Mit einer Prämie will die Bundesregierung die Nachfrage nach Elektroautos ankurbeln und gleichzeitig die Konjunktur in der Coronakrise beleben. Bleibt die Frage: Lohnt es sich wegen des staatlichen Zuschusses, jetzt ein E-Auto zu kaufen?

Die Kaufprämie für E-Autos gibt es in Deutschland seit 2016. Damals entschied die Bundesregierung, dass jeder Käufer eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs einen staatlichen Zuschuss beim Autokauf bekommen soll. Damals gab es bis zu 4000 Euro für ein reines E-Auto und 3000 Euro für einen Hybrid. Hintergrund dieser politischen Entscheidung war, dass Elektrofahrzeuge in Deutschland bis dato immer noch wenig verbreitet waren, obwohl sie eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen sollen. Schließlich stoßen Elektroantriebe im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren kein klimaschädliches CO2 aus.

Durch die Kaufprämie soll die Nachfrage nach E-Autos steigen

Nun hat die Bundesregierung sogar noch draufgesattelt. Im Rahmen ihres Corona-Konjunkturpakets hat sie die Kaufprämie für E-Autos (offiziell: “Innovationsprämie”) erhöht. Seit Juni 2020 gibt es dementsprechend bis zu 9000 Euro beim Kauf eines reinen E-Autos vom Staat dazu (Hybrid: 6750 Euro) . Die neue Förderung gilt allerdings nur bis Ende 2021.

Fast Zehntausend Euro Zuschuss beim Autokauf. Das klingt verlockend. Aber hält die Prämie wirklich, was sie verspricht? Und sollte man gerade jetzt ein E-Auto kaufen?

Das große Problem bei der Elektromobilität war neben der Reichweite für viele Kunden in Deutschland bisher der Preis. In der Regeln sind E-Autos teurer als Verbrenner. Ein BMW i3 kostet nach Listenpreis mehr als 38 000 Euro; ein Tesla Model 3 mehr als 45 000 Euro. Die Folge: Bei den Neuzulassungen kamen E-Autos und Plug-in-Hybridfahrzeuge in Deutschland bislang insgesamt auf gerade mal etwa sieben Prozent.

E-Auto kaufen mit Prämie: So viel kann man sparen

Die erhöhte E-Auto-Prämie setzt am Preishebel an – vor allem im niedrigen Preissegment. Wenn der Listenpreis des Fahrzeugs 40 000 Euro nicht übersteigt, gibt es eine Prämie von 9000 Euro für den Käufer. 6000 Euro kommen vom Staat und 3000 Euro vom Hersteller. Zu beliebten Modellen in diesem Segment zählen der Renault Zoe, der BMW i3 und der E-Golf von VW. In dieser Preisklasse stellt die Innovationsprämie tatsächlich einen großen Kaufanreiz dar. Bei einem Kaufpreis von 40 000 Euro bedeutet sie eine satte Ersparnis von 22,5 Prozent. Hinzu kommt die Mehrwertsteuersenkung bis zum Jahresende, die von einigen Autohändlern an die Kunden weitergegeben wird. Ein kleineres E-Auto dürfte man damit in vielen Fällen schon vor unter 20 000 Euro bekommen.

Für größere, luxuriösere E-Autos in der Preisspanne zwischen 40 000 und 60 000 Euro gibt es immer noch rund 7500 Euro Prämie. Dazu zählen das erwähnte Tesla Model 3 oder der Mercedes EQC. Hier fällt die relative Ersparnis aber geringer aus (12,5 Prozent bei einem Kaufpreis von 60 000 Euro).

Laut einer Studie von Kearney lockt die Kaufprämie vor allem Kunden im Kompakt- und Luxussegment an. Die Unternehmensberatung hatte 7300 Menschen im Juni 2020 nach ihren Plänen für den Autokauf befragt. Demzufolge war die Kaufprämie besonders im unteren und oberen Preissegment der entscheidende Kaufgrund. “Für Kompakt- und Luxusfahrzeuge sind die aktuellen Kaufanreize besonders entscheidend. Fahrzeuge im Mittelklasse-Segment können hingegen kaum von der Konjunkturspritze profitieren“, sagt Marcus Weber, Experte für E-Mobilität und Partner bei Kearney. „Das ist kritisch, weil der Erfolg der deutschen Autobauer stark auch von diesem Segment abhängig ist.“

Fazit: Jetzt ein E-Auto kaufen?

Die erhöhte E-Auto-Prämie macht E-Autos für viele Kunden interessanter. Das belegen die Zahlen: Im Juli stieg die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos laut Kraftfahrt-Bundesamt um 288 Prozent auf 35 955 Fahrzeuge einen neuen Rekordwert. Damit machten E-Autos erstmals mehr als zehn Prozent aller Neuzulassungen aus. Wegen der Innovationsprämie und der Mehrwertsteuersenkung sind die Bedingungen für den Kauf eines E-Autos so günstig wie nie zuvor. Wer ohnehin über einen Kauf nachgedacht hat, sollte die Chance nutzen.

Allerdings sollte man vor dem Kauf genau darauf achten, ob man auch tatsächlich einen Anspruch auf die Förderung hat. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion wurden bis Ende Juli von insgesamt 234 805 Anträgen nur 73 Prozent bewilligt. Das heißt im Umkehrschluss: Jeder vierte Antragsteller bekam keine Prämie vom Staat.

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