha-Momenten – wenn sich beispielsweise das ein oder andere Eis zum Kauf einer ganzen Eisdiele entwickelt hat.

Wissen bewirkt mehr als eine Ahnung. Nach einigen Wochen beginnst du, deinen Umgang mit Geld zu reflektieren, das setzt vieles in Bewegung. Ob wissentlich oder nicht, du lernst zu sparen. Allein das Beobachten deiner Finanzen entwickelt ein neues Bewusstsein für dein Guthaben. Die Abzüge, die sich in deiner Liste unbeschönigt als rote Ziffern vermehren, bewirken mehr als die alleinige Erinnerung an den letzten Besuch des teuren Sushi-Restaurants. Verstecke dich nicht hinter einer wagen Ahnung, sondern blicke den Fakten ins Gesicht. Einen Überblick über die eigenen Finanzen zu haben, ist das A und O, um zu wissen, an welcher Stelle du sparen kannst. Mit diesem Wissen lassen sich Entscheidungen sinnvoller treffen und langfristig besser planen, um letztendlich ein Vermögen anzuhäufen.

Regeln, an die du dich halten solltest

Ob Technikmuffel, Tabellenfans oder Digital Natives – Haushaltsbücher existieren in unterschiedlichsten Formen. Deinem Belieben entsprechend, kannst du dir das Haushaltsbuch so einrichten, wie du es für sinnvoll erachtest. Dabei verbinden jedoch alle Varianten zwei Gemeinsamkeit: Nur wer diszipliniert und sorgfältig seine Ausgaben notiert, kann auf Dauer daraus einen Nutzen ziehen. Denn erst nach einigen Wochen wirst du erste Erfolge feststellen, bis dahin, bleib dran! Das Protokollieren wird mehr und mehr zur Routine. Also überlege dir gut, wann du täglich zehn Minuten für dein persönliches Archiv aufbringen kannst. Auch ein Plan B, falls du Einträge nachholen musst, ist wichtig.

Zweitens: Die Summe macht´s – nicht! Eine Kategorisierung der Ausgaben ist zwingend notwendig. Die Erkenntnis über Konsumgewohnheiten ist der erste Schritt für Veränderungen. Nur auf diese Weise kannst du feststellen, wo langfristig Einsparpotenziale liegen. Denn online findest du Vorlagen, die dir einige Kategorisierungen vorschlagen. Eine gute Möglichkeit, sich zu orientieren. Überprüfe jedoch, ob die Kategorien wirklich auf dich persönlich zutreffen, entferne oder füge bei Bedarf diverse Unterpunkte hinzu. Wichtig: Verliere dich hierbei nicht im Detail. Auch eine zu präzise Aufschlüsselung der Finanzströme kann zu Chaos führen. Die Devise lautet: „So viel wie nötig aber so wenig wie möglich“. 

Aber beachtest du diese Vorgaben, steht der Finanzmission nichts mehr im Wege – Du kannst loslegen! Beginne zunächst mit einer Übersicht, die deine fixen Einnahmen und Ausgaben auflistet. Zu den Fixkosten zählen alle Beträge, die du monatlich zahlst und so schnell nicht ändern kannst, wie beispielsweise Miete, Versicherung, DSL-Anschluss, usw. Subtrahierst du diese Summe von deinen Einnahmen, erhältst du den für das Haushaltsbuch relevanten Posten. Diesen Restbetrag kannst du monatlich frei verwalten – ob sparsam oder nicht, liegt in deiner Hand. Das Haushaltsbuch wird es jedenfalls schnell aufdecken.     

Varianten, ein Haushaltsbuch zu führen

  • Klassisch in Papierform: Stift und Papier sind alle Werkzeuge, die du jetzt benötigst. Falls du zu der Sorte Mensch gehörst, die im Nachhinein vieles vergisst, solltest du auf einen dicken Wälzer verzichten, damit du dein Haushaltsbuch auch außer Haus mitnehmen kannst. Anschließend kannst du mit der Kategorisierung beginnen. Durch das handschriftliche Erfassen und Berechnen deiner Ausgaben, bekommst du schnell einen direkten Bezug zu Zahlen. Außerdem kannst du dein Buch individuell gestalten, für die kreativen Köpfe ergibt sich vielleicht sogar ein physisches Erinnerungswerk. Andere veranlasst genau diese Eigenschaft zur Umstellung auf eine andere Methode. Nicht jeder möchte zusätzliches Gepäck. Zudem ist die Auswertung fehleranfällig, da du selbst für die Berechnung der Bilanz verantwortlich bist. Fazit: Mit günstigen und einfachen Mitteln schärfst du schnell deinen Blick für dein Konsumverhalten, eine sorgfältige Auswertung ist allerdings erforderlich.
  • Klare Strukturen durch Tabellenkalkulationsprogramme: Wer häufig mit Tabellen arbeitet, ist sicher auch mit der Anwendung der dafür notwendigen Programme vertraut. Während Apple-Fans üblicherweise das Programm „Numbers“ verwenden, ist Microsoft bekannt für „Excel“. Open Office bietet seinen Nutzern ein kostenloses Tabellenprogramm. Um Felder über die Subtraktions- oder Additionsformel direkt miteinander verrechnen zu können, solltest du die Basisfunktionen der Programme beherrschen. Aber keine Sorge, das ist kein Hexenwerk. Auch auf dem Smartphone lassen sich die Programme bedienen, dein Haushaltsbuch ist damit nicht an deinen Laptop gebunden. Denn wie üblich kannst du selbst Einfluss auf die Funktionen nehmen und dank der Programme veranschaulichende Grafiken erstellen. Mehr Aufwand? Der Schein trügt – die Kalkulation der Kosten erfolgt automatisch, wodurch du dir viel Zeit sparst.
  • Buchführung per App: Das Smartphone ist immer und über all dabei. Perfekte Ausgangslage also für ein mobiles Haushaltsbuch. Es lässt sich problemlos in den Alltag integrieren und du kannst deine Ausgaben sofort eintragen. Zudem hast du so immer und überall den Überblick. Möchtest du dir etwas gönnen, bist dir aber nicht sicher, ob dein Budget das hergibt, dann wirf einfach einen Blick in deine App.

