Wenn Maiskörner erhitzt werden, ploppen sie irgendwann auf und werden zu Popcorn. Wie lange dieser Prozess dauern kann, ist unterschiedlich. Wichtig ist nur, möglichst viele Maiskörner zu haben, die tatsächlich aufploppen – denn einige tun es nicht und bleiben verschlossen. Aus ihnen wird kein Popcorn. Dieses Prinzip können Anleger auch auf die Börse umlegen. Wir zeigen, was die sogenannte Popcorn-Strategie ist.

Was ist die Popcorn-Strategie?

Die Popcorn-Strategie basiert auf dem Popcorn-Effekt. Unter anderem hat die Autorin Claudia Reiterer im Jahr 2017 das Buch “Der Popcorn Effekt” veröffentlicht. Darin geht es vor allem um den Vorgang, den ein losgelöster Knoten im Leben oder in der Karriere auf dem weiteren Lebensweg haben kann. Löst sich dieser Knoten, so sei vieles möglich.

Dieser Popcorn-Effekt – dass sich erst lange nichts tut und plötzlich ist dieser Moment da, der alles verändert – kann auch auf den Finanzmarkt angewendet werden. Im Grunde geht es um Unternehmen, die vor ihrem großen Durchbruch stehen. Das können einerseits kleine Unternehmen sein, die auf den großen Wachstums-Knall warten. Oder auch große Unternehmen. Denn bei den großen Konzernen besteht der Popcorn-Effekt darin, dass sie plötzlich so groß und wichtig werden, dass sie nicht mehr wegzudenken sind. Hier sorgt der Effekt dafür, dass sie sich an der Spitze und in der Welt festsetzen.

Doch welche Aktien können das beispielsweise sein? Und wie finden Anleger solche Unternehmen?

Welche Kriterien haben Popcorn-Aktien?

Die Popcorn-Strategie setzt darauf, eine Mischung aus Aktien zu finden, die den großen Knall noch vor sich haben und solchen, die durch den großen Knall unersetzbar geworden sind. Ein Vergleich dazu kann der Fonds DF Dent Premier Growth Investor geben. Dieser Fonds setzt auf die Popcorn-Strategie und der Fondsmanager erzählte CNBC, wie er arbeitet. Aktuell (Stand 31. März 2020) zählen zu den größten fünf Positionen Visa, Markel, Amazon, Mastercard und S&P Global. Das sind allesamt eher Aktien, welche den Popcorn-Effekt schon durchlaufen haben und aus unserem Leben mehr oder weniger gar nicht mehr wegzudenken sind.

Aber wie finden Anleger nun Aktien, welche noch vor dem großen Knall stehen? Das ist natürlich die Königsaufgabe und darum sehr schwierig. Denn wir erinnern uns: Beim Popcorn geht es darum, viele Masikörner zu finden, die auch wirklich aufploppen. Es sollten also möglichst wenige dabei sein, die nicht ploppen und damit verschlossen bleiben. Für Aktien bedeutet dies nun folgendes:

  • Die Aktie sollte stark wachsen und somit ein “Growth-Wert” sein
  • Die Aktie muss auf einem Gebiet technologisch führend sein, sodass sie hier kaum verdrängt werden kann
  • Das Unternehmen sollte eine hohe Gewinnmarge haben (Ausnahme ist aber zum Beispiel Amazon)
  • Das Unternehmen muss ein sehr gutes und verlässliches Management haben
  • Die Aktie muss eine gute Bilanz haben, sollte nicht zu viele Schulden haben und einen starken Cashflow produzieren
  • Das Unternehmen muss einen starken USP (Unique Selling Point) aufweisen und sich somit gegen Mitbewerber abgrenzen
  • Die Analysten sollten gute Kursziele für das Unternehmen haben und deutlich mehrheitlich zum Kaufen raten

Es zeigt sich, dass viele Wide Moat-Unternehmen Ähnlichkeiten mit den Popcorn-Unternehmen aufweisen. Diese Unternehmen verfügen über ein so gutes Geschäftsmodell, dass die Konkurrenz wenig Chancen hat. Aber wie investieren Anleger nun mit der Popcorn-Strategie?

Wie investiert man mit der Popcorn-Strategie?

Am besten sucht man sich einen Aktienkorb und wählt die zehn vielversprechendsten Werte aus. Dabei muss gesagt werden, dass die Popcorn-Strategie nicht ohne Risiko ist: Denn es gibt auch immer wieder Unternehmen, die wie Maiskörner sind und eben nicht aufploppen. Die Einsätze sollten also überschaubar sein und man sollte nur investieren, wenn man sich eingehend mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat.

Wer das getan hat, kann auf sechs stabile Unternehmen setzen, die den Popcorn-Effekt bereits druchlaufen haben. Sie sollten bereits so groß und wichtig sein, dass man nicht mehr an ihnen vorbeikommt. Garniert werden diese sechs Aktien mit vier vielversprechenden kleineren Werten, die den Popcorn-Effekt noch vor sich haben. Welche Kriterien dafür gelten können, das steht weiter oben im Artikel. Wer etwas weniger Risiko in der Popcorn-Strategie fahren will, der nimmt sieben große Werte und nur drei kleinere. Wichtig ist einfach, dass alle Aktien “ploppen”. Denn darauf kommt es bei der Popcorn-Strategie ja an.

Fotoquell: Photo by Adrian Cogua on Unsplash

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