Mit Geld können wir uns schöne Dinge kaufen. Der Wert der Scheine hat für unser tägliches Leben aber eine viel größrere Bedeutung, die über den bloßen Gütererwerb hinausgeht – und für viele Menschen sogar sinnstiftend ist.

Glück kann man mit Geld nicht kaufen, das hat sich auch im Jahr 2020 nicht geändert. Auf unser Wohlbefinden haben die grünen Scheine aber durchaus Auswirkungen. Die Corona-Krise hat vielen Menschen die finanzielle Grundlage entzogen und und existentielle Sorgen befeuert.

Vor allem Menschen mit Verantwortung für Familienmitglieder treffen solche Veränderungen im Geldbeutel besonders hart, wirbeln den Alltag durcheinander und können sogar die geistige Gesundheit beeinträchtigen. Geld bedeutet hier Sicherheit. Finanzen spielen in unseren Gefilden aber nicht nur eine Rolle, wenn es darum geht, ein Gefühl der Sicherheit zu erzeugen. Immerhin dreht sich gerade bei Menschen mit einem guten Einkommen ebenso vieles um Geld. Das hat dann jedoch weniger mit existentielle Gründe zu tun. Vielmehr hat Geld unterschiedlichste psychosoziale Bedeutungen, die je nach Lebenssituation den Einzelnen mal mehr oder weniger beeinflussen und unsere Gesellschagt mitformen

Scheine machen Leute

Erfolg, Sicherheit, Anerkennung. Als Statussymbol hat Geld eine lange Tradition und ist ebenso stark verknüpft mit Emotionen wie Neid oder Stolz. Wir vergleichen uns gerne – und natürlich auch unser Geld. Halt macht dieser Vergleich vor niemandem. Immerhin gilt es heute immer noch für viele Männer als Makel, weniger zu verdienen als Frau oder Freundin. Dass viele Menschen lieber in schlecht bezahlten Jobs schuften als gar nicht zeigt auch, dass wir unseren Selbstwert an unsere Finanzen knüpfen. Immerhin steckt hinter der Frage “Und, was machst du so” nicht selten der implizite Vergleich mit dem eigenen, auch finanziellen, Status.

Der Forscher Christopher Broyce von University of Warwick konnte diesen umstand sogar wissenschaftlich belegen. In einer Studie mit 12 000 Menschen wurde der Zusammenhang zwischen Gehältern und Lebenszufriedenheit abgefragt. Resultat: Nicht die Menge des Geldes sagt etwas über das Wohlergehen aus, sondern der Rang im Gehaltsvergleich. Glücklicher sind wir also, wenn wir mehr bekommen als der Typ, dem wir obige Frage gestellt haben.

Fast schon paradox, dass wir trotzdem in der Öffentlichkeit nur selten über Geld reden – ob privat oder im Beruf. Aber auch hier zeigt sich der Wert des Geldes auf unser Leben, wenn Finanzen sogar schon eigene Normen etablieren. Kein Wunder also, das Geld haben beziehungsweise immer mehr verdienen für Menschen sinnstiftende Aspekte ihres Lebens sind. Wer Geld hat, kann mitreden und wer nicht reden kann, verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Damit wäre die Geschichte aber zu einfach erzählt.

Viele Menschen mögen ihren Job, möchten dafür aber auch entsprechend entlohnt werden. Häufig ist hier das Geld ein Zeichen von Wertschätzung. Ist diese nicht vorhanden, steigt schnell der Frust und auch Arbeit, die eigentlich Spaß macht, kann so zu einer Qual werden. Gehalt dient hier nicht zum Vergleich mir anderen, sondern zur Bestätigung des eigenen Wertes.

Wenig Geld, viel Sinn?

Nicht jeder macht sich aber von Münzen abhängig. Viele Menschen erkennen im Laufe ihres Lebens, dass Geld verdienen nur um des Geldes Willen kein langfristiges Wohlergehen bringt. Ihren gut bezahlten Job hängen sie an den Nagel und schulen um. Auch hier stiftet Geld Sinn, nur eben umgekehrt. Geld wird nicht mehr als treibende Kraft hinter der Berufswahl gesehen, sondern als Aspekt unter vielen, die einen Beruf attraktiv machen können.

Im Vordergrund steht dann jedoch die nachhaltige Wirkung der Berufung für die Gesellschaft. Aus der extrinsischen wird eine intrinsische Motivation. Dabei stellen wir aber nicht den Wert des Geldes in Frage, sondern vor allem seine Funktion als Statussymbol und den Vergleich mit anderen Menschen. Laut vieler Jobcoaches sind es vor allem Menschen ab 35, die sich umorientieren, ihre Präferenzen ändern und für einen neuen Job auch mit weniger Gehalt planen. Das setzt natürlich voraus, dass man im bisherigen Leben schon gut gewirtschaftet hat, um sich diese Haltung zu erlauben. Selbst wer frei von Geld leben möchte, muss in diesem Fall also schon etwas verdient haben.

Geld verdienen ist also in jeder Lebenslage wichtig – selbst wenn man sich nicht ständig davon abhängig machen möchte. Und vielleicht findet man sich dadurch sogar selbst.

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