Die Corona-Pandemie hat die Urlaubspläne der Deutschen kräftig durcheinandergebracht. Durch den Wiederanstieg der Infektionen dürfte die Lage im Herbst nicht einfacher werden. Diese neuen Regeln müssen Reisende nun beachten.

Was haben ein Wochenendtrip nach Paris, eine Wandertour durch Tirol und ein Strandurlaub an der belgischen Nordseeküste gemeinsam? Klar, es sind allesamt schöne Ausflugsziele, doch leider sind alle drei Regionen auch Risikogebiete. Die Beispiel zeigen, dass man sich im Corona-Herbst so einigen Fragen stellen muss, bevor man einen Urlaub plant oder antritt. Dies sind aus unserer Sicht die wichtigsten.

Wird Reisen im Herbst schwieriger?

Leider sieht es im Moment danach aus. In vielen Ländern steigen die Infektionszahlen stark an. In Frankreich erreichte die Zahl der Neuinfektionen vergangene Woche einen neuen Rekordwert, in der spanischen Hauptstadt Madrid wurden Ausgangssperren für Zehntausende Menschen verhängt und in Israel herrscht bereits ein zweiter landesweiter Lockdown. Die Bundesregierung schätzt derzeit mehr als 100 Länder und Regionen als Risikogebiete ein. Das heißt, dass das Infektionsgeschehen dort über der kritischen Marke von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt. Mittlerweile zählen zum Beispiel ganz Spanien und Belgien sowie fast ganz Frankreich dazu.

Die Aussichten für die kalte Jahreszeit sind momentan eher pessimistisch. “Sollte es bei der aktuellen Grenzwert-Regelung und tendenziell steigenden bzw. hohen Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit bleiben, dürften im Winterhalbjahr 2020/21 immer mehr Länder und Regionen in der EU mit einer Reisewarnung belegt werden”, heißt es in einer Analyse der Deutschen Bank.

Wohin kann ich jetzt noch reisen?

Grundsätzlich überall hin. Eine Reisewarnung ist kein Verbot. Vielmehr “handelt es sich um einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, entsprechende Reisen nicht zu unternehmen”, heißt es auf der Website des Ministeriums. Schließlich soll die Weiterverbreitung des Virus durch diese Maßnahme gestoppt werden.

Nach dem Ausbruch der Pandemie im März 2020 sprach das Auswärtige Amt erstmals eine weltweite Reisewarnung für das außereuropäische Ausland aus aus. Seit dem 1. Oktober gelten nun wieder differenziertere Reisehinweise für alle Länder. Das hat insbesondere für Pauschalreisende einen Nachteil. Wer eine Pauschalreise nach Georgien gebucht hat, kann künftig nicht mehr ohne weiteres kostenlos stornieren. Stattdessen gilt der Stornoanspruch nur noch für offizielle Risikogebiete.

Wohin kann man im Herbst also noch guten Gewissens reisen? Das bisher einzige der neun Nachbarländer der Bundesrepublik, das derzeit nicht auf der Liste der Risikogebiete steht, ist Polen. Innerhalb der EU gelten außerdem im Moment keine Reisewarnungen für Italien, Griechenland, Zypern und Malta. Doch die Lage ist weiterhin fragil und kann sich von Tag zu Tag ändern. Urlauber sollten daher verfolgen, wie sich die Situation vor Ort entwickelt. Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes werden regelmäßig aktualisiert.

Was muss ich bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet beachten?

Sollte man dennoch in ein Risikogebiet reisen, muss man bei der Rückkehr nach Deutschland bestimmte Regeln beachten. Wichtig ist, sich sofort beim zuständigen Gesundheitsamt im Wohnort zu melden und die Aufenthaltsadresse anzugeben.

Bis zum 1. Oktober war ein Corona-Test nach der Rückkehr verpflichtend. Diese Pflicht entfällt im Herbst. Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich stattdessen umgehend in häusliche Quarantäne begeben. Diese kann man frühestens nach fünf Tagen verlassen, indem man einen negativen Corona-Test vorlegt. Die Kosten dafür (in der Regel etwa 120 Euro) muss man selbst tragen.

Die Regeln gelten aber nur, wenn man sich tatsächlich in dem Risikogebiet aufgehalten hat. Wer also zum Beispiel Tirol nur im Auto auf der Durchreise durchquert hat, muss nicht in Quarantäne.

Weitere wichtige Informationen finden Reisende auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

Sollte ich besser zu Hause bleiben?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat den Deutschen ausdrücklich geraten, im Herbst nicht ins Ausland zu reisen. „Man kann ja auch Urlaub im Inland machen“, sagte er vergangene Woche. Die große Mehrheit der Bundesbürger scheint dieser Empfehlung zu folgen: 81 Prozent wollen laut einer Kantar-Umfrage für das Nachrichtenmagazin FOCUS die Herbst- und Winterferien in Deutschland verbringen.

Schlussendlich ist dies aber eine individuelle Entscheidung. Wer sich vorsichtig verhält und die geltenden Regeln beachtet, kann durchaus einen ersehnten Auslandsurlaub antreten. Man muss dabei aber auf jeden Fall die möglichen Komplikationen im Anschluss bedenken. So heißt es auch im DB Research-Bericht: “Letztlich wägen Menschen bei ihren täglichen Entscheidungen stets den Nutzen ihres Handelns gegenüber den Kosten und Risiken ab – zumeist vollkommen unbewusst. Bei Reisen in Zeiten von Corona werden wir künftig schlicht mehr darüber nachdenken.”

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