Geld muss fließen. Nur wohin? Auf dem YouTube-Kanal Finanzfluss von Thomas Kehl und Arno Krieger gibt es seit 2015 jede Woche Videos mit Tipps zur richtigen Geldanlage und dem Börseneinstieg – und das gefällt bisher über 400.000 Abonnenten. Wir haben mit Gründer Thomas unter anderem über die Ursprünge der Plattform gesprochen und wie man mit Schulden umgeht .

Kleingeldhelden: Thomas, auf dem YouTube-Kanal „Finanzfluss“ hilfst du Menschen, sich besser in der Finanzwelt zurechtzufinden. Du erklärst zum Beispiel, was eigentlich ETFs oder der DAX sind. Wer hat dir früher Tipps gegeben?

Thomas: Ich interessiere mich schon lange für das Thema. Mein Vater hat sich immer Börsenbriefe bestellt und mir in die Hand gedrückt. Ich sollte dann vielversprechende Aktien suchen, die wir gekauft haben. Studiert habe ich später in Frankfurt Wirtschaftswissenschaften und parallel eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Danach bin ich nach Paris gezogen und habe dort unter anderem zwei Jahre als Investmentbanker gearbeitet.

Kleingeldhelden: Und was war dann die Initialzündung für den YouTube-Kanal?

Thomas: Die Grundidee kam von Arno. Der hatte sich mal bei YouTube als Account-Manager beworben. Da ist man unter anderem dafür verantwortlich zu schauen, was Kanäle auf der Plattform erfolgreich macht. Und man sucht natürlich nach Nischen, zu denen es noch nicht so viele Videos gibt. Eine YouTube-Finanzszene gab es anno 2015 noch nicht. Neben uns gab es nur „Aktien im Kopf“ und „Talerbox“, die eine gewisse Größe hatten. Mit YouTube hat es für Arno dann nicht geklappt, dafür ist Finanzfluss entstanden. Inhaltlich wollten wir ein Finanzlexikon für junge Leute sein, die noch nicht viel Ahnung von Börse oder Geldanlage haben. Wo wir genau mit dem Kanal hinwollten, wussten wir damals aber noch nicht. Und die ersten Videos zu drehen, war auch gar nicht so einfach…

Kleingeldhelden: Warum?

Thomas: Ich lebte zu der Zeit ja in Paris und Arno in London. Er musste am Wochenende häufig mit dem Zug zu mir kommen und wir haben in meiner Studentenwohnung bis spät in die Nacht gedreht. Die Aufnahmezeit für ein fünfminütiges Video war extrem lang. Am Anfang bist du vor der Kamera sehr nervös und ich musste Takes immer wieder machen, weil ich zu viele Fachbegriffe nutzte. Arno hatte im Gegensatz zu mir keinen Finanz-Hintergrund und musste mich unterbrechen, wenn er etwas nicht verstand.

“Wir beschäftigen mittlerweile zehn Mitarbeiter in Berlin”

Kleingeldhelden: Heute arbeitet ihr gemeinsam in Berlin.

Thomas: Genau, mittlerweile ist Finanzfluss unser Vollzeitjob und wir beschäftigen zehn Mitarbeiter. Die betreuen auch unsere Webseite und schreiben Artikel für unseren Blog.

Kleingeldhelden: In euren Videos gebt ihr häufig Tipps zum passiven Investieren in ETFs (Exchange Trade Funds)…

Thomas: Stimmt, wobei wir häufig darauf reduziert werden, nur Videos über ETFs zu machen. Dabei gibt es bei uns weit umfangreichere Inhalte zum Thema Finanzen. Wir vergleichen zum Beispiel die gesetzliche und private Krankenversicherung oder sagen, welche Versicherungen überhaupt wichtig für’s Leben sind. Und unsere Spartipps beschränken sich nicht nur auf die Börse.

Kleingeldhelden: Trotzdem sind ETFs ja seit Jahren in aller Munde und scheinen auch für Neulinge eine gute Möglichkeit zu sein, das Ersparte anzulegen?