Haushaltsbuch per App führen

Wir haben einen Blick auf einige Apps für die Budgettierung geworfen und die Vor- und Nachteile aus unserer Sicht aufgelistet.

Wallet von Budgetbakers

Pro     

  • Kosten: kostenlos für Android, iOS
  • Eingabe: neben händischer Eingabe Import von Listen möglich
  • Bedienung: einfach
  • Kategorien: häufig verwendete Kategorien verfügbar, individuell gestaltbar
  • Währung: unterstützt mehrere Währungen
  • Extra Tools: Statistiken abfragen, Zahlungen planen, finanzielle Limits/Ziele festlegen, Einkaufsliste erstellen, Kundenkarten verwalten, Daueraufträge einrichten, Zahlungsmethode angeben
  • Bewertungen: 4,5 Sterne im App Store
  • Werbung: keine
  • Sicherheit: erhöht durch Pin oder Fingerabdruck

Contra

  • Kosten: nur Premiumversion bietet Synchronisierung mit Konto
  • Darstellung: wirkt überladen
  • Datenverarbeitung: Daten werden zwar nicht mit Dritten geteilt, aber zur Analyse des eigenen Nutzungsverhaltens verwendet

Money Manager

Pro     

  • Kosten: kostenlos für Android, iOS
  • Eingabe: händische Eingabe, sehr detaillierte Datenerfassung
  • Kategorien: sehr detailliert aufgeschlüsselt, individuell gestaltbar
  • Währung: unterstützt mehrere Währungen
  • Extra Tools: Eingaben mit Kommentaren versehen, Statistiken abfragen, Daueraufträge einrichten, Daten exportieren, Erinnerungsalarm, Zahlungsmethode angeben
  • Bewertungen: 4,2 Sterne im App Store
  • Sicherheit: erhöht durch Pin oder Fingerabdruck

Contra

  • Kontenzugang: Synchronisierung mit Konten nicht möglich
  • Bedienung: komplex aufgrund der hohen Datenmenge, zeitaufwändig
  • Darstellung: unübersichtlich
  • Werbung: in der kostenlosen Version vorhanden
  • Datenverarbeitung: Daten werden innerhalb des Unternehmens zu Entwicklungszwecken geteilt

SayMoney – Your finances

Pro     

  • Kosten: kostenlos für Android, iOS
  • Eingabe: händische Eingabe
  • Bedienung: einfach
  • Darstellung: übersichtlich
  • Kategorien: Zahlreiche Vorschläge und individuell gestaltbar
  • Währung: unterstützt mehrere Währungen
  • Extra Tools: Eingaben mit Kommentaren/Belegen versehen, Daueraufträge einrichten, Einkaufsliste erstellen, Zahlungsmethode angeben, Sprachsteuerung
  • Bewertungen: 4,5 Sterne im App Store
  • Werbung: keine
  • Sicherheit: erhöht durch Pin oder Fingerabdruck
  • Datenverarbeitung: Daten werden nur innerhalb der App gespeichert

Contra

  • Kontenzugang: Synchronisierung mit Konten nicht möglich
  • Sprachsteuerung: nur begrenzt möglich

My Wallet

Pro     

  • Kosten: kostenlos für iOS
  • Eingabe: händische Eingabe
  • Bedienung: einfach, intuitiv
  • Kategorien: Zahlreiche Vorschläge und individuell gestaltbar
  • Währung: unterstützt mehrere Währungen
  • Extra Tools: Eingaben mit Kommentaren versehen, Statistiken abrufen, Erinnerungsalarm einrichten, Zahlungsmethode angeben
  • Bewertungen: 4,6 Sterne im App Store
  • Sicherheit: erhöht durch Pin

Contra

  • Zugang: nicht für Android verfügbar
  • Kontenzugang: Synchronisierung mit Konten nicht möglich
  • Darstellung: veraltet
  • Werbung: vorhanden
  • Datenverarbeitung: Daten werden zwar nicht mit Dritten geteilt, aber zur Analyse des eigenen Nutzungsverhaltens verwendet

Auswertung deiner Ausgaben

Die Auswertung der Daten bildet schließlich die Zielgerade deiner Dokumentation. Ohne sie ergatterst du keinen Platz auf dem Podest. Das Haushaltsbuch soll schließlich dazu dienen, dass du konkrete Erkenntnisse aus deinem Konsumverhalten ziehen kannst. Entscheide dich deshalb für eine Buchführungsvariante, die dich anspricht und dir Spaß macht. Ist dir beispielsweise deine gewählte App zu unübersichtlich oder zu detailliert – weg damit! Du wirst sie nicht benutzen. Hast du deinen Favorit gefunden, solltest du nach der Auswertung drei Fragen im Kopf haben: Wo gibst du am meisten aus? Was sind deine Prioritäten? Welche Ausgaben lassen sich reduzieren?

Viel Erfolg!

Autorin: Verena Sepp

Fotoquelle: Photo by Green Chameleon on Unsplash

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