Das Kellerkind war einmal. Seit Jahren boomt der Gaming-Markt und hat die Filmbranche als Entertainment-Platzhirsch längst hinter sich gelassen. Die Corona-Krise hat das Wachstum nur beschleunigt. Höchste Zeit, einen Blick auf einige Player zu werfen. Lohnt sich die Investition in Gaming-Aktien?

Zwei Milliarden Menschen zocken. Ob am Handy, dem PC oder an der Konsole, der Videospielmarkt ist eine der am schnellsten wachsenden Branchen der Welt – und hat auch über die Jahre an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen. Jüngst warb sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Zuge der Corona-Kampagne #PlayApartTogehter ausdrücklich für das Spielen von Games.

Und die Spieler, sie scheinen der Empfehlung zu folgen. Laut Telekommunikationskonzern Verizon stieg das dort durch Videospiele verbrauchte Datenvolumen Mitte März um 75 Prozent. Auch die Umsatzzahlen beeindrucken. Im Jahr 2019 wurden mit Games 149 Milliarden US-Dollar weltweit umgestzt. Laut dem US-Marktforschungsunternehmen Newzoo steht uns bis 2022 hier eine jährliche Wachstumsrate von bis zu acht Prozent bevor. Mit 45 Prozent entfällt der größte Teil der Erlöse auf Samrtphone- oder Tablet-Games, die Konsolen Playstation, Xbox und Nintendo Switch folgen mit 32 Prozent und immerhin 23 Prozent des großen Kuchens landen beim PC.

Warum die Gaming-Branche wächst

Dafür gibt es viele Gründe. Die neue gesellschaftliche Akzeptanz von Spielen und Spieler*innen hat schon in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich das einst belächelte Hobby ganz neue Gesellschaftschichten erschlossen hat. Frauen daddeln heute zum Beispiel durchschnittlich genau so häufig wie Männer. Der Start dieser Entwicklung ist mit Sicherheit stark mit der Einführung der Nintendo-Konsole “Wii” und dem portablen Gameboy-Nachfolger “Nintendo DS” verknüpft. Denn diese setzten mit intuitiver Bewegungssteuerung und Touchscreen die Einstiegshürde für Interessierte extrem niedrig an. Konkurrenten wie Sony und Microsoft zogen schnell nach. Dabei sorgten sie für ein breiteres Portfolio auf ihren Plattformen, um möglichst viele verschiedene Käuferschichten für ihre Produkte zu begeistern. Aber auch die Markenbildung hat sich verändert. Die PR-Kampagnen für neue Blockbuster-Spiele kosten heute mindestens genausoviel wie die für große Filme.

Auf der anderen Seite hat die Branche die Verwertungsstrategie für ihre Produkte verändert. Und profitiert heute länger von veröffentlichten Spielen. Stichwort: In-Game-Käufe. Sowohl bei kleinen Mobile Games als auch bei großen Konsolenspielen wie Grand Theft Auto endet der Erlös nicht beim reinen Verkauf von Spielekopien, deren Kurve irgendwann abflacht. Vielmehr bieten die Hersteller und Publisher über Jahre neue Zusatzinhalte gegen Gebühr an. Diese sollen die Spieler*innen bei der Stange halten. Bei diesen Zusatzinhalten kann es sich um digitale Gegenstände handeln, die das Aussehen einer Spielfigur ändern oder um sogenannte Story Expansions, die die Geschichte des Games erweitern. Die Fanbase wird so kontinuierlich erweitert und an die Marke gebunden.

Mit einem ganz neuen Trend dürfte dem Markt der größte Wachstumsschub aber erst noch bevorstehen. Der direkte Game-Download – ohne den klassischen Gang in den Laden – gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Und das Streaming-System, bekannt von Netflix und Co., nimmt in der Games-Branche jetzt erst Fahrt auf -und dürfte nach dem ersten Test durch Google’s Stadia-Plattform mit dem Microsoft-Konkurrenten Project xCloud in der zweiten Jahreshälfte richtig an Fahrt gewinnen.

Daher lohnt sich auch ein Blick auf einige Gaming-Aktien von bekannten Spieleherstellern, die gerade in der Pandemie ihr Potenzial zeigen.

Diese Gaming-Aktien sind einen Blick wert

Natürlich sollte man bei so einer Aufzählung die Hardware-Hersteller zumindest kurz erwähnen, denn auch sie profitieren von wachsenden Gewinnen und veröffentlichen selbst auch Spiele. Nintendo konnte im ersten Quartal diesen Jahres seine Umsätze um über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern und Microsoft und Sony werden vorrausichtlich zum Weihnachtsgeschäft neue Konsolen auf den Markt bringen, die den Umsatz in die Höhe treiben. Wir wollen uns aber jetzt auf einige Publisher fokussieren, die durch ihre Spiele und Erlösmodelle vielversprechende Kandidaten für eine Investition in Gaming-Aktien sind.

