Diesen Gegenwind haben viele bereits in den vergangenen ein bis zwei Jahren gespürt: Zunehmend mehr Menschen wenden sich von den riesigen Weltkonzernen ab und möchten öfter regional produzierte Waren kaufen. Nun bestätigt eine neue Studie, dass das weltweit geschieht. Und die Experten zeigen, warum kleine Small Caps davon profitieren.

Weltkonzerne leiden unter Deglobalisierung

In der Studie “Can big companies survive localisation” (Deutsch: Können große Unternehmen die Lokalisierung überleben) schreiben die Experten von DB Research , dass die Deglobalisierung in vollem Gange ist: “Große Unternehmen haben die letzten Jahrzehnte der Globalisierung genossen, da sie über die Ressourcen verfügen, um in globale Lieferketten und Unternehmen zu investieren.” Aber durch die Covid-19-Pandemie endete das aktuelle Globalisierungzeitalter und das Zeitalter der Unordnung brach in 2020 laut der Deutschen Bank an.

Dazu sagen die Experten: “Covid-19 hat die Deglobalisierungsbewegung beschleunigt, da die Lieferketten auf den Kopf gestellt wurden, das geopolitische Risiko gestiegen ist und ESG-bewusste Kunden Unternehmen dazu gedrängt haben, “flexibler” und lokaler zu sein.”

Insgesamt zeige sich also, dass die großen Weltkonzerne, welche auf der ganzen Welt produzieren lassen und viele verschiedene Märkte bedienen, in Zukunft mehr Schwierigkeiten bekommen könnten. Nutznießer davon sollen die kleineren Unternehmen – sogenannte Small Caps – sein. Aber was sind denn nun genau die Gründe dafür, dass große Unternehmen mehr Schwierigkeiten bekommen dürften?

5 Gründe gegen die Weltkonzerne

  1. Sinkende Ausländische Direktinvestitionen: Dabei investieren Unternehmen Geld im Ausland in dortige Unternehmen und Produktionen, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen: Neue Absatzmärkte, günstige Arbeitskräfte und Steuervorteile. Die Studie zeigt, dass vor allem in China sehr viel aus dem Ausland investiert wurde und dieses die Gewinne der investierenden Unternehmen nach oben trieb. Doch durch Corona sollen die Ausländischen Direktinvestitionen um 40 Prozent in 2020 fallen. Dazu schreibt DB Research: “Dieser Rückgang der Ausländischen Direktinvestitionen dürfte mit ziemlicher Sicherheit die EBITDA-Margen großer Unternehmen senken.” Dabei ist EBITDA der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Große Unternehmen werden also weniger Geld verdienen.
  2. Die steigenden Löhne in China: Sehr viele Unternehmen haben in den letzten Jahrzehnten von den vielen chinesischen Arbeitskräften profitiert, die zudem oft schlecht verdient haben. Das ändert sich jetzt. Dadurch können Großkonzerne nicht mehr so günstig produzieren.
  3. “Der dritte Deglobalisierungsfaktor, der sich gegen große Unternehmen richtet, ist die plötzliche Eskalation der ESG-Investoren, die sich auf Lieferketten und mitarbeiterbezogene Pandemieprobleme konzentrieren.” Durch die Umwelt-, Sozial- und Verhaltensregeln enorme Arbeit und Verantwortung auf die Weltkonzerne zukommt, sorgt das für viele Mehrkosten und einen großen zusätzlichen Zeitaufwand.
  4. Politischer Gegenwind: Immer mehr Regierungen wollen, dass ihre inländischen Unternehmen mehr im Inland produzieren, um hier die Arbeitsplätze zu erhalten. Zudem dürften Unternehmen in Zukunft höher besteuert werden.
  5. “Die fünfte Kraft, die gegen große Unternehmen läuft, sind die Kunden selbst. In der Tat rebellierten Kunden bereits vor der Pandemie gegen große Unternehmen. Dieser Trend hat sich seit dem Ausbruch der Pandemie noch beschleunigt.

Was sind Small Caps? Und wieso sollten die profitieren?

An der Börse gibt es sogenannte Large Caps, Mid Caps und Small Caps. Diese beziehen sich auf die Marktkapitalisierung (Anzahl Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs der Aktie) des Unternehmens. Small Caps bilden dabei die kleinen Unternehmen ab. Sie sind nicht winzig, haben aber laut Definition nur etwa einen Börsenwert von unter einer Milliarde Dollar. In der Realität schwankt dieser Wert aber. Small Caps sind also einfach kleinere Unternehmen an der Börse.

Aber warum sollen die jetzt profitieren? Nur, weil es den Großkonzernen schlechter gehen könnte? Die Experten der Deutschen Bank führen zwei fundamentale Vorteile für die Small Caps ins Feld:

  • “Im Wesentlichen ist es so, dass sie nicht durch ihre Skaleneffekte belastet werden. Das heißt, sie haben keine großen Investitionen in Lieferketten, Fabriken und Personal in verschiedenen Regionen, die bewegt werden müssen”, schreiben die Analysten. Denn eine Herausforderung in Zukunft wird sein, lokaler zu produzieren. Unternehmen, die aber riesige Anlagen in aller Welt haben, können die ja nicht einfach abbauen und woanders wieder aufbauen. Und das Personal lässt sich auch nicht so einfach mitnehmen. Kleinere Unternehmen sind hier agiler. Sie haben solche riesigen Fabriken erst gar nicht.
  • Der zweite Faktor, der für die kleinen Unternehmen spricht besteht darin, dass sie weniger unter Druck stünden, “ihre Geschäftstätigkeit in Form teurer ungenutzter Kapazitäten zu stabilisieren”. Bedeutet: Große Unternehmen stehen unter dem Druck, ihre Kapazität aufrechtzuerhalten, damit die Lieferkette funktioniert. Kleine Unternehmen können sich schneller verkleinern und sparen dadurch Geld. So folgern die Experten: “Kleine Unternehmen stehen normalerweise weniger unter dem Druck, teure Kapazitätsreserven in ihre Lieferkette einzubauen.” Vorausgesetzt, es kommt erstmal nicht mehr zu einem Zusammenbruch der Lieferketten, kommt es Unternehmen, die Kapazitäten aufbauen, teurer zu stehen als denen, die darauf verzichten.

Warum Small Caps Gewinner sind

Unsere Wirtschaft dürfte sich in den kommenden Monaten also verändern. Große Weltkonzerne stehen vor mehr als einer Herausforderung Natürlich können auch diese sich ändern und mehr auf die Lokalisierung eingehen. Doch sie haben es deutlich schwerer, es wird sie mehr Zeit und Geld kosten, um sich an die neuen Bedürfnisse anzupassen.

Small Caps wird diese Umstellung leichter fallen. Vielleicht arbeiten sie bereits heute schon viel lokaler. Anleger können auf Blue Chips in einer ausgewogenen Anlagstrategie nicht verzichten. Doch eine Beimischung von kleineren Unternehmen könnte sich durchaus lohnen. Small Caps könnten die Gewinner der Zukunft sein.

Fotoquelle: Photo by James Pond on Unsplash

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