Run auf die Börse oder doch eher bescheidene Zurückhaltung und lieber langfristig in Aktien investieren? Eine Klassifizierung der Anleger-Typen

Auch wenn viele es augenzwinkernd als softe „Börsenpsychologie“ abstempeln – selbst unter Experten ist die Einteilung von Anlegern in verschiedene Typen nicht neu. Auch beim Erst-Gespräch mit dem Bankberater ist es wahrscheinlich, dass erst einmal umfassende Persönlichkeits-Fragen gestellt werden, die bisweilen einem psychologischen Verhör ähneln.       

Der Konservativ-Anleger                                                      

Wer etwa im Allgemeinen Wert auf Stabilität legt und auch sonst eher mit dem Kopf statt Bauch denkt, sollte sich beim Aktienkauf auf solche Unternehmen konzentrieren, über deren Hintergrund er gut informiert ist. Diese Käufe kann er dann beruhigt für die nächsten Jahre liegen lassen.

Denn das ist das vorrangige Ziel des Kopfmenschen, Rationalisten, auch Konservativ-Anleger genannt: Möglichst wenige Risiken eingehen und möglichst viel Kapital durch sichere Zinsen erhalten – und daher auf dem Aktienmarkt nur das Nötigste versuchen. In der Tat investieren die Konservativ-Anleger hier nicht nur wenig Geld, sondern auch wenig Zeit. Im Zweifelsfall wird auf den Bankberater vertraut, der bei Handlungsbedarf eingreifen und über das Börsen-Geschehen auf dem Laufenden halten soll.                                                                                                                                        Tipp: Langfristige Orientierung, auch im Hinblick auf die Altersvorsorge, ist zwar löblich, aber der sichere Rahmen kann durch ein paar gewagtere Aktien hier und da ruhig aufgestockt werden – vor allem solche, die nicht auf Empfehlung des langjährig vertrauten Bankberaters erfolgen. Spart Beratungs-Gebühren und erhöht die Chance auf kurzfristige großzügige Rendite.

Der Rendite-Typ

Schon um einiges abenteuerlustiger zeigt sich der rendierte-orientierte Typ: Zwar möchte auch er mit möglichst sicheren Investitionen an der Börse starten, jedoch ist er bereit, auch kurzfristig gewinnversprechende Aktien in sein Portfolio aufzunehmen. Dafür setzt er sich zumindest wöchentlich mit dem Geschehen auseinander und analysiert die Entwicklungen seiner bisherigen Geld-Geschäfte. Bevorzugt werden vor allem Aktien mittelständischer Unternehmen aus dem DAX und MDAX.           

Tipp: Gerne mal bei ausländischen Aktien herumtüfteln, denn diese könnten die mittelfristig angestrebte Performance durchaus stützen. Ein paar neue aufstrebende Unternehmen im Blick zu behalten ist gut, allerdings sollte man sich der rendierte-orientierte Anleger hierbei auf eine limitierte Auswahl beschränken und die Käufe nicht hektisch überhandnehmen lassen.

Der Spekulant

So etwas ist nämlich für den ungeduldigen Kollegen aus der Spekulanten-Ecke reserviert: Mehrmals täglich checkt er das Treiben an der Börse ab, um kurzfristige Gewinne einzuheimsen, nachts schichtet er sein Aktien-Portfolio um anstatt zu schlafen. Langfristige Unternehmenstreue vermeidet er, um genügend Spielraum für seine Day-Trading-Geschäfte zu haben. Dabei packt er aus In-und Ausland alles ins Portfolio, was aussichtsreich erscheint.

Tipp: Natürlich ist die Chance auf satte Rendite für denjenigen am höchsten, der hoch pokert – aber auch die Verluste treffen eben am härtesten. Es muss ja nicht immer gleich das risikoreichste Start-Up  sein – auch Aktien von alteingesessenen Unternehmen, die seit Jahren am Markt sind, können gute Gewinne einbringen.

Am Ende eher eine Mischung?

Natürlich bewegt sich die Einteilung der Anlage-Typen nicht in strikten Schwarz-Weiß-Mustern. Die Frage, welcher Anleger-Typ man ist, kann also vermutlich nicht immer zweifelsfrei beantwortet werden.

Die meisten werden sich wohl eher einer Mischung aus zwei Arten zuordnen können und auch diese über die Jahre noch einmal revidieren. Denn mit der Lebensphase verändern sich finanzielle Bedürfnisse und Voraussetzungen; ergo ist auch das Anlageverhalten einem stetigen Wandel unterworfen. Wer noch mit 21 Jahren das Ziel der Altersvorsorge eher weniger priorisiert und sich durchaus an Spekulations-Spielchen probiert, wird mit zunehmendem Alter auf einen Umgang mit stabilen Aktien setzen, die sich auch in den letzten Jahren für ihn bewährt haben.

Allerdings kommt es letzten Endes immer noch darauf an, wie man grundsätzlich veranlagt ist: So investieren gefuchste Aktien-Experten gerade mit zunehmendem Alter in hoch-spekulative Objekte, haben dafür aber auch über Jahrzehnte hinweg enormes Wissen angesammelt und sind mit komplexen Analyse-Methoden bestens vertraut.

Es stimmt schon– wenn es um die richtige Anlageweise in Aktien geht, trifft man nicht gerade die einfachsten Entscheidungen im Leben. Doch gerade darin liegt der Reiz im Aktiengeschäft, der so viele in seinen Bann zieht und –spätestens – gegen Lebensende ja auch entsprechend entlohnt 

Welcher Anleger-Typ bist du?

Der KonservativeDer Rendite-OrientierteDer Spekulant/Day-Trader
Hohe Sicherheit, langfristige Rendite
Mittelfristige Performance, Spekulation im Rahmen möglich
Kurzfristige Investition, keine Kapitalbindung
Inlandsaktien, auf DAX basierendDAX, MDAX (Aktien mittelständischer Unternehmen)Ausschweifendes, global angelegtes Aktien-Portfolio: Emerging Markets, Start-Ups besonders im Technologie-Sektor
Garantie-Fonds, Spareinlagen, festverzinsliche Finanzprodukte
Zertifikate mit mittlerem Risiko, Rohstoff-AktienAktienfonds, Forex, CFDs, binäre Optionen (nur für professionelle Anleger)
Wenig Zeitaufwand für Aktien-Geschehen, oftmals Beratung durch Bankberater
Wöchentliche Analyse, moderates FinanzwissenTägliche Kontrolle und Depot-Veränderung, ausgefeiltes internationales Aktien-Wissen  
Risikoarme Erhaltung des Kapitals Gewinne für Altersvorsorge
 
Rendite über durchschnittlicher Zinsentwicklung  Kurzfristige Gewinne, überdurchschnittlicher Vermögenszuwachs  

Fotoquelle: Photo by Markus Spiske on Unsplash

Co-Autorin: Franziska Sittig

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