Während Europa und vor allem die USA noch mit den Folgen der Corona-Virus-Krise zu kämpfen haben, kehren viele asiatische Länder und Unternehmen bereits zurück auf den Wachstumspfad. Wir zeigen, wie sich die Schwellenländer schlagen, ob sich ein Investment jetzt lohnen könnte und worauf Anleger besonders achten müssen.

Status Quo in den Schwellenländern

Zuletzt konzentrierten sich die Märkte und Analysten vor allem auf die Tech-Rallye in den USA. Aber wie sieht es eigentlich in den aufstrebenden Schwellenländern aus? Dazu erklärt Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank in seinem Podcast: „In China läuft es spektakulär gut. Die Börse ist deutlich angestiegen.  Da muss man aber auch immer drauf achten, auf welchen Index man guckt. Eher auf die Industriewerte im CSI 300 oder den ChiNext. Aber die Gewinnzahlen sind schon ordentlich. Das kommt daher, dass China viel früher aus der Krise herausgekommen ist.“

Der ChiNext ist dabei der Technologie- und Start-Up-Index in China. Doch nicht nur China ist aktuell gut dabei. Der Experte hebt auch noch Taiwan und Südkorea als attraktive Märkte hervor:

„Beide Märkte leiden aktuell auch. Taiwan wird vermutlich dieses Jahr negativ wachsen. In Korea ist es etwas negativer. Nichtsdestotrotz sollte man nächstes Jahr diese Verluste wieder aufholen. Beide Länder sind stark in Technologie und Halbleiter.“ Dennoch sollten Anleger seiner Meinung nach, nicht einfach unüberlegt den gesamten Markt kaufen. Seine Erklärung:

„Die asiatischen Märkte hängen sehr stark an China. Die Länder sind relativ gut durch die Krise gekommen. In Südkorea hat man jetzt schon sechs Prozent plus. In Taiwan sind es sogar 8,5 Prozent plus. Und in China sind die Aktien noch deutlich stärker gestiegen.“

Der Tipp des Experten: Bei ETFs darauf achten, wie abhängig die sind. Von Einzeltiteln und auch von den Branchen. Dennoch bietet sich oftmals der breite Index MSCI Emerging Markets für den Einstieg an. Werfen wir doch mal einen Blick darauf.

MSCI Emerging Markets

Mit dem marktbreiten Index MSCI Emerging Markets können Anleger auf eine ganze Bandbreite an Schwellenländer-Aktien setzen. Schauen wir uns doch einmal an, in welchen Ländern Anleger mit dem MSCI Emerging Markets investieren würden:

  • China: 41 Prozent
  • Taiwan: 12,3 Prozent
  • Südkorea: 11,6 Prozent
  • Indien: 8 Prozent
  • Brasilien: 5,1 Prozent

Wir sehen: Wer in die Emerging Markets investiert, der tut das vor allem in China und in Asien. Das wird auch beim Blick auf die größten Positionen bei den Einzelwerten nochmals klar:

  • Alibaba mit 7,5 Prozent (China)
  • Tencent mit 6,3 Prozent (China)
  • Samsung mit 3,7 Prozent (Südkorea)
  • Meituan Dianping mit 1,4 Prozent (China)
  • Naspers mit 1,3 Prozent (Südafrika)

Mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets ist es am einfachsten, dort zu investieren. Anleger müssen aber das Klumpenrisiko in China und vor allem in Asien miteinberechnen. Wer gezielte in die richtigen Länder und Branchen investieren möchte, der kommt um einen Länder-ETF oder um einen aktiv gemanagten Fonds nicht herum.

Worauf müssen Anleger bei Schwellenländern achten?

Bei der Aktienanlage müssen Anleger ohnehin immer auf der Hut sein, die Märkte beobachten und ehemalige Entscheidungen überdenken. Ganz besonders gilt das für die Emerging Markets, welche von vielen Einflüssen abhängig sind. Zum aktuellen Handelsstreit zwischen den USA und China sagt Dr. Ulrich Stephan beispielsweise:

„Ich sage schon seit Längerem, dass dieser Konflikt nicht lösbar ist. Da geht es um eine aufstrebende Weltmacht gegen eine bestehende Weltmacht. Da geht es auch um Technologie. China spürt schon einen gewissen Gegenwind.“

Und seine Empfehlung für die Aktien in Schwellenländern ist:

„Ich würde immer differenziert an die Dinge rangehen. ETF kann man machen in einem Aufschwung, in dem die Flut alles anhebt. Ich glaube, dass die Entwicklung von hier etwas schwieriger wird. Wir haben den breiten Anstieg gesehen. Ich würde hier etwas differenzierter, nicht nur nach Marktkapitalisierung kaufen wollen. Insgesamt gibt es noch Erholungspotential, solange die Geldpolitik expansiv bleibt und die Zinsen nicht deutlich steigen.“

Was Dr. Ulrich Stephan noch zu den Schwellenländern gesagt hat, welche Auswirkungen der Dollar auf die Anlage haben kann und welche spannenden Themen es noch im Podcast gibt, das hörst du jetzt bei Perspektiven to go.

Fotoquelle: Photo by Nuno Alberto on Unsplash

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