Der Phoenix ist ein mythisches Wesen. Was das mit Aktienkursen zu tun haben soll? Nun, eine ganze Menge. Denn Berechnungen zeigen, dass Märkte immer wieder zu ihrem Phoenix-Trend zurückkehren. Anleger können somit über- oder unterbewertete Indizes finden. Wir zeigen, wie das funktioniert.

Der Phoenix-Trend

Aus der griechischen Mythologie ist ein Vogel überliefert, der am Ende seines Lebens zu Asche zerfällt und aus dieser Asche ersteht er in einem ewigen Kreislauf wieder auf. Daher kommt auch das Sprichwort: “Wie ein Phoenix aus der Asche”. Genauso verhält es sich auch mit den meisten Aktienindizes. Irgendwann ist der Aufwärtstrend vorbei und sie stürzen ab – sie werden sozusagen Asche. Und aus dieser Asche erstehen sie jedes Mal wieder und erheben sich zu alter und sogar ganz neuer Größe. Daher gaben wir diesem Phänomen den Namen Phoenix-Trend.

Der Phoenix-Trend hilft Anlegern dabei, mehr aus ihrem Geld zu machen. Schauen wir uns also mal an, wie genau sich die Aktienindizes verhalten und was daran so spannend ist.

Dax

Seit dem Jahr 1959 gewann der Deutsche Aktienindex Dax bis Ende 2019 jedes Jahr im Schnitt 5,83 Prozent hinzu. Ende 2020 wäre der faire Wert nach der Rechnung bei 13.253 Punkten. Und hier sind wir ja erstaunlich nah dran. Denn am 14. Dezember notiert der Dax bei 13.315 Zählern. Allgemein sieht man am Dax-Chart, dass er seinem Phoenix-Trend ziemlich zuverlässig folgt. Er ist oft und länger leicht unterbewertet, nur um dann über seinen Trend zu schießen. Es zeigt sich also, dass der Dax sehr auf seinen Phoenix-Trend achtet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, so dürfte der Dax im Jahr 2030 bei rund 23.356 Punkten stehen.

Stand: 14. Dezember 2020 / Quelle: https://www.finanzen.net/index/dax/hochtief ; eigene Berechnungen

TecDax

Die Geschichte des TecDax reicht dabei noch nicht so lange zurück, wie die seines großen Bruders. Doch der deutsche Technologie-Index wächst dafür pro Jahr viel schneller. Denn zwischen seiner Auflage in 2003 und Ende 2019 resultierte ein jährlicher Gewinn von 12,49 Prozent. Ob der Index diese Zahl langfristig halten kann, steht noch in den Sternen. Vorerst passt dieser Trend aber, denn auch der TecDax pendelt verlässlich um seinen langfristigen Phoenix-Trend und sollte Ende 2020 bei fairen 3.239 Punkten stehen. Mitte Dezember steht der deutsche Technologie-Index bei 3106 Punkten, also etwas unterhalb des Trends, aber sehr gut im Soll. Sollte es so weitergehen wie gehabt, könnten in 2030 sogar ganze 10.508 Zähler auf dem TecDax-Tacho notieren. Vom heutigen Niveau aus wäre das fast eine Verdreifachung.

Stand: 14. Dezember 2020 / Quelle: https://www.ariva.de/tecdax-index/historische_kurse ; eigene Berechnungen

Dow Jones

Jetzt wird es spannend. Denn der amerikanische Leitindex kann auf die mit Abstand längste Historie zurückblicken. Seit 1896 gibt es Daten für die größten Unternehmen der USA. Und diese zeigen eindrücklich: Seit 125 Jahren schafft der Dow Jones im Schnitt pro Jahr einen Gewinn von 5,69 Prozent. So schaffte er es tatsächlich von 30 Zählen im Jahr 1896 auf über 30.000 Zähler bis 2020. Der faire Stand Ende diesen Jahres würde bei 30.284 Punkten liegen. Und ziemlich genau hier ist der Dow Jones ja auch Mitte Dezember, nämlich bei 30.019 Zählern. Dabei zeigt sich im Chart: Der amerikanische Leitindex ist die meiste Zeit unterbewertet und das sogar stark. Nur hin und wieder kann er sich zu seiner Phoenix-Linie emporarbeiten. Geht das so weiter, könnte das US-Leitbarometer in 2030 bei 52.669 Punkten stehen.

Stand: 14. Dezember / Quelle: https://www.boerse.de/historische-kurse/Dow-Jones/US2605661048 ; eigene Berechnungen

Nasdaq

Ein etwas anderes Bild bietet sich beim Technologie-Index Nasdaq. Hier sind die 100 größten Technologie-Unternehmen der USA versammelt. Und der Chart zeigt eindeutig: Der Index ist massiv überbewertet. Zwar schaffte der Index seit 1985 jedes Jahr 12,72 Prozent Rendite, doch das würde Ende 2020 erst zu 8.741 Punkten führen. Der Nasdaq notiert mittlerweile aber schon jenseits der 12.000 Punkte. Laut dem Phoenix-Trend ist das also viel zu hoch. Vielleicht bestätigt aber die Ausnahme auch nur die Regel. Dennoch sollten Anleger hier etwas Vorsicht walten lassen. Denn Anfang der 2000er Jahre stieg der Index auch mal deutlich schneller als seine langfristige Wachstums-Linie und kehrte dann später wieder zu ihr zurück.

Stand: 14. Dezember 2020 / Quelle: https://www.boerse.de/historische-kurse/Nasdaq-100/US6311011026 ; eigene Berechnungen

Was fängt man jetzt mit dem Phoenix-Trend an?

Vor allem langfristige Anleger sehen, dass sich die Investitionen lohnen. Denn die meisten Aktienindizes folgen ihrem langfristigen Trend – und der geht eindeutig aufwärts. Wer per Sparplan investiert, der findet durch den Phoenix-Trend eine Hilfestellung. Denn dieser zeigt ja ungefähr an, ob ein Index überbewertet oder unterbewertet ist. Je nachdem können Anleger mehr Geld in den Index einzahlen (Unterbewertung) oder auch weniger (Überbewertung).

Auch für Verkäufe können Anleger sich diesen Trend zunutze machen. Denn schießt der Index deutlich über seine Wachstumslinie hinaus, könnte das ein guter Verkaufszeitpunkt sein. Eine Garantie gibt es indes dafür nicht. Die Linie soll nur dabei helfen zu erkennen, wo wir uns ungefähr befinden.

Fotoquelle: Photo by Zach Lezniewicz on Unsplash

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