Wer Geld anlegt, muss nicht zwingend Kenner sein. Der ETF-Pionier John Bogle hat Regeln verfasst, die auch für Einsteiger gelten. Wir zeigen, auf welche Regeln es für ETF-Kleinanleger genau ankommt.

Die Situation kennen Sie vielleicht. Sie klicken sich durch ihr Depot, überlegen hin und her und fragen sich wieder und wieder: Wie soll ich mein Geld anlegen? John Bogle, der Erfinder der ETFs, hat Regeln aufgestellt, die Ihnen helfen können, eine Entscheidung zu treffen. Der im vergangenen Jahr verstorbene Bogle war Princeton-Ökonom. Er gründete den US-Vermögensverwalter Vanguard. Sechs Herzanfälle erlitt er. Trotz seines Erfolgs als Investor vergaß Bogle den Kleinanleger nicht. Das britische Wochenmagazin „The Economist“ kürte ihn deshalb zum „Schutzpatron des Kleinanlegers“. Das sind Bogles Regeln.  

Regel 1: Wählt günstige Fonds

Fonds verursachen Kosten, das ist bekannt. Wer Fonds kauft, muss in der Regel eine Gebühr zahlen, den sogenannten Ausgabeaufschlag. Dazu kommen laufende Kosten, zu denen unter anderem die Verwaltungsgebühren zählen. Fondskosten sind komplex. Stark vereinfacht kann festgehalten werden, dass ETFs jährlich deutlich weniger laufende Gebühren verursachen als aktiv verwaltete Fonds. Wenn nun die Wahl eines ETF ansteht, sollten Anleger einen günstigen auswählen, schreibt Bogle. Eine niedrige Gesamtkostenquote, die auch als Total Expense Ratio (TER) bekannt ist, sei die wichtigste Ursache, dass ein Fonds sich rentiere. Die Kosten eines Fonds finden sich in den Anlegerinformationen.

Regel 2: Berücksichtigt Beratungskosten

Viele Anleger sind auf Berater angewiesen. Diese könnten helfen, eine langfristige Anlagestrategie zu entwickeln und umzusetzen, schreibt Bogle durchaus anerkennend. Er weist jedoch auch darauf hin, dass Anleger stets wissen sollten, wie hoch die Beraterkosten seien. Die Kosten wirkten sich schließlich auf die Erträge aus. Wer mehr Informationen zu Vermittlungsprovisionen sucht: Die Website der Verbraucherzentrale zeigt, wie hoch diese normalerweise ausfallen. Bei Aktienfonds schätzt die Verbraucherzentrale die Vermittlungsprovision beispielsweise im Durchschnitt auf rund fünf Prozent.

Regel 3: Überbewertet die Fondshistorie nicht

Nur weil ein Fonds in der Vergangenheit überdurchschnittliche Kursgewinne erbrachte, sind diese nicht künftig garantiert. Bogle weist darauf hin, dass sich erfolgreiche Fonds mit der Zeit meist verschlechterten. Unterdurchschnittliche Fonds näherten sich im Gegenzug meist dem Durchschnitt an. Welchen Schluss sollte man aus dieser Beobachtung ziehen? Bogle hat einen einfachen Rat: Man solle einst erfolgreiche Fonds ignorieren, deren Kurswerte mehr und mehr abnehmen!

Regel 4: Nutzt die Fondshistorie

Stimmt, eben wurde noch davor gewarnt, ehemalige Kurszahlen überzubewerten. Das heißt trotzdem nicht, dass diese ignoriert werden sollten. Der Blick auf vergangene Kursverläufe ermögliche Anlegern, die Beständigkeit eines Fonds einzuschätzen, schreibt Bogle. Wer genau wissen will, wie erfolgreich einzelne Fonds in den vergangenen Jahren im Vergleich abgeschnitten haben, muss meist für Analysedienste bezahlen. Einen ersten, kostenfreien Überblick bietet unter anderem der US-Dienst Morningstar, der Fonds am Ende jedes Monats in Sternen bewertet. Besonders erfolgreiche Fonds einer Klasse erhalten dabei fünf Sterne, die schlechteste nur einen. Für das Unternehmen spricht, dass es seine Bewertungen nicht im Auftrag von Fonds-Herausgebern vornimmt. Am Ende von Kapitel 4 steht eine Warnung Bogles: Der kluge Anleger bedenke stets Risiken. Eine Garantie für steigende Kurse gebe es entgegen aller Erwartung nicht!

Nicht nur ETF-Kleinanleger Regeln: Was Anleger außerdem brauchen

Bogle beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Eigenschaften einen guten Anleger auszeichnen. Benötigt werde ein gesunder Menschenverstand, Sparsamkeit, eine realistische Erwartungshaltung, Geduld und Durchhaltevermögen. Mehr Tipps zum Anlegen gibt es hier.

Die genannten Regeln stammen aus Bogles Buch „Common Sense on Mutual Funds“, das 2010 vom US-Verlag Wiley neuaufgelegt wurde. Das wissenschaftliche Werk ist auf Englisch verfasst und hat 622 Seiten.

Zu Teil 2 der ETF-Tipps geht es hier.

Autor: Lukas Müller

Fotoquelle: Photo by Ian Barsby on Unsplash

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