Activison Blizzard

World of Warcraft, Candy Crush und Call of Duty. Activision Blizzard ist einer der bekanntesten Games-Hersteller und vereint gleichzeitig einige der bekanntesten Games-Franchises unter seiner Flagge. Das Handyspiel Candy Crush zählt über hundert Millionen Spieler, das vergleichsweise neue Overwatch bereits 50 Millionen und die Shooter-Reihe Call of Duty gehört mit 275 Millionen Einheiten zu den meistverkauften Spiele-Franchises aller Zeiten – nur die Pokémon- und Mario-Reihen gingen häufiger über die Ladentheke. Vor allem mit Multiplayer-Spielen macht das Unternehmen Umsatz. Mehr als ein Drittel der Spieler*innen kommen aus dem asiatischen Raum und waren während der Corona-Pandemie zuerst dazu gezwungen, zu Hause zu bleiben. Ein Ansturm auf die Online-Server war die Folge, die zwischenzeitlich sogar in die Knie gingen.

Electronic Arts

Wenn es bei Einzelaktien im Gaming-Bereich einen relativ risikofreien Einstieg geben sollte, dann wäre er bei Electronic Arts (EA) zu finden. Mit den sehr erfolgreichen Sport-Marken FIFA, MADDEN NFL, The Sims und NBA Live erzielt das Unternehmen jedes Jahr solide Gewinne – und auch neue Marken wie das Free to Play-Spiel Apex Legends, das mittlerweile vier “Staffeln” mit neuen Inhalten umfasst, entwickelten sich in kurzer Zeit zu Erfolgen. Dazu gilt EA als ein Pionier bei der fortlaufenden Monetarisierung von Spielemarken. Das brachte dem Unternehmen gerade zu Beginn viel Kritik ein, da Spieler keine “unvollständigen” Spiele kaufen wollten. Da sich die Verkaufspraxis mittlerweile aber bei vielen Herstellern durchgesetzt hat, ebbte auch die Kritik langsam ab.

Ubisoft

Bei Investoren ist das französische Unternehmen noch nicht so präsent. Dabei besitzt Ubisoft mit Titeln wie Assassine’s Creed, Far Cry, Anno und Rainbow Six Siege ein ähnlich starkes Games-Portfolio wie Electronic Arts. Von besagten Marken erscheinen im jährlichen oder zweijährlichen Rhytmus neue Ableger. Der Gewinn ist dadurch nicht ganz so berechenbar wie bei der Konkurrenz, für die kommenden zwei Jahre sind die Franzosen jedoch gut aufgestellt. In diesem Jahr erscheint neben einem neuen Assassine’s Creed auch noch der dritte Ableger der relativ neuen Reihe Watchdogs, bevor zu Jahresbeginn 2021 ein neues Far Cry erscheint. Und auch über die Wiederaufnahme einer unter Spielern hochgeschätzten Marke wird gemunkelt: Splinter Cell. Von allen Spiele-Publishern würde Ubisoft so über das umfassendste Angebot verfügen.

Take Two

Take Two ist der Kritikerliebling unter den Spiele-Publishern. Die hauseigene Marke veröffentliche im letzten Jahrzehnt mit Grand Theft Auto V und Red Dead Redemption 2 absolute Verkaufsschlager, die auch weit nach dem Release bis heute mit Zusatzinhalten unterstützt werden. GTA V erschien ursprünglich im Jahr 2013 und verkaufte sich bis heute über 130 Millionen Mal. Die Hälfte seiner Umsätze macht Take Two übrigens mittlerweile durch In-Game-Käufe. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Prognosen zurückhaltend, da kein großer Launch einer bekannten Spiele-Reihe ansteht. Take Two plant aber einen GTA V-Ableger für die neuen Konsolengeneration und kündigte für die kommenden fünf Jahre über 90 Spiele an – die Hälfte basiert auf bestehenden Marken, die andere sind Neuentwicklungen.

Gaming-Aktien: ETF als Lösung

Neben den großen Herstellern lohnt sich auch ein Blick auf Hersteller von Mobile Games wie Glu. Deren Kurs ist vor allem in der Corona-Krise interessant. Mit zahlreichen neuen Spielen und interessanten Lizenzprodukten für das Smartphone sieht sich das Unternehemn für die Zukunft gut aufgestellt.

Ebenfalls eine Alternative für Gaming-Aktien: Gaming-ETFs. Ja, die gibt es auch schon. Um die 30 Positionen können in so einem ETF stecken. Dazu gehören meist die wichtigsten Unternehmen der Branche wie Tencent Holdings, NVIDIA, Nintendo, Activison oder Electronic Arts. Einige dieser ETFs legten im Jahr 2020 um über 30 Prozent zu und sind so für Anleger eine Alternative, die nicht unbedingt auf Einzelaktien setzen möchten.

Zocker muss man also nicht sein, um mit Videospielen Gewinne zu machen.

Fotoquelle: Photo by Florian Olivo on Unsplash

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