Thomas: Das kann man so sagen. Nehmen wir als Beispiel den DAX. Beim aktiven Investieren versuche ich, durch meine Aktienkäufe den DAX-Index zu schlagen, also den Kurvenverlauf zu toppen, den man aus dem TV kennt. Das gelingt aber nur ganz selten und darüberhinaus muss ich mein Portfolio ständig im Auge behalten – also je nach Situation Wertpapiere abstoßen oder zukaufen, um keine großen Verluste zu machen. Das kann sehr anstrengend werden. Die Idee des passiven Investierens ist, dass mein ETF einen Index wie den des DAX genau abbildet. Meine Gewinne und Verluste richten sich also nach besagter Kurve. Und die verlief in den letzten Jahrzehnten immer nach oben. Dabei muss ich mich auch nicht mehr um das aktive Umschichten von Wertpapieren kümmern. Wichtig ist nur, dass ich mein Geld nicht für Wochen, Monate oder ein Jahr anlege. Kurseinbrüche wie jetzt zu Corona-Zeiten sind immer möglich. Wer jetzt seine ETF-Anteile verkauft, die er erst vor Kurem erworben hat, macht Verluste. Wer aber einen langen Atem hat, der kommt wieder in die Gewinnzone. Eine gute Idee kann das Anlegen in ETF-Sparpläne sein. Dabei kann ich bei einigen Anbietern schon mit 25 Euro im Monat einsteigen und mir so ein weiteres Standbein für die Altersvorsorge aufbauen.

Kleingeldhelden: Häufig gibt es aber nicht nur einen ETF für einen Index, sondern Angebote von mehreren Anbietern. Auf was sollte ich bei der ETF-Auswahl achten?

Thomas: Ein wichtiger Punkt ist die Tracking Differenz zwischen Index und ETF. Je besser der ETF den Index abbildet, desto höher die Tracking Differenz. Für Anfänger ist die bessere Kennzahl allerdings die TER (Total Expense Ratio), also die Verwaltungskosten für den ETF, die in einem Jahr anfallen. Liegen die zum Beispiel bei 0,2 Prozent, dann zahle ich bei einer 100 Eure Investition jedes Jahr 20 cent an den ETF-Anbieter. Dazu kommen dann unter Umständen noch Gebühren für die Depotführung. Man muss also aufpassen, dass diese Kosten meine zu erwartende Rendite nicht auffressen.

Kleingeldhelden: Ihr empfehlt in euren Videos aber keine spezifischen ETFs?

Thomas: Eine individuelle Anlageberatung über YouTube ist gesetzlich eh untersagt. Wir haben uns aber auch angewöhnt, keine spezifischen ETFs zu nennen. Selbst mit Warnhinweis haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Leute dann alles blind nachkaufen.

“Nach meinem Studium hatte ich 60.000 Euro Schulden”

Kleingeldhelden: Nehmen wir an, statt gespartem Geld hat man Schulden. Was dann?

Thomas: Da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Am Ende meines Studiums an einer Privatuni hatte ich insgesamt 60.000 Euro Schulden. Das lag auch daran, dass ich mit Krediten meinen Lebensunterhalt in Großstädten wie Paris oder Berlin sichern musste. Zum Glück habe ich in meinem Beruf gut verdient und habe parallel immer Verbindlichkeiten zurückgezahlt. Meinen Lebensstandard hielt ich trotz Job auf dem eines Studenten. Ich lebe heute noch in der gleichen Wohnung mit meiner Freundin, in der ich schon als Student lebte. Nachdem einige Kredite weg waren, habe ich das freigewordene Geld aber nicht gleich rausgeworfen, sondern an der Börse investiert.

Kleingeldhelden: Laut Studien der Comdirect Bank und des Deutschen Instituts für Altersvorsorge ist die Finanzbildung bei jungen Menschen in Deutschland gering. Nur jeder zweite Befragte kann mit Begriffen wie „Rendite“ etwas anfangen. Bräuchte es ein entsprechendes Schulfach?

Thomas: Ich finde wichtig, dass man diese Themen schon in der Schule anspricht. Ein eigenes Fach Finanzbildung muss es aber nicht geben. Aber im Matheunterricht könnte man ja durchaus mal so einen Zinseszinseffekt durchrechnen.

Fotoquelle: Finanzfluss

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