Nicht aller Anfang ist schwer. Der Einstieg an der Börse kann schnell gelingen und ist zumindest nicht so kompliziert, wie viele glauben. Kleingeldhelden-Autor Max Fischer berichtet von seinen Erfahrungen mit dem lieben Geld.

Lange habe ich mir damit schwer getan. Geld sparen und an der Börse anlegen, das war für mich, wie für viele Deutsche, eine heikle Sache. Zu undurchsichtig ist für Laien der Finanzmarkt – und für mich damit auch. Mit Begriffen wie ETF, Rendite und KGV konnte ich nicht viel anfangen. Und wer will sich schon nach der Arbeit noch durch diese Fachbegriffe wühlen, um am Ende doch nur unwesentlich mehr über den Finanzmarkt zu wissen? Kurz gesagt, die Mühe habe ich mir lange nicht gemacht. Dass mein Geld auf dem Sparbuch und Girokonto keine großen Sprünge machte beziehungsweise zusammenschrumpfte, kümmerte mich wenig, immerhin hatte ich immer genug auf der hohen Kante.

Sparen war nie mein Problem, zum Ende des Monats hatte ich sogar während meiner Ausbildung immer etwas Geld über – trotz Miete, Essen und dem einen oder anderen Restaurantbesuch. Das Potenzial meiner Sparsamkeit war mir dabei lange nicht bewusst und etwas an der Börse versuchen wollte ich nicht. Horrorgeschichten von Totalverlusten beim Aktienhandel waren in meinem Kopf weit präsenter als weitsichtige Geldanlage mit einer klaren Strategie. Ehrlich gesagt war mir zu dieser Zeit auch gar nicht bewusst, dass es an der Börse nicht nur um alles oder nichts geht, dass Daytrading nur etwas für Profis ist und man Anlagen als Anfänger lieber möglichst lange halten sollte.

Kurz gesagt: Ich hatte keinen Plan von Wertpapierhandel und Aktien waren für mich ein zwar reizvoller, aber nicht mit realistischen Ambitionen besetzter Begriff. Das war alles übrigens nicht vor zwanzig Jahren, sondern vor vier.

Mein persönliches Börsenwunder

Denn vor vier Jahren kam ich mehr oder weniger per Zufall beruflich mit Finanzen und der Börse in Berührung. Das war damals jedoch kein einfaches beschnuppern, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser. Ich musste mich extrem schnell mit allen möglichen Zusammenhängen der Finanzbranche auseinandersetzen, paukte nach der Arbeit Finanzbegriffe und entdeckte mit ETFs und Zertifikaten viele Finanzprodukte, die mir vorher überhaupt kein Begriff waren. Meine Begeisterung war geweckt. Auch privat beschäftigte ich mich plötzlich mehr mit Unternehmensbilanzen und studierte die Auf und Abs ihrer Kursbewegungen. Mit Finanzen schien es wie mit vielen anderen Dingen im Leben: Reinkommen ist nicht schwer, das Meistern der Wertpapiere aber ist ein lebenslanger Prozess.

Ein kleiner Schubs hatte also gereicht, um mein Interesse für die Börse zu wecken. Die erste Hürde war genommen. Trotzdem dauerte es noch etwas, bis ich mich dann für mein erstes Finanzprodukt entschieden hatte und den Sprung ins mittlerweile nur noch lauwarme Wasser wagte.

Die erste Geldanlage

In diesem Jahr war es dann soweit. Ich wollte investieren und mein Erspartes nicht nur auf dem Konto liegen lassen. Da ich zur gleichen Zeit auch zum Kleinunternehmer wurde, war mir eine Risikoanalyse wichtig, um einschätzen zu können, wieviel Geld ich tatsächlich investieren möchte. Die könnt ihr zum Beispiel im Netz machen und bekommt so eine Einschätzung, wie risikofreudig ihr bei der Geldanlage seid oder sein solltet.

Mir war relativ schnell klar, dass ich zunächst keine großen Summen anlegen wollte, sondern kleinere Beiträge, die monatlich von meinem Konto in die Anlage fließen. Außerdem wollte ich nicht auf Einzelaktien setzen, da mir die Volatilität zu sehr aufs Gemüt geschlagen hätte und ich an einer langfristigen Geldanlage interessiert war, die auch als Altersvorsorge in Frage kommen könnte. Ein Sparplan war für mich die beste Alternative, 50 Euro im Monat auf einen ETF, der den MSCI World abbildet.

Der MSCI World gilt aufgrund seiner breiten Streuung über zahlreiche Geschäftsfelder als relativ krisenfest. So große Gewinne wie mit anderen Anlagestrategien lassen sich zwar nicht realisieren, aber für Einsteiger ist der Index eine gute Wahl, da man auf lange Sicht auch Gewinne erwirtschaften kann, von denen Sparbücher nur träumen. Zusätzliches Geld unabhängig vom Sparplan kann ich übrigens immer noch einsetzen, aber zunächst war es mir wichtig, mit kleineren Beträgen Kursentwicklungen nach oben und unten zu beobachten.

Im Nachinein eine gute Idee. Ich verstehe jetzt, warum Trader kalte Füße bekommen, wenn ihr Wertpapier mal in den Keller geht. Unwohl fühlte ich mich schon, als nach den ersten zwei Wochen meine ersten 50 Euro zu 47 wurden. Mittlerweile sind 150 Euro eingezahlt und ich befinde mich wieder im Gewinnbereich. Schon jetzt habe ich das Gefühl, dass man an den kleinen Beträgen beobachten kann, wie sich Kursschwankungen auswirken. Nach oben und unten geht es immer, der Durchschnitt scheint sich aber langsam nach oben zu bewegen. Ob der Trend – gerade in Corona-Zeiten – anhält, weiß ich nicht. Bisher habe ich es aber nicht bereut, mein Geld nicht auf dem Konto liegen zu lassen.

Fotoquelle: Photo by Ave Calvar on Unsplash

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