In den Medien ist derzeit oft von einer “zweiten Welle” bei den Corona-Infektionen die Rede. Gleichzeitig rollt aber auch eine andere Welle auf uns zu. Viele Unternehmen sind wegen der Virus-Krise von der Pleite bedroht. Die Folgen einer Insolvenzwelle für das Finanzsystem und die Steuerzahler könnten dramatisch ausfallen.

Eigentlich war jedem klar, dass sie kommt. Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Deutschland im März 2020 haben Virologen, Ärzte und Politiker immer wieder vor einer „zweiten Welle“ gewarnt – gemeint ist damit ein erneuter flächendeckender Anstieg der Infektionen. Nun zeichnet sich genau das ab. Das Robert-Koch-Institut vermeldete am Mittwoch fast 1500 registrierte Neuinfektionen. Das ist der höchste Wert seit Anfang Mai.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA, Brasilien oder Spanien ist Deutschland bisher relativ glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Für einige Wochen schien es sogar so, als würde das Leben wieder langsam zur Normalität zurückkehren: die Restaurants waren voll, die Schulen öffneten und sogar Konzerte wurden schon für den September angekündigt. Die zweite Welle könnte all das gefährden, befürchten manche.

Der Verlauf der Pandemie erschwert die wirtschaftliche Erholung

Doch einen zweiten flächendeckenden Lockdown wird es wohl nicht geben, wenn man den Bekundungen der Politik glauben darf. Zu fatal wären die wirtschaftlichen und sozialen Folgen dessen. Stattdessen müssen wir uns wohl noch auf eine längere Phase einstellen, in der wir mit dem Virus leben und besonders vorsichtig sein müssen. Das heißt: Masken tragen, Abstand halten, im Home Office arbeiten, Partys meiden und Urlaube in Risikogebiete absagen.

Doch all das wird die wirtschaftliche Erholung verlangsamen. Die Deutsche Bank rechnet derzeit damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2020 um 6,4 Prozent schrumpfen und 2021 wieder um 4 Prozent wachsen wird. Wahrscheinlich müssen wir uns die ökonomische Entwicklung der kommenden Monate eher als U oder L ausmalen, das optimistische V-Szenario erscheint in der derzeitigen Lage eher unrealistisch. Und solange es keinen Impfstoff gibt, wird das Virus nicht aus unserem Alltag verschwinden.

Gerade für Betriebe in der Reisebranche, der Gastronomie und der Kulturszene ist das ein großes Problem. Viele haben den Stillstand von März bis Mai nur mit staatlicher Hilfe überlebt. Die Bundesregierung verhängte sogar ein sogennantes Insolvenz-Moratorium. Noch bis Ende September sind Unternehmen von der Insolvenzantragspflicht befreit. Daher befürchten manche Beobachter eine regelrechte Welle von Firmenpleiten, sobald das Moratorium endet. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Dehoga sehen sich 60 Prozent der Gaststätten und Hotelbetriebe in ihrer Existenz bedroht. Die Folge dieser Insolvenzwelle wäre ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit.

In der Politik gibt es daher bereits Überlegungen, die Regelung bis ins nächste Jahr zu verlängern. Die Frage ist, ob das wirklich sinnvoll ist. Schließlich gehören auch Insolvenzen zum Kreislauf der freien Marktwirtschaft. In manchen Fällen ermöglichen sie erst einen wirtschaftlichen Strukturwandel.

Warnung vor “Zombie-Unternehmen”

Ökonomen prognostizieren, dass der Politik eine schwierige Abwägung bevorsteht. So heißt es in einem Bericht von DB Research, dass durch das Moratorium die Zahl von „Zombie-Unternehmen“ steigen wird, weil eigentlich unumgängliche Insolvenzverfahren immer weiter aufgeschoben werden. Andererseits könnte eine Insolvenzwelle im Herbst “zu einem Dominoeffekt kommen, bei dem auch gesunde Unternehmen durch die Häufung von Zahlungsausfällen in die Knie gezwungen werden”. Das könnte am Ende die Banken und damit das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen, weil Kreditrückzahlungen in massiven Größenordnungen ausbleiben. Die Folgen dessen sind unkalkulierbar.

Klar ist bei alledem aber auch: Je länger der Ausstieg aus dem Staatskapitalismus dauert, desto schwieriger und teurer wird er für die Steuerzahler.

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