Frankfurt, Berlin und München. Viele deutsche Metropolen haben eigene Börsen. Aber wie unterschieden sich die Handelsplätze voneinander und welche Rolle spielen dabei Online-Plattformen wie Xetra oder Tradegate Exchange? Und an welcher Börse soll ich kaufen? Wir geben euch einen Überblick.

Börsenplätze gibt es schon lange. In Deutschland sogar schon ziemlich lange. 1540 entstanden in Augsburg und Nürnberg die ersten Handelsplätzen, in denen sich Menschen per Zuruf über An- und Verkauf von Wertgegenständen verständigten. Bis vor einigen Jahrzehnten waren diese sogenannten „Präsenzbörsen“ der Standard und prägten auch in der Popkultur durch Filme wie „Wall Street“ das Bild des gestressten Geschäftsmannes, der mit fuchtelnden Händen seine Wertpapiere loswerden möchte. Präsenzbörsen oder Parkettbörsen gibt es heute aber kaum noch – in Deutschland sind es derzeit noch sieben. Und wenn, existieren sie neben elektronischen Handelsplätzen wie Xetra, dem Online-Ableger der Frankfurter Börse. Dabei stehen Anfänger häufig vor der Frage, welche Börsen es eigentlich gibt und an welcher ich mein Geld anlegen soll. Schnell fällt einem nämlich auf, dass sich die Aktienkurse für das gleiche Wertpapier an unterschiedlichen Plätzen stark unterscheiden können. Wir geben euch einen Überblick, was es zum Thema Börsenplätze zu wissen gibt.

Welche Arten von Börsen gibt es?

Sie sind alteingesessen, aber noch lange nicht tot: die klassischen Parkettbörsen. Börse Berlin, Börse Frankfurt, Börse München, Börse Stuttgart und die BÖAG Börsen, zu der die Börse Düsseldorf, Hamburg und Hannover zählen. Aktien oder ETFs können hier wie an allen anderen Handelsplätzen erworben werden, obwohl viele dieser Anbieter mittlerweile mit elektronischen Ablegern arbeiten, um einen Großteil ihrer Wertpapiertransaktionen über die Bühne zu bringen. Bekanntestes Beispiel ist die Frankfurter Börse mit ihrem elektronischen Ableger Xetra.

Xetra wurde 1997 in Betrieb genommen, steht für „exchange electronic trading“ und ist mit einem Marktanteil von über 90 Prozent beim Aktienhandel und dem Handel mit börsengehandelten Fonds der bedeutendste Vertreter in Deutschland. Über vier Milliarden Euro werden dort täglich umgesetzt. Mit über 1.500 gelisteten ETFs im Produktportfolio ist Xetra ebenso „Marktführer“ in Europa. Aber die Frankfurter sind natürlich nicht allein. Weitere bekannte Online-Handelsplätze in Deutschland sind die 2009 gegründete Trade Exchange oder der Düsseldorf-Ableger Quotrix, 2001 eingeführt. Das sind zwar keine 27 Plätze mehr wie gegen Ende des 19. Jahrhunderts, etwas Auswahl haben Anleger aber dennoch.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Börsen?

Neben dem Umstand, dass sich die einzelnen Börsen an verschiedenen Orten befinden, gibt es noch einige weitere Unterschiede, die es zu beachten gilt. Auch sollte die Frage, an welcher Börse kaufen beachtet werden. Geöffnet haben die Börsen nämlich nicht alle zur gleichen Zeit. Während Xetra um neun Uhr seine Türen öffnet, um sie um Punkt 17:30 wieder zu schließen, startet Berlin bereits eine Stunde früher und hat auch erst um 20:00 Uhr Ladenschluss. Unterschiedliche Kurse zum gleichen Wertpapier lassen sich also auch darauf zurückführen, dass an einer Börse noch gehandelt wird, während woanders Stillstand herrscht. Davon solltet ihr euch aber nicht verunsichern lassen.

Wichtiger sind die verschiedenen Kosten und Angebote, mit denen sich die Börsenplätze voneinander abheben möchten. Regionale können dabei generell einen niedrigeren Umsatz aufweisen, sodass es zu Teilausführungen kommen kann. Bedeutet, dass eine Order mit Papieren, zu denen kaum Handel stattfindet, nicht an einem Stück ausgeführt werden kann, sondern in mehreren Etappen. Das wird natürlich dann teurer als bei einer einmaligen Ausführung, kann aber auch bei vollautomatischen Plattformen wie Xetra passieren. Tatsächlich werben die Börsen in Hamburg und Hannover sogar damit, dass es bei ihnen zu keinen Teilausführungen kommen kann, da Spezialisten Teilausführungen besser vermeiden können als vollautomatische Systeme.

An welcher Börse kaufen?

Außerdem gelten die Norddeutschen als Marktführer im Bereich Fondshandel. In Berlin ist man dagegen Spezialist für Aktien aus dem Ausland. Zwar ist das Angebot an Wertpapieren bei Regionalbörsen im Vergleich zu Online-Anbietern allgemein etwas eingeschränkter, häufig werben die Anbieter aber mit “Bester-Preis”-Angeboten, um die schwindende Kundschaft auszugleichen.

Bei elektronischen Plätzen wie Xetra und Tradegate wird dagegen mit geringen Kosten geworben, da durch den vollautomatischen Ablauf Marklergebühren wegfallen, also kein “Zwischenhändler” die Order ausführt. Standardwerte handelt man hier meist am günstigsten. Bei Tradegate handeln Privatanleger sogar völlig frei von Transaktionskosten, da Tradegate sein Geld in erster Linie durch Eigenhandel verdient. Zumindest in Stuttgart wird aber wiederum damit geworben, selbst mit Marklercourtage noch unter den Xetra-Preisen zu liegen. Ein gründlicher Vergleich kann sich also lohnen, manchmal wird einem die Wahl aber auch abgenommen. Bei Online-Brokern wie Trade Republic erfolgt der Handel ausschließlich über die elektronische Börse Lang & Schwarz Exchange.

Frankfurt, Hamburg oder Stuttgart. Börsenplatz ist also nicht gleich Börsenplatz. Mit etwas Vorbereitung kann man das für sich passende Parkett aber durchaus finden. Wichtig ist, dabei auf die Kosten, die Liquidität und die Kurse zu achten.

Sind die Kurse bei Börse 1 gerade schlecht, dann sollte man an einer anderen Börse verkaufen. Wichtig sind hier dann aber die Kosten für den Kauf und Verkauf, und wie viele der entsprechenden Aktien, Fonds und ETFs dort gehandelt werden. Schließlich möchte man auch nicht ewig auf die Ausführung der Order warten.

Fotoquelle: Photo by Aditya Vyas on Unsplash

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