Die Technologie-Aktien markieren neue Allzeithochs. Viele Indizes bewegen sich nicht mehr so weit entfernt von ihren Rekordständen. Dabei erwarten Experten, dass uns ein komplizierter Sommer bevorsteht. Und im November gibt es die US-Präsidentschaftswahl. Wie sollten Anleger sich jetzt aufstellen und wie geht es an der Börse weiter?

Das ist der Stand der Dinge

Nachdem die meisten großen Aktienindizes noch Anfang des Jahres 2020 neue Allzeithochs erreichten, folgte ab Mitte Februar der harte Corona-Virus-Absturz an den Börsen. Viele Aktien und Indizes rauschten in die Tiefe, bevor sich gewisse Branchen erholten. Technologie-Aktien machten eine V-förmige Erholung durch. Der amerikanische Technologie-Index Nasdaq 100 etwa steht heute höher als vor Ausbruch der Krise. Die “normalen” Indizes wie Dax oder Dow Jones rangieren noch rund zehn bis 15 Prozent unter ihren Allzeithochs.

Aber wie kann es passieren, dass sich die Märkte schon wieder so gut erholten, während die Wirtschaft noch sehr stark zu kämpfen hat? Dazu sagt Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank in seinem Podcast: „Manchmal spiegelt die Zusammensetzung eines Aktienindex nicht die Volkswirtschaft wieder.“ So könne es passieren, dass Wirtschaft und Börse nicht im Gleichschritt laufen. Zum Beispiel ziehen die US-Technologie-Schwergewichte wie Amazon, Apple, Microsoft und Co die Märkte mit. Sie machen einen ordentlichen Teil der Indizes aus und sind in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen. Dadurch steigen auch die Indizes mit. Zudem seien in der Krise viele Privatanleger an die Börse geströmt. “Ja, viele Anleger hatten Zeit und haben sich mit ihren Finanzen beschäftigt. Ratierliches Sparen ist sicherlich nicht schlecht”, fügt Dr. Ulrich Stephan hinzu und weist damit auf Sparpläne hin.

„Ein anderer Grund dürfte sein, dass die Anleger erwarten, dass die Unternehmen in den nächsten Jahren zu ihrem langfristigen Gewinntrend zurückkommen. In den letzten hundert Jahren gab es im S&P500 trotz aller Krisen und Kriege rund sechs Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr”, erklärt der Experte. Dennoch müsse man auch Vorsicht walten lassen. „Ich glaube aber, dass es über den Sommer dann doch etwas komplizierter werden sollte.“

Wie geht es an der Börse weiter?

Der Stand der Dinge ist, dass viele Aktien aktuell als teuer gelten. „Hier muss man schauen, auf welche Bewertung man sich beruft. Wenn wir uns das gängigste Modell – das Kurs-Gewinn-Verhältnis – angucken, dann sind wir mit Sicherheit teuer.“ Das sei aber nicht ungewöhnlich. Schließlich schauen die Aktienmärkte meistens in die Zukunft und erwarten da höhere Gewinne. Nach und nach sollten sich die Gewinne dann wieder den Kursen anpassen.

Die Gewinnerwartungen verbessern sich bereits wieder etwas. Und dadurch würde das KGV dann auch wieder etwas zurücklaufen. „Es kann aber sein, dass es eine Verschiebung gibt: Die Gewinne werden steigen und die Bewertungen runterkommen. Rund 10 Prozent kann ich mir da vorstellen.“

Welchen Einfluss das auf die Bewertungen hat und wie sich Aktien dadurch entwickeln könnten, das verrät Dr. Stephan noch in seinem Podcast. Wie der Stand der Dinge ansonsten in der Wirtschaft ist, das kann jeder hier nachlesen.

Welche Auswirkungen hat der US-Wahlkampf?

Betrachtet man die US-Wahljahre an den Börsen im historischen Verlauf, so lassen sich einige Gesetzmäßigkeiten feststellen: In den Monaten Januar bis Mai eines jeden Wahljahres verharren die Kurse des Dow Jones um die Nulllinie oder sinken sogar. Insgesamt war das mit starken Schwankungen auch in 2020 zu sehen. Ab Juni geht es dann aber kräftig aufwärts. Rund vier bis fünf Prozent legen die Kurse von Juni bis Ende August zu, bis es bis kurz vor die Wahlen tendenziell nach unten geht. Anfang November, wenn es mehr Klarheit über die Wahl gibt, steigen die Kurse meistens nochmal sprunghaft an, sodass Wahljahre für Aktionäre im Durchschnitt lukrativ sind.

Dazu sagt auch Dr. Ulrich Stephan: „Die heiße Phase des Wahlkampfes wird aber vermutlich erst im September starten.“ Und er merkt an, dass Präsidenten eine schlechtere Chance auf eine Wiederwahl haben, wenn der Arbeitsmarkt in den zwölf Monaten vor der Wahl deutlich schlechter performt. Aktuell ist das in den USA aufgrund von Covid-19 der Fall. Vermutlich wird auch der Arbeitsmarkt eine enorme Rolle spielen. Hier wird es darauf ankommen, wie stark er sich bis zu den Wahlen erholen kann. Im Mai und Juni wurden in den USA rund drei Millionen Jobs pro Monat neu geschaffen. Davor hatte der Arbeitsmarkt aber auch einen historischen Einbruch erlitten.

Wer mehr über den aktuellen Stand der Dinge an der Börse erfahren möchte, der hört in den Podcast “Perspektiven to Go” mit Journalistin Jessica Schwarzer und dem Chefanlagestrategen der Deutschen Bank, Dr. Ulrich Stephan, rein.

Fotoquelle: Photo by Ameer Basheer on Unsplash

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