Eigentlich sprechen wir hier meist vom sinnvollen Investment. Doch heute geht’s um das Gegenteil: Divestment. Wie es dir nützt und was das mit der Rettung der Erde zu tun hat, erfährst du hier.

Divestment – Geld abziehen für die Zukunft

Mehr Zug statt Flugzeug, mehr Gemüse statt Fleisch, Mehrweg statt Einweg: Wer für den Klimawandel aktiv sein will, hat viele Möglichkeit. Aber was, wenn wir dir sagen, dass all das schön und gut ist – aber dein Geld im Hintergrund trotzdem jede Menge Schmutziges anstellt:

Es holzt den Amazonas ab, versorgt Menschen in Krisengebieten mit Waffen statt Medizin und fördert den Kohleabbau. Aktivisten versuchen dagegen vorzugehen: mit Divestment.

Was ist Divestment?

Ganz einfach gesagt: Divestment ist das Gegenteil von Investment. Es geht also um den Abzug von bereits investiertem Kapital – zum Beispiel durch den Verkauf von Aktien. Die spannenden Fragen sind: Wo wird deinvestiert? Und wozu?

An sich ist Divestment nichts Neues. Es wird verwendet, um Druck auf unethische oder moralisch fragwürdige Industrien aufzubauen – mit Erfolg. In den 1970er- und 80er Jahren trug etwa der Abzug von Geld aus und das Ausbleiben von Investitionen in Unternehmen, die das südafrikanische Apartheid-Regime unterstützten, zum Sturz der Regierung bei.

In den letzten Jahren wird der Begriff „Divestment“ vor allen Dingen im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus Industrien genannt, die mit Kohle, Öl und Gas wirtschaften. Das kann im Kleinen den Wechsel der Bank bis hin zu im Großen den Verkauf von Aktien im Wert von Milliarden Euro bedeuten. Ziel der aktuellen Divestment-Bewegung: das Ende des Zeitalters von Kohle, Erdöl, Torf und Erdgas – und damit nichts Geringeres als die Rettung der Erde.

Divestment als Klimaretter?

Ins Leben gerufen wurde die Bewegung 2012 vom US-Amerikaner Bill McKibben. Damals stellte der Gründer der Klimaschutzorganisation 350.org Divestment aus fossilen Energieträgern als eine Option vor, die Erderwärmung zu stoppen und die Energiewende herbeizuführen. Um dies zu erreichen, agiert die von 350.org gestartete Kampagne „Fossil Free“ seither als ein internationales Graswurzel-Netzwerk.

In der Folge haben sich Unternehmen, Stiftungen, Städte und Länder in unterschiedlichen Maßen zu Divestment verpflichtet. Darunter: San Francisco, Stockholm, ganz Irland und der norwegische Pensionsfond, mit rund 828 Milliarden Euro der größte Staatsfond der Welt. In Deutschland sind nach Angaben von Fossil Free unter anderem Berlin, Bremen und Stuttgart Teil der Bewegung und Unternehmen wie die Allianz-Gruppe und Hannover Rück ziehen sich zum Teil aus fossilen Geschäften zurück. Eine komplette Liste findest du unter diesem Link.

Insgesamt spricht Fossil Free von einem Vermögen von 14,14 Billionen US-Dollar, das von 1238 Institutionen und über 58.000 Einzelpersonen absichtlich nicht mehr in Kohle, Erdgas und Erdöl investiert wird (Stand: Juli 2020).

Was bringt es für mich selbst?

Während den Klimaverhandlungen 2015 in Paris hat sich die internationale Staatengemeinschaft das Ziel gesetzt, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. So besagt Artikel 2.1 (c) des Abkommens, dass „Finanzströme in Einklang mit einem Niedrigemissionspfad und klimaresilienter Entwicklung“ gebracht werden müssen.

Somit lohnt sich Divestment aus Klimaschutzgründen – doch nicht nur. Um dieses Ziel zu erreichen, sind starke klimapolitische Gesetze und Regulierungen unausweichlich. Somit könnten in Zukunft Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen für Anleger als „gestrandete Vermögenswerte“ (engl. „stranded assets“) zu einem großen finanziellen Risiko werden. Unter „stranded assets“ versteht man z.B. Unternehmensanteile, deren Marktwert unerwartet bis zur Wertlosigkeit sinkt. Andere umwelt- und klimabezogene Gründe dafür können sein: Umweltprobleme wie die Vernichtung natürlicher Ressourcen, neue Technologien und veränderte soziale Normen (z.B. der Bezug regenerativer Energien).

So prüfst du, ob deine Geldanlage klimaschädlich ist – Schritt für Schritt

Du möchtest wissen, was dein Geld so anstellt? Dann überprüfe deine Geldanlagen:

  • Schritt eins: Checke deine Bank

Die Bank, bei der du Giro-, Tagesgeldkonto oder Sparpläne hast, arbeitet mit deinem Geld. Mit dem „Fair Finance Guide“ der NGO Facing Finance kannst du ihre Anlagepolitik überprüfen: https://www.fairfinanceguide.de/ .

  • Schritt zwei: Schau dir deine Versicherungen und Altersvorsorge an

Auch hier ist der Fair Finance Guide eine Hilfe – darin kannst du die Lebensversicherungen von Allianz, Axa, R+V, Zürich und Debeka vergleichen.

  • Schritt drei: Prüfe deine Geldanlage

Um herauszufinden, wie klimaschädlich deine Anlage ist, gibt es verschiedene Wege:

  • Für die Plattform Climetrics analysieren Klimaexperten Aktienfonds aus ganz Europa nach Klimarisiken. Die Bewertungsskala von ein bis fünf Blättern zeigt die Einschätzung der Klimarisiken und -chancen eines Fonds. Du ahnst es schon, je mehr Blätter, desto besser. https://www.cdp.net/en/investor/climetrics
  • Der jährlich aktualisierte Fossil Free Index der NGO 350.org listet die weltweit 200 größten Kohle-, Öl-, und Gasunternehmen auf und sortiert sie nach Klimaschädlichkeit. https://fossilfreeindexes.com/

Welche Unternehmen in deinen Fonds stecken, findest du oft auf der Webseite des Fonds heraus. Dort stehen meist die Positionen mit dem größten Gewicht. Noch genauer siehst du die Zusammenstellung in den Halbjahres- und Jahresberichten.

  • Und im letzten Schritt: Wechseln

Wenn deine Geldanlagen auch Unternehmen zu Gute kommen, die nicht deinen sozialen, ethischen oder ökologischen Ansprüchen genügen: Wechsle deine Bank oder Versicherung, verkaufe die Anteile und wähle eine nachhaltige Alternative.

Dieser Text ist ein Gastbeitrag von Sabina Kist. Sabina schrieb früher für Kleingeldhelden und betreibt heute den Instagram-Kanal @oekowas.

Fotoquelle: Photo by Riccardo Chiarini on Unsplash

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